Der Rentner hatte gedroht, Waren beim Lebensmittelhändler Tegut zu vergiften.
+
Der Rentner hatte gedroht, Waren beim Lebensmittelhändler Tegut zu vergiften.

Unter Druck wegen Schulden?

Bewährungsstrafe in Fulda: Rentner (81) versucht, Tegut mit Vergiftung von Waren zu erpressen

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
    schließen

Im Juni 2018 hatte die Polizei einen damals 81-Jährigen festgenommen, weil dieser unter anderem die Lebensmittel-Kette Tegut erpressen wollte. Jetzt wurde er vom Amtsgericht Fulda in Abwesenheit zu einer Geldbuße von 1000 Euro und einer halbjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Fulda - Die Verhandlung am Amtsgericht Fulda begann mit einer Wartezeit: Als auch 15 Minuten nach dem vorgesehenen Beginn weder der Angeklagte, ein Mann aus Sulzbach/Taunus, noch seine Verteidigerin anwesend waren, nahm das Verfahren ohne den Beschuldigten seinen Lauf. 

Versuchte Tegut-Erpressung: Rentner (81) bekommt Bewährungsstrafe

Der Fall hatte 2018 auch überregional Aufsehen erregt: Im Sommer 2020 hatte der Mann aus Sulzbach zunächst in einem Brief an Tegut die Erpresserbotschaft geschickt: Er verlangte 80.000 Euro und drohte, falls das Geld nicht gezahlt würde, Waren im Sortiment zu vergiften.

Durch Anrufe beim Geschäftsführer versuchte er damals, den Ernst seiner Drohung zu unterstreichen. Das führte letztlich zum Scheitern des Plans, denn während eines solchen Telefonats gelang es der Polizei, ihn festzunehmen. Weil der Mann versucht hatte, neben Tegut auch Lebensmittelketten in NRW zu erpressen, hatte die Polizei eine Spezialeinheit zusammengezogen.

Diese inhaftierte ihn während des Erpresser-Anrufs in Frankfurt. Bei der Wohnungsdurchsuchung, so berichtete die Polizei damals, habe sich Beweismaterial gefunden. Giftstoffe waren aber offenbar nicht darunter. In der Verhandlung am Donnerstag ging es ausschließlich um die versuchte Tegut-Erpressung, die sich in den Tagen unmittelbar vor der Festnahme ereignet hatte.

Staatsanwalt Christoph Wirth beantragte unter Hinweis auf die Regelungen des Paragrafen 408 der Strafprozessordnung in der Verhandlung des Amtsgerichts eine Haftstrafe von sechs Monaten, die für drei Jahre auf Bewährung auszusetzen sei. Außerdem solle dem Mann eine Geldbuße von 1000 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung auferlegt werden.

Wirth begründete das Strafmaß damit, dass zum einen die Tat nicht zur Ausführung gekommen und der Angeklagte von Anfang an gegenüber der Polizei geständig gewesen sei. Er habe die Tat mit seinen finanziellen Schwierigkeiten begründet: Angesichts seiner Schulden habe er sich offenbar so unter Druck gefühlt, dass er keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe. Richter Christoph Höflich entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft und stimmte dem Strafbefehl zu.

Das könnte Sie auch interessieren