Unternehmensdaten von Lebensmittelhändler Tegut aus Fulda sind im Darknet aufgetaucht. (Archivfoto)
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Unternehmensdaten von Lebensmittelhändler Tegut aus Fulda sind im Darknet aufgetaucht. (Archivfoto)

Nach Hacker-Angriff

Daten von Tegut im Darknet aufgetaucht - Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt ermittelt

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Nach dem Hacker-Angriff auf den Lebenmittelhändler Tegut aus Fulda sind Unternehmensdaten im Darknet veröffentlicht worden. Das wurde am Dienstag bekannt.

Update vom 20. Mai, 14.11 Uhr: Im Fall des Hackerangriffs auf das IT-Netzwerk der Supermarktkette Tegut Ende April hat eine bundesweit tätige Spezialstaatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. „Ich kann bestätigen, dass der Cyberangriff seit Ende April 2021 Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – ist“, erklärt Oberstaatsanwalt Dr. Benjamin Krause unserer Zeitung.

„Die technisch höchst anspruchsvollen Ermittlungen dauern aktuell an“, berichtet der Oberstaatsanwalt. Er könne keine näheren Angaben zu dem Stand des Ermittlungsverfahrens machen. Würde er Details nennen, könne dies die laufenden Ermittlungen gefährden.

Fulda: Tegut-Daten tauchen nach Hacker-Angriff im Darknet auf

Erstmeldung vom 18. Mai, 16.55 Uhr:

Fulda - Bei dem Cyber-Angriff auf Tegut Ende April haben die Hacker unternehmensbezogene Daten und Firmeninterna erlangt und in der Folge im sogenannten Darknet veröffentlicht. Das hat das Unternehmen in Fulda am Dienstag bekanntgegeben. Um welche Daten es sich konkret handelt, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend bestimmt werden, da diese derzeit noch ausgewertet werden.

„Es bestehen Anhaltspunkte, dass die von den Kriminellen veröffentlichten Daten, die sich auf einen Unternehmensbereich beschränken, auch mitarbeiterbezogene Informationen beinhalten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Kriminellen noch im Besitz weiterer Unternehmensdaten sind“, erklärt Tegut.

Das Unternehmen arbeitet seit Beginn des Hacker-Angriffs eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen und unterstützt die laufenden Ermittlungen, die sich auch damit befassen, ob Kundendaten gestohlen wurden.

Definition Darknet

Dr. Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt beschreibt den Begriff Darknet wie folgt: „Es gibt Netzwerke, die nur über spezielle Software erreichbar sind und sich durch eine besonders starke Verschlüsselung und/oder Anonymisierung auszeichnen. Das sogenannte Darknet umfasst Wikis/Blogs mit unterschiedlichen – auch legalen – Zielrichtungen sowie kriminelle/inkriminierte Kommunikations- und Handelsplattformen. Wie in der realen Welt gibt es berechtigte Gründe, warum eine Information wie zum Beispiel die Identität eines Nutzers nicht publik gemacht werden soll. Hierzu zählt beispielsweise der Schutz der Presse- und Meinungsfreiheit. Kriminelle missbrauchen diese Anonymität zur Begehung von Straftaten. Die Funktionsweise verschiedener Software zur Nutzung des Darknet (zum Beispiel Tor-Browser-Bundle, Invisible Internet Project [I2P], Freenet) bietet dem Anwender eine umfangreiche und leicht zugängliche Anonymität, weshalb das Darknet einen attraktiven Raum für Straftäter darstellt. Sie sorgt für ein hohes Sicherheitsgefühl auf Seiten der Kriminellen.“

Tegut-Geschäftsführer Thomas Gutberlet sagte diesbezüglich: „Wir leisten kriminellen Machenschaften keinen Vorschub und lassen uns auf keine Verhandlungen mit Kriminellen ein. Das hat nun dazu geführt, dass die Hacker Unternehmensdaten veröffentlicht haben. Wir sind uns gleichwohl unserer Verantwortung bewusst und unternehmen alles, um Kunden, Mitarbeiter und unsere Geschäftspartner zu schützen.“

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Unmittelbar nach dem Hacker-Angriff waren die Folgen in fast allen Filialen spürbar: In den Regalen gab es Lücken und an den Kassen bildeten sich lange Schlangen. Zuletzt hatte der Lebensmittelhändler aus Fulda aber berichtet, dass er auf dem Weg zurück zur Normalität sei. Ein IT-Professor aus Fulda hatte im Interview mit unserer Zeitung zuletzt erklärt, was die Motive und Methoden von Hackern sind.

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