Unfallstelle Marbach
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Auf keiner anderen Bundesstraße sterben so viele Menschen, wie auch der B27. Hier die Unfallstelle in Marbach.

Polizei sieht keinen Anlass

Bundesstraße im Kreis mit den meisten Todesfällen - Verkehrswacht fordert Tempolimit für B 27

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Der bislang letzte tödliche Unfall auf der B 27 im Kreis Fulda ist erst wenige Wochen her: Auf Höhe der Magdeburger Straße geriet ein 65 Jahre alter Autofahrer in den Gegenverkehr und starb. Auf keiner anderen Bundesstraße im Kreis fahren so viele Autos, auf keiner anderen Bundesstraße sterben so viele Menschen. Die Kreisverkehrswacht fordert Konsequenzen.

Fulda - Die B 27 ist ein Rückgrat für den Straßenverkehr im Kreis. Im Bereich Kaiserwiesen etwa fahren jeden Tag rund 30.000 Autos. Aber: Seit Anfang 2010 starben auf ihr bei zehn Unfällen 14 Menschen, darunter vier Fußgänger.

Dürfen die Polizei und die Politik tatenlos bleiben? Die Argumentation von Polizei, Stadt und Kreis ist ähnlich: Die Ursachen der Verkehrsunfälle sind zu unterschiedlich, als dass man mit Maßnahmen etwas erreichen könnte.

„Nach Angaben des Regionalen Verkehrsdienstes kann die B 27 im Kreis Fulda aus verkehrspolizeilicher Sicht als ‚unfallunauffällig‘ bewertet werden“, erklärt das Polizeipräsidium Osthessen. „Es kam zu keinen Häufungen an bestimmten Orten oder eines sich wiederholenden Unfallablaufs.“

Fulda: Tempolimit auf B 27 ? Forderung der Verkehrswacht nach Unfällen

Die Verkehrsbehörde des Kreises erklärt, im Zuständigkeitsbereich des Kreises seien nur vier tödliche Unfälle geschehen. Eine Häufung von Unfällen an einer Stelle sei nicht zu erkennen. Die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Fulda erklärt: Nur ein Bruchteil der Unfälle habe sich im Stadtgebiet ereignet. Grundsätzlich sei eine Aussage, ob und wie ein Unfall hätte verhindert werden können, ohne Prüfung jedes Unfalls nicht möglich. (Lesen Sie hier: Unfall auf der B27 - Audifahrer (65) stirbt)

Gerhard Brink, Vorsitzender der Verkehrswacht im Kreis Fulda, sieht das anders: „Bei zehn tödlichen Verkehrsunfällen starben 14 Menschen auf einem etwa 20 Kilometer langen Teilstück der B 27 innerhalb von elf Jahren – da kann ich eine Straße nicht als ‚unfallunauffällig‘ bezeichnen.“ Hinzu kämen noch viele Unfälle mit Verletzten. Für die Polizei sei eine Häufung aber erst dann gegeben, wenn sich auf einem Straßenabschnitt von maximal 300 Meter Länge mindestens drei Unfälle mit schwerem Personenschaden binnen drei Jahren ereigneten. Deshalb bezeichne die Polizei die B 27 im Kreis als „unfallunauffällig“.

Vorsitzender der Verkehrswacht fordert Reduzierung auf Tempo 80

Dennoch müsse versucht werden, die Zahl der Unfälle hier zu reduzieren, fordert Brink. „Bei jedem der zehn tödlichen Verkehrsunfälle war die gefahrene Geschwindigkeit mitverantwortlich für den Unfall und vor allem die schweren Folgen. Was wir benötigen, um die Bundesstraßen sicherer zu machen, ist eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 80“, sagt Brink. (Lesen Sie hier: Junger Mann befreit sich nach Unfall aus B27 selbst aus Fahrzeug)

Nur „runter vom Gas“ verhindere Verkehrsunfälle und reduziere die Unfallfolgen. Die Unfallforschung belege eindeutig den Zusammenhang zwischen hohen Geschwindigkeiten und schweren Verkehrsunfällen. Auf vierspurigen Bundesstraßen solle Tempo 100 gelten. Die Tempolimits müssten effektiv überwacht werden.

Chronik der tödlichen Unfälle

Samstag (05.06.2010), 3.10 Uhr, Höhe Kaiserwiesen: Ein Fußgänger (28) aus Fulda wird vom Bus überfahren.

Donnerstag (21.04.2011), 2 Uhr, Höhe Künzell: Ein Künzeller (18) legt sich auf die B 27; er wird überrollt.

Sonntag (27.05.2012), 1.45 Uhr, Höhe Eichenzell: Ein 17-jähriger Fußgänger aus Eichenzell wird überfahren.

Donnerstag (03.01.2013), 18.10 Uhr, Höhe Dietershan: Kollision beim Abbiegen; eine 98-jährige Beifahrerin stirbt.

Freitag (30.08.2013), 22.45 Uhr, Höhe Bernhards: Ein 18-jähriger Künzeller kollidiert mit Pkw aus Gegenrichtung.

Samstag (11.10.2014), 11.40 Uhr, Höhe Hünfeld: Ein 48-Jähriger kollidiert mit Lkw aus Gegenrichtung.

Mittwoch (21.12.2016), 17.30 Uhr, Höhe Kaiserwiesen: Kollision beim Überholen; beide Fahrer sterben.

Freitag (08.06.2018), gegen 15 Uhr, Höhe Hünfeld-Rückers: Kollision beim Überholen; vier Mitfahrer im Kombi sterben.

Dienstag (25.12.2018), 6 Uhr, Höhe Bernhards: Ein 54-jähriger Fußgänger aus Petersberg wird überfahren.

Montag (26.07.2021), 14.20 Uhr, Höhe Magdeburger Straße: Kollision mit einem Lkw; Ein 65-jähriger aus Fulda stirbt.

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