Der Mordprozess um die tödlichen Schüsse in Fulda-Neuenberg hat begonnen. Ein heute 38-Jähriger soll seinen Freund im vergangenen Jahr erschossen haben, da er eine Affäre zwischen dem Toten und seiner Frau vermutete.
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Der Mordprozess um die tödlichen Schüsse in Fulda-Neuenberg hat begonnen. Ein heute 38-Jähriger soll seinen Freund im vergangenen Jahr erschossen haben, da er eine Affäre zwischen dem Toten und seiner Frau vermutete.

38-Jähriger angeklagt

Tödliche Schüsse in Neuenberg - So lief der Prozessauftakt vor dem Landgericht Fulda

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Brutaler Mord in Neuenberg: Ein damals 37-jähriger Syrer soll seinen 41-jährigen Landsmann mit einem Kopfschuss getötet haben. Am Dienstag hat der Prozess gegen ihn begonnen. 

Fulda - Opfer und Täter sollen sich nahegestanden haben. 2015 sind sie zusammen aus ihrem Heimatland Syrien nach Deutschland geflüchtet. Beide sind Familienväter – sind verheiratet und haben fünf Kinder. Jetzt steht der 38-Jährige vor Gericht, weil er seinen 41-jährigen Freund in Fulda-Neuenberg erschossen haben soll.

Der mutmaßliche Täter ging davon aus, dass der 41-Jährige eine Affäre mit seiner Ehefrau hat. So schildert es Staatsanwältin Dr. Christine Seban vor dem Fuldaer Landgericht. Bereits seit März 2020 hatte er diese Vermutung, die er gegenüber seinem Bruder geäußert haben soll. Es gebe ein Video, das die außereheliche Liebesbeziehung eindeutig beweise, soll der Angeklagte gesagt haben. Und: Dass der 41-Jährige „seine gerechte Strafe erhalten wird“. (Lesen Sie hier: Dr. Christine Seban zu Oberstaatsanwältin befördert)

Fulda: Tödliche Schüsse in Neuenberg - War eine Affäre der Grund?

Am Vortag der Tat soll der damals 37-Jährige von Dorsten (Nordrhein-Westfalen), wo er wohnte, nach Fulda gefahren sein. Abends soll er den „Tatort ausgekundschaftet haben“. Am nächsten Morgen, zwischen 4 und 4.15 Uhr in der Früh, soll er dem 41-Jährigen aufgelauert haben. Dieser verließ seine Wohnung im Klosterwiesenweg in Neuenberg, überquerte die Straße, setzte sich in sein Auto und schnallte sich an. Er wollte zur Arbeit nach Poppenhausen fahren, wo er in einer Bäckerei tätig war und wo um 5 Uhr seine Schicht beginnen sollte. Doch dort kam er nie an. 

Der heute 38-Jährige reiste mit drei Verteidigern nach Fulda an.

Der Angeklagte soll mit einer Schusswaffe an das Auto herangetreten sein und drei Schüsse durch die Fensterscheibe der Fahrertür abgegeben haben. Zwei Schüsse verfehlten das Opfer, einer traf den 41-Jährigen im Gesicht. „Der Angeklagte passte ihn ab. Dem Geschädigten blieb keine Möglichkeit, dem Angriff auf sein Leben zu begegnen. Er war sowohl arg- als auch wehrlos“, sagt Staatsanwältin Seban. Dies habe der Angreifer „bewusst und in feindseliger Willensrichtung handelnd ausgenutzt“.

Die Anklage lautet auf Mord – heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Denn das Motiv sieht die Staatsanwaltschaft in der „angenommenen außerehelichen Beziehung des Tatopfers zu seiner Ehefrau“, die der Angeklagte als „so schwerwiegende Ehrverletzung empfunden haben soll, dass der Syrer sich aufgrund seines Rollenverständnisses und seines daraus resultierenden Herrschaftsanspruches über seine Familie als berechtigt zur Tötung angesehen haben soll“. (Lesen Sie auch: Lebenslang für Ärztin-Mörder)

Syrer tötet Freund mit Schuss - 60 Zeugen werden im Prozess gehört

Drei Verteidiger stehen dem 38-Jährigen zur Seite – ein Pflicht- und zwei Wahlverteidiger. Auf der anderen Seite stehen drei Nebenkläger – zwei Brüder und die Ehefrau des Getöteten – und ihre Rechtsanwälte.

In dem Prozess, der erst in zwei Wochen, am 21. Oktober, fortgesetzt wird, sollen an zwölf Verhandlungstagen insgesamt 60 Zeugen gehört werden. Dem Angeklagten, der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, droht im Falle einer Verurteilung wegen Mordes lebenslange Haft.

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