Reisebusse parken auf dem Domplatz in Fulda.
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Derzeit ein seltener Anblick: Am Fuldaer Domplatz stehen Reisebusse zur Abfahrt bereit. (Archivfoto)

Umfrage in der Region

Viele Reisebusse in Osthessen stehen still: Langsam gehen wieder Buchungen ein

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Seit einem Vierteljahr stehen bei vielen Busunternehmen die teuren Fahrzeuge fast nur noch auf dem Hof. Wegen Corona waren bis vor Kurzem Busreisen untersagt. Viele Fahrten wurden mangels Nachfrage abgesagt, inzwischen gehen wieder erste Buchungen ein. Eine Umfrage in der Region zeigt, dass die Branche langsam Licht am Horizont sieht.

  • Seit einem Vierteljahr stehen viele Reisebusse still.
  • Busreisen waren wegen des Coronavirus untersagt.
  • Nun gehen wieder erste Buchungen bei Busunternehmen ein.

Osthessen - Cornelia Hanna-Stumpf, Chefin von L & W Stumpf in Künzell-Dietershausen, hofft, dass „nach den Sommerferien der Reisebetrieb wieder läuft“. Sieben der zehn Reisebusse sind abgemeldet, die zwölf Mitarbeiter in Kurzarbeit. Drei Busse und vier Sprinter – mit je 20 Plätzen – für den Schulverkehr seien wieder im Einsatz. Trotz des weitgehenden Stillstands gehe die Arbeit nicht aus: „Im Büro müssen wir Stornos bearbeiten und die geplanten, aber abgesagten Reisen rückabwickeln. Auch am Betriebshof werden nun Dinge erledigt, wofür sonst wenig Zeit bleibt.“

Wenige Busreisen: Reisebusse abgemeldet, Mitarbeiter in Kurzarbeit

Bei einem Umsatz von Null könne man „nur wenige Monate durchhalten. Ein großer Vorteil ist, dass wir einen eigenen Betriebshof haben und keine Miete für Bushallen anfällt.“ Die staatlichen Hilfen seien ein Tropfen auf den heißen Stein, weshalb Stumpf mit vier Bussen kürzlich an einer Demo in Wiesbaden teilgenommen hat. Das gebe „ein gutes Gefühl“.

„Wir fahren wieder, sobald die Kunden fahren möchten. Organisatorisch könnten wir wieder. Busreisen sind genauso sicher wie andere Verkehrsmittel“, betont Hanna-Stumpf. Anfang Juli ist die erste Reise geplant: „Wir rufen Kunden an, ob sie noch mit wollen. Die Busse sind in Ordnung, es wird auf Hygiene geachtet und wir wollen Vorbehalte nehmen, indem wir den Kunden das Gegenteil beweisen. Busreisekunden genießen den Luxus und Service, nicht alles selber machen zu müssen. Uns muss aber bewusst sein, dass Reisen anders sein wird – aber trotzdem schön.“

„Viele scheuen sich mit Mundschutz im Bus zu sitzen“

Michael Hämel, Geschäftsführer von Christel-Hämel-Reisen im Künzeller Ortsteil Dirlos, hat einen Vorteil: „Wir haben keine Busse. Die Firma Stumpf aus Dietershausen fährt für uns alle Reisen. Wir arbeiten seit elf Jahren zusammen.“ Das gelte für die im Katalog aufgeführten Reisen ebenso wie für Gruppen- und Vereinsfahrten.

Hämel hat aber ähnliche Probleme wie seine Kollegen: „Durch die Situation mit Corona bucht kein Mensch. Viele scheuen sich, mit Mundschutz im Bus zu sitzen. Aber Schutz muss sein.“ (So ist das Fliegen mit Maske). Hämel nennt auch eine andere Problematik: „Jedes Land macht seine eigenen Hygienevorgaben. Für eine Reise zur Mecklenburgischen Seenplatte müssen wir uns an die Vorschriften in Hessen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern halten.“

„Ganz verhalten“ kämen nun Buchungen rein. Für eine Reise im Juli nach Österreich habe er „keine Stornierung erhalten. Die Busse füllen sich üblicherweise nach und nach. Jetzt fehlen aber die drei Monate, in denen nichts gebucht wurde. Wir schauen nun, wie wir alles wieder zum Laufen bringen.“

Busunternehmen sehen langsam Licht am Horizont

Frank Happ, Geschäftsführer des Reisebüros Happ in Flieden, hofft, die Krise bald überwunden zu haben und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Man merkt, die Leute wollen raus. Der Sommer steht vor der Tür und wir in den Startlöchern.“ Mit vier eigenen Bussen und zwei unter Vertrag stehenden Fahrzeugen werden die selbst organisierten Reisen durchgeführt. Noch sind die Fahrer in Kurzarbeit und die Busse abgemeldet.

„Das ändert sich ab Juli – je nachdem wie unser Angebot von der Kundschaft angenommen wird. Ich habe ein gutes Gefühl. Zum Glück zeichnet sich ab, dass sich die Leute nicht dauerhaft daheim aufhalten wollen“, freut sich Frank Happ.

Nachdem über Monate vorwiegend Umbuchungswünsche und Stornierungen hätten bearbeitet werden müssen, „gibt es seit etwa zwei Wochen wieder vermehrt Nachfragen und auch Buchungen“. Beliebt seien die Radreisen per Bus. Zunächst würden Ziele in Deutschland angesteuert, ab Ende Juli werde es auch wieder ins Ausland gehen. Ob Urlaub in der Coronavirus-Pandemie teurer wird, hat der Schauinsland-Reisen-Geschäftsführer Gerald Kassner im Interview gegenüber unserer Zeitung verraten.

Schreiber-Reisen in Marjoß lebt vom Linienverkehr

Friedel Schreiber, Geschäftsführer von Schreiber-Reisen im Steinauer Stadtteil Marjoß, ist froh, dass die Hälfte seiner acht Busse wieder regelmäßig im Einsatz ist – im Linienverkehr: „Die Linien laufen wieder. Das ist das Einzige, was uns Überleben lässt.“ Was die Busreisen angeht, habe er „seit März 100 Prozent Ausfall“ zu verzeichnen, bis August sei „alles storniert und kein Ende in Sicht��.

Um die Krise zu überstehen, habe er alle Register gezogen. Zwei Mitarbeiter hätten die Firma verlassen, die fünf weiteren seien in Kurzarbeit. Schreiber: „Allein im Mai und Juni fehlen uns 80.000 bis 100.000 Euro nur für die fest geplanten Fahrten. Kurzfristige Reisen wie Schulausflüge und anderes sind da nicht eingerechnet.“ Viele Kosten fallen jedoch weiter an: Ein moderner Bus koste etwa 300.000 bis 400.000 Euro, für die Finanzierung oder das Leasing schlagen pro Fahrzeug und Monat Ausgaben in der Größenordnung von 3000 bis 5000 Euro zu Buche.

„Wir hatten für eine Anfang Juli geplante Reise in den Spreewald 44 Buchungen – davon sind 12 übrig. Da macht es keinen Sinn. Das lässt sich wirtschaftlich nicht darstellen. Viele Leute haben Angst“, nennt Schreiber einen Grund, verweist aber auf Maskenpflicht und Abstandsgebot, die auch bei Busreisen gelten. Andererseits fallen Fahrten zu Großveranstaltungen, Messen, Fußballspielen – Schreiber fährt seit 20 Jahren die Hessenliga-Fußballer von Borussia Fulda beziehungsweise Barockstadt Fulda – und zum Oktoberfest weg.

Fulda selbst wurde am Dienstag bereits wieder von einer ersten Bus-Reisegruppe angesteuert.

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