Der Name Meid bleibt in Fulda erhalten, auch wenn Inge Lingenberg (links) – hier mit ihren Kolleginnen Tanja Schwitalla und Tina Huppmann – und ihr Mann das Geschäft in der Friedrichstraße aufgeben.
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Der Name Meid bleibt in Fulda erhalten, auch wenn Inge Lingenberg (links) – hier mit ihren Kolleginnen Tanja Schwitalla und Tina Huppmann – und ihr Mann das Geschäft in der Friedrichstraße aufgeben.

Leder Meid

Ein Traditionsgeschäft in Fulda schließt - zumindest vorübergehend

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Mit Leder Meid schließt Anfang September ein Traditionsgeschäft in der Fuldaer Innenstadt – zumindest vorübergehend. Gegründet wurde das Geschäft 1907 von Barbara Meid-Altstadt.

Fulda - Im Kern sind es die klassischen Gründe, die Inge und Rolf Lingenberg dazu bewegt haben, ihr Geschäft Leder Meid in der Fuldaer Friedrichstraße aufzugeben: „Wir haben jetzt das Alter und keinen direkten Nachfolger aus der Familie. Außerdem ist der Mietvertrag ausgelaufen“, sagt Rolf Lingenberg. Und dann sei ja noch Corona dazu gekommen.

Eigentlich habe das Ehepaar aus Bebra schon im Februar das Ladenlokal verlassen wollen. „Wegen des Lockdowns und der damit verbundenen Schließung waren die Regale aber voll. Wir haben zwar im Abverkauf jetzt immer noch Waren im Geschäft. Aber das sieht heute deutlich anders aus als im Frühjahr“, schildert der 61-Jährige. (Lesen Sie hier: Die Lieblings-Inhaber hören auf – so geht es mit dem Laden in der Friedrichstraße weiter)

Fulda: Traditionsgeschäft vor dem Aus - Leder Meid schließt im September

Die Branche der Lederwarengeschäfte steht laut Rolf Lingenberg unter Druck. Von rund 2500 Fachgeschäften in Westdeutschland zur Zeit des Mauerfalls seien jetzt noch etwa 900 übrig. „Aber man kann seinen Weg finden. Wir arbeiten mit einem tollen Material“, sagt der Geschäftsführer. Allein Meid-Läden gab es in Deutschland mehr als 20, berichtet der Lederwarenhändler.

2008 hatten die Bebraer, die in Bad Hersfeld weiterhin Lederwaren Lingenberg betreiben, das Geschäft übernommen von Karl-Martin Müller. „Wir kommen aus der Branche, unser Stammgeschäft wurde 1958 in Bebra gegründet. Unsere Familie kann nur Lederwaren“, sagt Lingenberg mit einem Lachen. Dazu ist ihm ob der Schließung allerdings nicht zumute. Der Standort in der Friedrichstraße und die Nachbarn seien wunderbar – vor allem für ihn als Eis-Liebhaber. „Wenn es uns möglich wäre, würden wir weitermachen“, sagt Lingenberg, der auf die Lesereihe Tatort-Fulda, die auch bei Leder Meid gastierte, mit guten Erinnerungen zurückblickt.

„Unser Geschäft wurde am 13. September 1907 von Barbara Meid-Altstadt gegründet. 1925 entstand der Neubau in der Friedrichstraße 8, nachdem der Vorgängerbau abgerissen worden war“, berichtet Lingenberg und erklärt wie es zu den vielen Leder Meids in Deutschland kam: Barbara Meid-Altstadt habe sieben Kinder gehabt, die in mehreren deutschen Städten Lederwarengeschäfte eröffnet hatten – etwa in Gießen, Wetzlar, Marburg, Kassel, Würzburg, Nürnberg, Göttingen, Braunschweig, Heidelberg und München. Wenn Lingenbergs das Geschäft in Fulda nach beinahe genau 124 Jahren nun schließen, wird der Name bleiben.

Auch wenn die Lingenbergs ihr Geschäft nicht innerhalb der Familie in andere Hände geben, so wird es eine Nachfolge geben. Für das Geschäft sind bereits neue Pächterinnen gefunden: Eva Stern, die die Ledergalerie im Zitronemannsgässchen betreibt, und Monika Hohmann werden in der Friedrichstraße 8 einziehen.

Video: 10 Kölner Traditionsgeschäfte, die über 100 Jahre alt sind

Gemeinsam führen die beiden das Geschäft Emilia im Emaillierwerk, das sie allerdings nun aufgeben. Im Emaillierwerk habe die benachbarte Filiale von Ernstings Familiy Interesse, die Ladenräume zu vergrößern. Wegen Corona habe sich an diesem Standort ebenfalls alles ein wenig verzögert, sagt Stern, die schon überlegt hatte, die Ledergalerie zu schließen. (Lesen Sie auch: Handel schöpft nach Corona-Lockdown Hoffnung - aber Rabattaktionen tun dennoch weh)

„Als die Lingenbergs auf mich zukamen, habe ich mich allerdings anders entschieden. Sonst hätte es in Fulda kein Ledergeschäft in der Innenstadt mehr gegeben. Das wäre bedauerlich gewesen“, erklärt Stern. Nach einem Umbau wollen sie und Hohmann in der Friedrichstraße öffnen. Das Sortiment solle sich dann an dem bestehenden orientieren, wenngleich mit anderen Marken. Hinzu kämen Accessoires, die gute Frequenzbringer seien und Mode, erläutert die künftige Inhaberin. „Der Name Meid bleibt übrigens – auch wenn vielleicht der Zusatz Leder wegfällt –, denn der ist in Fulda ja bestens bekannt“, kündigt Stern an.

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