Fotos: Fuldamedia

Fulda trauert um die Opfer von Halle – Mahnwache an der jüdischen Gemeinde (mit Video)

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Fulda/Flieden - Um der Opfer des Attentats in Halle zu gedenken, haben sich am Donnerstagabend zahlreiche Menschen aus der Region an der jüdischen Gemeinde in Fulda versammelt. Sie zündeten Kerzen für die Betroffenen und deren Angehörigen an.

Ein Rechtsextremist hat am Mittwoch in Halle eine Synagoge angegriffen und zwei Menschen getötet. Das Attentat hat auch in der Region Betroffenheit ausgelöst. Der Verein „Fulda stellt sich quer“ rief zu der Mahnwache vor der jüdischen Gemeinde in der Von-Schildeck-Straße auf.

„Wir wollen unser tiefes Mitgefühl gegenüber allen Opfern der Anschläge und ihren Familienangehörigen zeigen. Wir wollen unseren jüdischen Mitbürgern unsere Solidarität ausdrücken“, teilte der Vereinsvorsitzende Andreas Goerke mit. Der Verein bat darum, Kerzen mitzubringen. Viele der Trauernden kamen dem Anliegen nach, so dass das Gebäude der jüdischen Gemeinde am Abend in Kerzenschein gehüllt war.

Bischof Gerber sichert jüdischen Gemeinden Solidarität zu

Auch Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber äußerte am Donnerstag sein Mitgefühl. Einer Mitteilung des Bistums Fulda zufolge hat er die jüdischen Gemeinden in Fulda, Hanau, Kassel und Marburg angeschrieben und ihren Mitgliedern die Solidarität der Christen seiner Diözese versichert.

„Voll Trauer und Entsetzen haben die Christen im Bistum Fulda die Nachricht von der Bluttat in Halle vernommen. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien. Wir werden sie in diesen Tagen besonders in unsere Gebete einschließen“, schreibt der Oberhirte in den Briefen an die Gemeinden. „Die Tat in Halle wirft viele Fragen auf, wie es um den Schutz des jüdischen Lebens in unserem Land bestellt ist“, gibt der Bischof zu bedenken.

Es schmerze ihn sehr, dass diese Tat ausgerechnet am Jom Kippur verübt wurde, jenem Tag, der in besonderer Weise der Erneuerung und der Versöhnung gewidmet sei und „auf Gottes Verheißung für das Volk seines Bundes“ verweise. Bischof Gerber spricht den jüdischen Schwestern und Brüdern den Wunsch aus dem Buch Maleachi zu: „Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung“ (Maleachi 3,20).

Friedensgebet in ehemaliger Synagoge in Flieden

Auch in Flieden wurde am Donnerstagabend der Opfern von Halle gedacht. In der Evangelischen Kirche beziehungsweise der ehemaligen Synagoge wurde ein Friedensgebet gesprochen. Erst vor knapp zwei Wochen hatte die Fliedener Gemeinde die Einweihung der neuen Kirchenfenster gefeiert – ein christlich-jüdisches Kunstprojekt.

„Eigentlich sind wir hier doch noch ganz bewegt und beschwingt von unserem fröhlichen, versöhnlichen Einweihungsfest unseres christlich-jüdischen Kunstwerks“, steht daher auf der Facebook-Seite der Kirche. „Umso mehr sind wir auch erschüttert über diesen schrecklichen Anschlag in Halle“, heißt es weiter.

Polizei vor ehemaliger Synagoge in Heubach

Nach der Tat von Halle hat die Polizei bundesweit reagiert und jüdische Einrichtungen in besonderem Maße beschützt – so auch in der Region. Selbst vor der ehemaligen Synagoge in Heubach stand am Mittwoch eine Zeit lang einen Polizeiwagen. Die Verantwortlichen hatten sich telefonisch beim Förderverein erkundigt, ob dort am Abend eine Veranstaltung geplant sei und daraufhin eine Streife entsandt. / lio

Das könnte Sie auch interessieren