Improvisation im Wüstenzelt: Mit Pappkartons bastelte Adrian Fleck einen Blendschutz, um auf dem Laptop-Bildschirm Zahlen und Buchstaben zu erkennen.
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Improvisation im Wüstenzelt: Mit Pappkartons bastelte Adrian Fleck einen Blendschutz, um auf dem Laptop-Bildschirm Zahlen und Buchstaben zu erkennen.

Tunnelbohr-Team aus Fulda

Nach dem Wüstensand kamen Hochzeit und Bachelor - Das plant Adrian Fleck für das Jahr 2022

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Kein Osthesse ist 2021 unter den Augen der Öffentlichkeit unter so dramatischen Umständen gescheitert wie Adrian Fleck (23) mit seiner Tunnelbohr-Crew im Herbst in Las Vegas. Er hat den Wüstensand abgewischt – und hat auch 2022 Großes vor.

Fulda/Las Vegas - „Ich habe einiges fürs Leben gelernt“, blickt Fleck auf das Jahr 2021 zurück. „Dazu gehört, dass man nicht nur einen Plan B braucht, sondern auch einen Plan C.“ Von Freunden und Kollegen wird er immer wieder auf die 16 Tage angesprochen, in denen er in der Mojave-Wüste mit seinem Team die selbstentwickelte Tunnelbau-Maschine, den Dirt Torpedo, startklar machte. „Mir fallen immer neue Geschichten ein“, sagt Fleck.

Schon dass die Mannschaft der Dualen Studenten aus Fulda sich für das Finale qualifiziert hatte, war ein Riesenerfolg. Der US-Unternehmer Elon Musk hatte einen Wettbewerb um den schnellsten Tunnelbau ausgelobt. Das Team aus Fulda kam unter den 400 Teams aus aller Welt unter die besten Zwölf, die ihre Maschine im Finale in Las Vegas vorführen durften. Das Besondere der Fuldaer Entwicklung: Sie bewegte sich wie ein Regenwurm vorwärts.

Fulda: Tunnelbohr-Team - Das plant Adrian Fleck für 2022

Das zehnköpfige Fuldaer Team hatte in den Hallen der FFTrund um die Uhr an seiner Entwicklung gearbeitet – und dabei viel Unterstützung aus der Region bekommen. Die Maschine wurde rechtzeitig fertig, doch dann bekam das Team wegen Corona keine Einreiseerlaubnis in die USA. Das Kanzleramt schaltete sich ein. In letzter Minute durfte das Team einreisen.

Von den zwölf Finalteams kamen nur acht. Vier Maschinen liefen nicht. Auf die Teams warteten in der Wüste dünne Zelte, in denen sie ihre Maschinen startklar machen sollten. Ein Wüstensturm warf alle zurück. Die Fuldaer bekamen den 4,20 Meter langen und 1,2 Tonnen schweren Torpedo mit viel Arbeit trotzdem zum Laufen, doch die Organisatoren ließen sie und fünf weitere Teams nicht antreten – aus Sicherheitsgründen, wie es hieß.

Tunnelbohr-Team ist in den vergangenen Monaten gewachsen

„Das war ein Wettbewerb, der keiner war“, schimpfte Fleck. In Las Vegas lernten sie viele Leute kennen – Techniker aus aller Welt, aber auch einfache Leute. Die internationalen Teams unterstützten sich gegenseitig. Als Flecks Team im Supermarkt Teppiche kaufte und damit das Zelt ausstattete, lachten die anderen Teams über „German Engineering“. Kurze Zeit später statteten alle die Zelte so aus, damit die empfindlichen Geräte die sandige Umgebung überstanden.

Mittlerweile ist Fleck schon längst wieder in Fulda angekommen. „Der Stamm des Teams ist weiter dabei. Jeder im Team ist in den vergangenen Monaten gewachsen: zu Highperformern, die anpacken, vorangehen und wissen, was wichtig ist.“

Video: Elon Musk: Fuldaer Studenten treten bei Tunnelbau-Wettbewerb an

„Nach der Rückkehr haben viele erst einmal durchgeatmet und ihr Privatleben gepflegt“, erzählt Fleck. Auch er hat die Verhältnisse geordnet: Er hat seine Freundin Cathlén (24) geheiratet. Fleck hat auch den Bachelor-Abschluss gemacht – mit der Note 1,9. Auf die Arbeit, in der er über die Programmierung und Fortbewegung des Torpedo schrieb, bekam er eine glatte 1,0. Fleck arbeitet weiter für FFT – in einem für ihn besonders spannenden Bereich: Es geht um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz, die dreidimensionale Körper erkennt. „Ich will jetzt erst einmal mit der Arbeit loslegen und aktuell keinen Master machen.“

Der Torpedo kam erst kurz vor Weihnachten aus den USA zurück, erzählt Fleck. In diesem Jahr wird das Team selbst ein Bohrevent ausrichten, vermutlich in Osthessen. „Dabei wird nur unser Torpedo starten. Wir wollen zeigen, was die Maschine kann.“ Auch an einem weiteren Event für die Region Fulda arbeitet Fleck. Was es sein wird, verrät er noch nicht.

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