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Ukraine-Krieg: 300 Kinder in Fuldaer Schulen untergebracht - Schulamt arbeitet an neuem Angebot

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Von: Volker Nies

Mehr als 300 ukrainische Kinder gehen im Landkreis Fulda zur Schule.
Mehr als 300 ukrainische Kinder gehen im Landkreis Fulda zur Schule. © Waltraud Grubitzsch/dpa

Mit unverminderter Härte führt Russland Krieg gegen die Bevölkerung der Ukraine. Zwei Monaten nach Kriegsbeginn sinkt jetzt zwar die Zahl der Flüchtlinge, die im Kreis Fulda ankommen. Für die Helfer bleibt dennoch viel zu tun. Das Schulamt arbeitet an einem neuen Angebot für Geflüchtete. 

Fulda - In den Schulen von Stadt und Kreis melden sich weiter Mädchen und Jungen an, die aus der Ukraine in den Kreis Fulda geflüchtet sind. „Die Zahl der ukrainischen Schüler liegt derzeit bei etwas über 300“, sagt Harald Persch, Vizechef des Schulamts. Die höchste Anzahl ukrainischer Schüler verzeichnet momentan die Von-Galen-Schule in Eichenzell mit 21, gefolgt von der Jahnschule in Hünfeld mit 17.

Einige Familien, die sich zunächst im Kreis angemeldet hatten, sind allerdings in andere Teile Deutschlands weitergereist. Hinweise, dass Familien in die Ukraine zurückgekehrt wären, hat das Schulamt jedoch nicht.

Das Schulamt arbeitet mit Hochdruck daran, einen Unterricht in ukrainischer Sprache anzubieten. Dazu will das Amt Lehrer aus der Ukraine einstellen. „Die Lehrkräfteakquise ist derzeit in vollem Gange“, berichtet Persch. „Wir haben Kontaktdaten von mehr als 20 Personen aus der Ukraine, die an Schulen arbeiten möchten. Auch wenn wir ein sehr vereinfachtes und unbürokratisches Verfahren zur Einstellung entwickelt haben, müssen doch zumindest einige Nachweise eingereicht und geprüft werden. Wir erwarten zeitnah erste Einstellungen.“

Im Vogelsbergkreis wurde derweil eine Initiative für ausländische Schülerinnen und Schüler ins Leben gerufen: Hier sollen zunächst Lerntandems helfen, den ukrainischen Schülern die deutsche Sprache näher zu bringen.

Fulda: Schulamt arbeitet an neuem Angebot für ukrainische Schüler

Unterdessen ist die Zahl der Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet und im Landkreis Fulda ankommen, in den vergangenen zwei Wochen zurückgegangen. „In der vergangenen Woche waren es von Montag bis einschließlich Donnerstag 66 Personen“, berichtet Landkreis-Sprecherin Leoni Rehnert.

Bis vergangenen Donnerstag haben sich 2105 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis Fulda registrieren lassen. Davon sind 53 Prozent zwischen 19 und 65 Jahre, 43 Prozent zwischen 0 und 18 Jahre alt. Zwei Drittel sind weiblich, berichtet der Landkreis. „In allen Städten und Gemeinden des Landkreises haben sich Geflüchtete niedergelassen. 778 Personen haben in der Stadt Fulda eine Unterkunft gefunden, 205 in Künzell, 169 in Petersberg und 125 in Hünfeld“, berichtet Rehnert. In Eichenzell und Eiterfeld sind es je 92, in Großenlüder 84 und Neuhof 72.

Alle Geflüchteten, die bisher in den Kreis gekommen sind, haben eine Unterkunft gefunden, die meisten in Privatwohnungen. Der Landkreis sucht weiter privaten Wohnungen. Wer eine Wohnung anbieten will, kann dies an die Mail-Adresse wohnraum@landkreis-fulda.de tun.

200 Geflüchtete aus der Ukraine derzeit in Sammelunterkünften

Etwa 200 Geflüchtete leben in Sammelunterkünften: seit Anfang März auf der Marienhöhe in Dietershausen und im Richtershof in Ebersburg sowie seit vergangener Woche im ehemaligen Taubblindenheim in Hilders-Steinbach. Die 16 Flüchtlinge aus der Ukraine sind in der neu eingerichteten Caritas-Gemeinschaftsunterkunft eingezogen.

Zur Begrüßung waren Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch, Vorstandsmitglied Ansgar Erb sowie Regional-Geschäftsführerin Susanne Saradj aus Fulda in die Rhön gekommen. 95 Betten stehen in der Unterkunft insgesamt zur Verfügung, die die Caritas im Auftrag des Landkreises Fulda unterhält. (Lesen Sie hier: Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Wie Firmen ukrainische Flüchtlinge integrieren wollen)

Eine weitere Sammelunterkunft besteht in Fulda im ehemaligen Kerber-Gebäude. Die Räume sind als zentrales Ankommenszentrum konzipiert worden, für den Fall, dass der Landkreis Fulda einen Einsatzbefehl des Landes erhält, eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen zu schaffen. Dies hatten Stadt und Kreis erwartet. Auch wenn die Zahl der Ankünfte im Kreis derzeit zurück geht, bleibt das Kerber-Gebäude potenzielle Notunterkunft, berichtet Johannes Heller, Sprecher der Stadt.

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Parallel dazu haben Stadt und Landkreis in der Grillenburg in Lehnerz eine kleinere Struktur geschaffen. Damit wollen sie flexibel auf möglicherweise wieder steigende Zahlen von Geflüchteten und entsprechende Zuweisungen durch das Land reagieren können. „Dort ist ein Ankommen und eine Erstunterbringung für wenige Nächte möglich. Zugleich ist für einen Teil der Betroffenen aber auch eine längerfristige Unterbringung denkbar“, sagt Heller.

Auch in Fulda konnten aber die allermeisten Geflüchteten aus der Ukraine in private Unterkünfte vermittelt werden. „OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) lobt:„Dass das gelang, ist eine bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung der Menschen in der Stadt und der Region Fulda.“ Er dankt allen, die sich mit der Bereitstellung von Wohnraum oder ehrenamtlich bei der Integration engagiere. Wer der Stadt Fulda eine freie Wohnung melden möchte, kann dies an die Fachstelle Wohnen tun, Telefon (0661) 60068083.

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