Umwelt-Ranger Merlin Logaida bei seiner Arbeit.
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Umwelt-Ranger Merlin Logaida bei seiner Arbeit.

Flurhüter 2.0

Dem Sperrmüll hinterher: Umwelt-Ranger Merlin Logaida aus Fulda erzählt von seiner Arbeit 

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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In seinem grünen Anzug schwingt er sich auf sein E-Bike und dreht seine Runden. Der Umwelt-Ranger Merlin Logaida aus Fulda leistet einen Beitrag für die Umwelt – und hat nicht minder Spaß an seiner Arbeit. 

Fulda - Handschuhe, Werkzeug, Abfallfibeln und sein E-Bike – der 42-jährige Umwelt-Ranger Merlin Logaida aus Fulda hat alles dabei, was er braucht, um seine Tour zu drehen. Es ist Montagmorgen, 11 Uhr. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, lediglich ein kühler Wind fegt um die Häuser. Ein Halstuch, eine Mütze und die auffallend grüne Arbeitskleidung der Stadt Fulda schützen den Ranger vor der Kälte.

Heute steht die Direktkontrolle des Sperrmülls oberhalb des Klinikum auf der Tagesordnung des Rangers. Die zu kontrollierenden Straßen: Dr.-Dietz-Straße, die Dr.-Kopp-Straße, die Ulrich-von-Hutten-Straße, die Heinrich-von-Kleist-Straße sowie die Dingelstedtstraße.

Fulda: Umwelt-Ranger Merlin Logaida erzählt von seiner Arbeit - Dem Sperrmüll hinterher

Der Ranger ist auf seinem E-Bike unterwegs und macht Halt an jedem Haus, an dem er einen Sperrmüll-Berg erblickt. Am ersten Haus, der erste Berg: „Ein Sperrmüllhaufen, fast wie er sein soll“, sagt der Ranger. Aber eben nur fast. Warum? Die blauen Säcke mit den Kleiderbügeln gehören hier nicht her. Doch erst einmal ist nichts zu unternehmen, es geht vorerst um die Kontrolle.

An einem anderen Haus stellt er sein E-Bike ab, zückt die Handschuhe und hebt eine Tasche voller Filmkassetten in die Höhe. „Das ist kein Sperrmüll“, sagt er. Ein Glastisch, der einsam auf einer Wiese vor einem Wohnhaus liegt, stört den Ranger aber nicht. Zwar schade um den Tisch, aber ordnungsgemäß, sagt er.

Flurhüter

Bis in die 1980er-Jahre gab es in der Stadt Fulda die Position der „Flurhüter“, die in Stadt und Feldgemarkung unterwegs waren, um für Sicherheit und Sauberkeit zu sorgen. Mit den Umwelt-Rangern will man in Fulda an diese Tradition anknüpfen. 

Ob aus Versehen oder Ignoranz, beim Sperrmüll gibt es immer etwas, das falsch gemacht wird. Logaida aber ärgert sich meist nicht. „Soll ja Spaß machen, die Arbeit“, sagt er. Nur eine Sache gibt es, die den 42-Jährigen sauer macht: wenn Kisten voller Kleinteile ausgeschüttet werden. Er erinnert sich etwa an 1000 Puzzle-Teile, die vor einem Wohnhaus herumlagen.

„Das gehört hier einfach nicht her“, sagt er. „Und niemand hebt die Teile auf und dann fliegen sie durch die Straßen.“ Sperrmüll-Chaos gibt es meist in Mehrfamiliengebieten. „Hier fehlt die soziale Kontrolle“, berichtet er. Wo weniger Familien wohnen, ist es hingegen deutlich aufgeräumter.

Die Sperrmüll-Berge, die der Fuldaer kontrolliert, sind unterschiedlich groß.

Fallen Logaida Gegenstände auf, die nicht auf den Sperrmüll gehören, klingelt er bei den Bewohnern. In großen Häusern mit vielen Parteien will es meist niemand gewesen sein, in kleineren Wohnpartien hingegen reagieren die meisten Anwohner positiv. Widerworte erlebt der Ranger selten.

Logaida will es den Bürgern einfach machen. So einfach wie möglich. Er möchte, dass sie mit dem Thema Sperrmüll vertraut sind. Dazu gehört etwa, zu wissen, zu welchem Termin Sperrmüll abgefahren wird, was auf den Sperrmüll gehört und was nicht. „Ich bin in der glücklichen Lage, von Berufs wegen etwas ändern zu können.“

Umwelt-Ranger Merlin Logaida: Es betrifft uns alle, es ist unsere Umwelt

In Eigenregie hat er deshalb einen Flyer entworfen, der mithilfe von Piktogrammen aufzeigt, was erlaubt ist und was nicht. Sessel, Koffer und Matratze gehen. Kühlschrank, Waschmaschine, Lebensmittel und Baumaterialien hingegen nicht. So einfach. Und warum das alles? „Es betrifft uns alle, es ist unsere Umwelt. Wir wollen einen Beitrag leisten, wir sind ein Teil der sich kümmernden Stadt“, erklärt er.

Wenn der Sperrmüll abgeholt wurde, werden die Straßen abermals kontrolliert. Wenn dann noch überdurchschnittlich viele Überreste herumliegen, dokumentiert der 42-Jährige oder sein Kollege dies, macht Fotos, notiert sich Straße und Hausnummer. Der nächste Schritt ist dann, die Beseitigung des Unrats in die Wege zu leiten.

Aufgaben

Die Umwelt-Ranger der Stadt Fulda, die seit Anfang des Jahres ihren Dienst tun, übernehmen keine Aufgaben der Stadtpolizei, des Ordnungsamtes oder des Amtes für Grünflächen und Stadtservice. Sie sind im Sinne einer „sich kümmernden Stadt“ zuständig für die Vor-Ort-Kontrolle und Dokumentation von Verunreinigungen.

Besonders vor und nach Müllsammlungen der Stadt Fulda (etwa Sperrmüll); die Überwachung der Reinigung der öffentlichen Wertstoffplätze für Glas und Papier; die Aufklärung und Weitergabe von Informationen zu Entsorgungsmöglichkeiten; die Kontaktaufnahme mit Müllverursachern zur Beseitigung von störenden Zuständen; die Beratung von Bürgern über die sachgerechte Entsorgung von Abfällen.

Zudem gehen sie Bürgerbeschwerden über mangelhafte Dienstleistungen der privaten Entsorgungsfirmen nach. In der Stadt Fulda gibt es feste Termine für die Abholung des Sperrmülls, anders als im Landkreis. Diese sind im Internet einsehbar. Sie sind außerdem für Bürger-Anliegen per E-Mail und über das Umwelttelefon unter Telefon (0661) 1021777 zu erreichen.

„Ich bin nur das Auge“, erklärt der 42-Jährige. Das Wegräumen müssen dann Bewohner, Eigentümer oder die Hausverwaltung organisieren. Und wenn nicht, wird nachgebohrt. Passiert dann wieder nichts, kann ein Bußgeld drohen. Doch er hat die Erfahrung gemacht: „Allein dadurch, dass wir kontrollieren, hat sich die Lage schon verbessert.“

Die Arbeit als Umwelt-Ranger ist Logaidas Traumjob. Schon bei der Bewerbung war er „Feuer und Flamme“ für die Arbeit. Das Beste ist, dass er die Stelle „mitkreieren“kann, sagt er. Schließlich hat es ein solches Amt zuvor lange nicht gegeben – zuletzt wohl in den 80ern in Form der sogenannten Flurhüter.

Doch nicht nur Fuldas Sperrmüll ist sein täglich Brot. Auch andere Verstöße bleiben von dem Ranger nicht unentdeckt. Auch eine „wilde Müllkippe“ etwa wird von ihm gemeldet. Ebenso überwacht er die öffentlichen Wertstoffplätze für Glas und Papier.

Video: Sperrmüll: Was gehört dazu? Und darf ich etwas mitnehmen?

Logaida berichtet zudem von einem Corona-Einfluss auf seine Arbeit, die er in Teilzeit ausübt und frei einteilen kann. „Der Sperrmüll hat durch die Pandemie sehr stark zugenommen“, berichtet er. Der Ranger vermutet, dass viele Menschen die Zeit genutzt haben, um auszumisten. Dabei machte er zuletzt auch kuriose Funde. Er erinnert sich etwa an eine Tüte voller geöffneter Katzenfutterdosen.

Etwas, was er selbst gerne behalten würde, hat der 42-Jährige aber bislang noch nicht gefunden. Und auch als Detektiv war der Ranger schon tätig. An ein Ereignis erinnert er sich besonders: Nachdem eine Bürgerin mehrfach von Pappe-Bergen in der Gutenbergstraße berichtet hatte, legte sich der Ranger auf die Lauer. Um Hinweise auf den Müllsünder zu erhalten, stellte er den gesamten Pappe-Berg auf den Kopf.

Doch die Täter waren raffiniert, Spuren verwischt. Unter dem letzten Karton jedoch befand sich eine Verpackung von Essstäbchen. „Danach habe ich jedes Asia-Restaurant abgeklappert, um herauszufinden, von wem der Müll ist.“ Und er wurde fündig. Nach mahnenden Worten und der Bitte um Besserung kam es nie wieder zu diesem Problem.

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