Blumen und Kerzen am Unfallort
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Am Unfallort bei der Abfahrt Fulda-Mitte wurden Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Was ein Seelsorger empfiehlt

Nach Unfalltod einer 19-Jährigen an der Autobahn in Fulda: Wie nur am besten die Trauer bewältigen?

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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Der Unfall, der sich in der Nähe der A7-Abfahrt Fulda-Mitte ereignete und bei dem eine 19-Jährige ums Leben kam, bewegt aktuell die Region: Um ihre Anteilnahme zu zeigen, haben Menschen Kerzen und Blumen an der Unfallstelle platziert. Ein nicht unriskantes Unterfangen.

  • Zwei Schwestern aus Fulda hatten am Sonntagabend an der Autobahn A7 einen schweren Verkehrsunfall.
  • Mit Blumen und Kerzen haben Menschen am Ort des Unfalls, bei dem eine 19-Jährige aus Fulda ums Leben kam, ihre Anteilnahme gezeigt. Nicht gerade ungefährlich.
  • Diözesenseelsorger Werner Gutheil aus Fulda nennt Wege, um der Trauer Ausdruck zu verleihen und mit ihr zurecht zu kommen.

Fulda – Ein gerahmtes Bild, rote Rosen und Kerzen stehen am Straßenrand, nur wenige Zentimeter vor der Senke, wo der Unfallwagen nach mehrfachem Überschlagen zum Liegen kam. Zwei Schwestern aus Fulda waren am Sonntagabend unterwegs gewesen, als sich der Unfall ereignete, der der Älteren schwere Verletzungen zufügte und der Jüngeren das Leben kostete.

Warum der Unfall geschah, ist bislang nicht bekannt. Zwar wurde ein Gutachter hinzugezogen, bis dieser zu einem Ergebnis kommt, könnten laut Stephan Müller, Pressesprecher der Polizei in Fulda, aber noch einige Tage vergehen.

Der Tod einer so jungen Frau erschüttert. Im Laufe des Montags suchten immer wieder Personen die Unfallstelle auf, um Blumen niederzulegen oder Kerzen anzuzünden. Dabei vergaßen sie jedoch oft ihre eigene Sicherheit, stellten beispielsweise ihren Pkw mit Warnblinklicht im Kurvenbereich ab, stiegen aus dem Auto aus und hielten sich mehrere Minuten am Unfallort auf.

Polizei in Fulda zeigt Verständnis nach Unfall für Trauerbekundungen

Die Gefahr ist laut der Autobahnpolizei in Petersberg hoch, denn die Stelle sei nicht nur schlecht einsehbar, sondern würde meist auch schnell befahren. Wenn auch die Frequenz der Besuche bereits nachließ, so muss Stephan Müller auch am Dienstag noch zur Vorsicht mahnen.

„Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass die Menschen einen Ort zum Trauern brauchen und ihre Anteilnahme zeigen wollen. Aber gerade an dieser Stelle sind hohe Geschwindigkeiten üblich, und es besteht Gefahr“, erklärte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen im Gespräch mit der Fuldaer Zeitung.

Seelsorger des Bistum Fulda: Der Umgang mit Trauer zum Beruf

Doch warum ist es Menschen so wichtig aus einem Ort, mit dem sie eigentlich Schreckliches verbinden, einen Ort der Zusammenkunft zu machen? Warum werden an teils gefährlichen Stellen immer wieder Kreuze aufgestellt und Blumen niedergelegt?

Bei dem Verkehrsunfall am Sonntagabend verstarb eine 19-Jährige.

„Der Ort, wo das irdische Leben sein Ende findet, spielt bei uns Menschen schon immer eine wichtige Rolle. Und da ist es erst einmal egal, ob sich dort ein Unfall oder vielleicht sogar ein Mord ereignet hat. An solchen Orten fühlt man sich dem Verstorbenen näher“, erklärt Werner Gutheil (57).

Gutheil ist Diözesanseelsorger für Trauernde im Bistum Fulda und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit einem Thema, das viele abschreckt: die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen.

Dass am Unfallort an der Autobahn nun viele Blumen niedergelegt werden, sei laut Gutheil nicht ungewöhnlich. „Trauer braucht immer eine äußere Ausdrucksform und Rituale. Leute gehen an einen Ort, konfrontieren oder identifizieren sich. Das, was sie hinterlassen, ist ein äußeres Zeichen ihrer inneren Verbundenheit.“

Nach einem Unfall den Weg durch die Trauer finden

Für Menschen sei es wichtig, die Trauer zu „verorten“, wie Gutheil es nennt. „Wenn wir Orte zum Trauern besuchen, dann verspüren wir erst einmal eine fast archaische, urmenschliche Verbundenheit. Ungeachtet, ob wir religiös sind oder nicht, fühlen wir uns der Seele des Verstorbenen nahe“, beschreibt der 57-Jährige.

Der Ort der Trauer sei aber noch auf eine andere Weise wichtig. „Einen Ort können wir nach einer gewissen Zeit immer wieder verlassen. Wir können gehen und damit sinnbildlich zurück ins Leben gehen.“

Werner Gutheil, Leiter des Referates Trauerarbeit im Generalvikariat Fulda.

Da sich der Unfallort der beiden Schwestern an einer Gefahrenstelle befindet und der Zugang schwierig ist, böten sich laut Gutheil zur Trauerbewältigung Alternativen an. Orte, an denen die Verstorbene früher ein Hobby ausübte oder gerne Zeit verbracht hat, könnten zum Niederlegen von Blumen oder Symbolen genutzt werden.

Seelsorger aus Fulda empfiehlt Brief an die Verstorbenen zu schreiben

Außerdem: „Ich empfehle jedem, der Trauer empfindet, einen Brief an den Verstorbenen zu schreiben. Im Schreiben erkläre ich mich, drücke Gefühle und Gedanken aus und lege etwas ab. Es sollte aber wirklich ein Brief sein, den ich danach in einen Umschlag packe und ihn ins Grab der Person lege – oder verbrenne.“

Damit steige die Botschaft direkt an den Ort auf, an dem laut Gutheil wohl – egal ob gläubig oder nicht – alle Menschen hoffen, irgendwann einmal zu sein.

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