Justitia
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Eine 39-Jährige Mutter, die wegen mehrfachen Missbrauchs an ihrem Sohn angeklagt war, wurde freigesprochen.

Zweifel an Aussage des Sohnes

Urteil nach Missbrauch-Vorwurf: Mutter freigesprochen - Prozess „hätte ihr erspart bleiben sollen“

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Eine Mutter, die ihren Sohn mehrfach sexuell missbraucht haben soll, wurde am heutigen Donnerstag in Fulda freigesprochen. Das Gericht zweifle an der Aussage des Sohnes.

Petersberg/Fulda - Im Prozess um eine Mutter, die angeklagt war, ihren Sohn über Jahre hinweg mehrfach sexuell missbraucht zu haben, wurde am Donnerstag in Fulda das Urteil gesprochen. Die Angeklagte wurde freigesprochen.

Die Vorwürfe, die der inzwischen 19-jährige Sohn gegen seine Mutter erhoben hatte, wogen schwer. Er warf ihr vor, mehrfach an ihm den Beischlaf vollzogen zu haben, wenn er an Wochenenden die Mutter zu Hause in Petersberg besuchte.

Richter Joachim Becker griff noch einmal die Familiengeschichte der Angeklagten und ihres Sohnes auf, der ihr als Zeuge die belastenden Vorwürfe gemacht hatte. Die Aussage des Sohnes sei wenig belastbar gewesen und bereits vor Prozessbeginn habe es Zweifel gegeben, ob die Anklage überhaupt zuzulassen sei.

Fulda: Urteil im Missbrauch-Prozess - Mutter freigesprochen

Die Aussage des Sohnes sei von ungenügender Qualität gewesen, es fehlten Details und Vorgeschichte, außerdem schilderte er die Vorfälle zu unterschiedlichen Zeitpunkten jeweils anders. Auch eine Psychologen sprach in ihrem Gutachten von Unstimmigkeiten bei zentralen Punkten seiner Schilderung.

Der Sohn „zeigte Bereitschaft, auf die Vorgaben anderer einzugehen“, sagte Richter Becker. Zudem habe der Verteidiger Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Vorfälle auch hätten ablaufen können, die der 19-Jährige in seine Schilderung einbaute. Dass er seine Mutter so schwer beschuldigte, könne daran gelegen haben, dass sie den Kontakt schon länger abgebrochen hatte. „Sie hatte ihn in seinen Augen praktisch fallengelassen“, erklärte Richter Becker.

„Wo Rauch ist, ist auch Feuer“ - Mahnung an die Öffentlichkeit

Die Kammer habe „erhebliche Zweifel, dass es sich so zugetragen hat“, des Weiteren seien diese Zweifel gut begründbar. Es greife der Grundsatz: „Im Zweifel für die Angeklagte.“ Nun sei die Kammer um Richter Becker sicherer in der Entscheidung, dass der Angeklagten der Prozess hätte erspart bleiben sollen.

Mit dem Schlusswort wendete sich Richter Becker an die Öffentlichkeit. „Wo Rauch ist, ist auch Feuer, heißt es in einem Sprichwort. Das stimmt so nicht“, sagte er und erinnerte an die Unschuldsvermutung, die gilt, bis das Urteil gesprochen ist.

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