Krankenschwester hält Hände einer Senorin
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Der Verein war für Eltern da, die ein Kind verloren haben, um Trost, Kraft und Halt zu spenden. Nun muss der Verein um die bisherige Vorsitzende Sylvia Etzel aufgelöst werden.

Nach 15-jährigem Bestehen

Verein „Trauernde Eltern Fulda“ löst sich auf - Vorstand nennt Gründe

  • Jana Albrecht
    VonJana Albrecht
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Nach 15-jährigem Bestehen löst sich der Verein „Trauernde Eltern Fulda“ auf. Ein Rückgang der Mitgliederzahl und vor allem Corona haben den Vorstand letztlich dazu gezwungen, den Verein aufzugeben.

Fulda - „Der Verein war wie eine zweite Familie für mich und hat mir geholfen, mit meinen Trauerwellen umzugehen“, sagt Sylvia Etzel, die gemeinsam mit ihrem Mann Michael Etzel und Doris Vogt bis zuletzt den Vorstand des Vereins in Fulda bildete. „Es ist schade, dass sich der Verein auflöst, aber die Resonanz war einfach nicht mehr da“, sagt die 47-Jährige. Weil es heute ein breiteres Angebot an Trauerbegleitung, beispielsweise durch die Kirche oder gemeinnützige Einrichtungen wie Malteser gebe, sei die Nachfrage zunehmend gesunken.

Corona hat uns als Verein letztlich den Rest gegeben“, sagt Etzel. Von den 30 bis 35 Mitgliedern seien sechs ausgetreten und viele andere einfach nicht mehr gekommen. „Wir haben zwar trotzdem Erstgespräche am Telefon geführt, aber zum Trauern gehört eben auch Weinen dazu.“ Das sei durch die Distanz und die Maske zu unpersönlich geworden. Gerade bei den Erstgesprächen sei der nahe Kontakt wichtig, um die Trauernden abzuholen und auf das erste Gruppentreffen vorzubereiten. „Unsere Gespräche in der Gruppe fanden immer in einer besinnlichen Atmosphäre statt – ich habe dann immer Kerzen angezündet und die Mitte des Kreises dekoriert“, erzählt sie. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Fulda: Verein „Trauernde Eltern“ löst sich auf - Vorstand nennt Gründe

In einer außerordentlichen Versammlung konnte zudem kein Vorstand mehr gegründet werden. „Ich selbst bin durch Corona noch mehr an meinem Arbeitsplatz eingespannt und habe schlicht nicht mehr die Zeit dazu“, erklärt die im Fuldaer Seniorenzentrum St. Lioba tätige Tagesbegleiterin, die ältere Menschen bei alltäglichen Aufgaben unterstützt.

Der Verein war für Eltern da, die ein Kind verloren haben, um Trost, Kraft und Halt zu spenden. Nun muss der Verein um die bisherige Vorsitzende Sylvia Etzel aufgelöst werden.

Vor gut zehn Jahren hat die scheidende Vorsitzende ihre 14-jährige Tochter verloren – sie war an einer Lungenembolie gestorben. Danach ist Etzel dem Verein beigetreten – um Trost, Kraft und Halt zu finden, sagt sie und rät jedem dazu, sich in einer solchen Situation Hilfe zu suchen. „In einer geschützten Gruppe kann man die Dinge 10- bis 20-mal erzählen, Freunde oder Bekannte sind damit irgendwann überfordert.“

Hintergrund

2004 hatten sich trauernde Mütter und Väter der Region zum ersten Mal als Selbsthilfegruppe getroffen. Seit 2006 kamen die Mitglieder als eingetragener Verein an jedem ersten Dienstag des Monats als offene Gruppe zusammen – zunächst im Mehrgenerationenhaus am Aschenberg und ab 2015 in der katholischen Familienbildungsstätte Helene Weber in der Neuenberger Straße in Fulda. Noch diesen Monat wird sich der Verein sowie seine Zweigstelle in Hünfeld auflösen, berichtet Sylvia Etzel, die mit ihrem Mann Michael Etzel und Doris Vogt den Verein leitete. 

Margit Weiser, die den Verein 2006 gründete, fügt hinzu: „Natürlich ist es auch für mich als Gründerin traurig, wenn der Verein sich auflöst.“ Auch sie hat ihre Tochter verloren – bei einem Autounfall, verschuldet durch einen betrunkenen Fahrer. „Ich war damals in einer Trauerbegleitung für Erwachsene – aber sein Kind zu verlieren, ist etwas ganz anderes, als ein erwachsenes Familienmitglied zu betrauern“, erzählt die heute 71-Jährige, die den Verein zehn Jahre geleitet hatte.

Doch es geht weiter – wenn auch im Kleinen. Trotz der offiziellen Auflösung des Vereins will sich sowohl die Fuldaer als auch die Hünfelder Gruppe weiterhin privat treffen, wenn auch nicht mehr regelmäßig.

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