Feuer in Morles: Ein Foto vom Tatabend
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2018 war in Morles Feuer gelegt worden. Jetzt hat der Prozess begonnen

Prozess nach Feuer in Morles

Versuchter Mord, schwere Brandstiftung - Angeklagter erklärt vor Gericht: Ich bin durchgedreht

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Es war wohl pures Glück, dass eine Mutter und ihre zwei Kinder vor fast zwei Jahren aus einem brennenden Wohnhaus in Morles gerettet werden konnten. Seit Donnerstag muss sich ein heute 50 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Fulda verantworten: Er ist wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt.

Fulda/Nüsttal - Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am Abend des 20. Oktober 2018 in einem Wohnhaus Feuer gelegt zu haben – obwohl er gewusst habe, dass sich im ersten Obergeschoss des Gebäudes eine Frau mit ihren beiden damals drei und fünf Jahre alten Kindern befand.

Weil das Treppenhaus wegen der Rauchentwicklung schon kurz nach der Brandstiftung nicht mehr begehbar war, mussten Ersthelfer die drei Personen über eine Leiter aus einem Fenster retten. Der Angeklagte sei damals stark alkoholisiert gewesen, erklärte Staatsanwalt Andres Hellmich, der dem Angeklagten Heimtücke vorwarf – im Strafrecht ein klassisches Mordmerkmal.

Brandstiftung in Morles: Vor dem Landgericht Fulda hat der Prozess begonnen

Der Beschuldigte, der die Brandstiftung noch am selben Abend umgehend gestanden hatte, zeigte sich vor Gericht redselig. Er gab ausführlich Auskunft über seine persönlichen Umstände. Immer wieder wies er darauf hin, wie verzweifelt er gewesen sei und dass er Selbstmordgedanken gehabt habe.

Der Grund: Kurz vorher war wegen erheblicher Wasser- und Schimmelschäden in dem maroden Haus die Decke seiner Eigentumswohnung eingestürzt. Die Versicherung habe sich jedoch geweigert, für den Schaden aufzukommen. Das ließ den Morleser, dem es ohnehin schon wegen seines geringen Gehalts finanziell nicht gut ging, offenbar endgültig verzweifeln.

Am Abend des 20. Oktobers, an dem er mindestens sechs Flaschen Bier sowie zwei Bacardi-Cola konsumiert hatte und sich zudem wohl mit seiner Lebensgefährtin gestritten hatte, habe er in seiner Wohnung Grillanzünder verteilt und angezündet und sei dann in die benachbarte Pizzeria gegangen, erklärte Staatsanwalt Hellmich. Der Angeklagte selbst berichtete, sich nicht mehr gut erinnern zu können. Daran, dass noch die Frau und zwei Kinder im Haus waren, habe er nicht wirklich gedacht: „Ich war wie in einem Tunnel. Ich bin durchgedreht und habe keine Chance mehr gesehen, um weiter zu leben. Ich habe gedacht: Hoffentlich ist jetzt alles vorbei.“

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Egon Schütz.

Brandstiftung in Morles: Vorwurf des versuchten Mordes

Der Vorsitzende Richter Josef Richter befragte am Donnerstag mehrere Zeugen, darunter Polizeibeamte und den damaligen Einsatzleiter der Feuerwehr. Die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten, die am Tattag bei ihm war, ist seit Kurzem seine Ehefrau. Sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Der Angeklagte betonte, dass er die Tat gerne ungeschehen machen würde, und fügt hinzu: „Mir tut alles so leid. Ich kann es nicht fassen, was mir da widerfahren ist.“

Die Verhandlung wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen am Freitag um 9.30 Uhr am Landgericht Fulda fortgesetzt.

Lesen Sie hier: Tränen vor Gericht: 43-Jähriger muss sich wegen Mordes an seiner Ehefrau verantworten

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