Das kleine Tal in der Nähe von Nonnenrod am Rand des Gieseler Forsts wird gerade von Grund auf umgestaltet.
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Das kleine Tal in der Nähe von Nonnenrod am Rand des Gieseler Forsts wird gerade von Grund auf umgestaltet.

Umgestaltung

Gieseler Forst: Neue Vielfalt im Alten Grund - Hessen Forst schafft Raum für Schnepfe und Eisvogel

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Der Alte Grund präsentiert sich seit einigen Monaten ganz neu: Das kleine Tal in der Nähe von Nonnenrod am Rand des Gieseler Forsts wird gerade von Grund auf umgestaltet. Das Forstamt Fulda ist dabei, dem kleinen Bach neues Leben einzuhauchen.

Fulda - Bei dieser „Wiederbelebungsmaßnahme“ arbeitet das Forstamt eng mit der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde zusammen, und aus dem Naturschutz-Etat wird auch ein Teil der Kosten des Projekts bezahlt. Denn um den Bach, der über Jahrzehnte in einem immer mehr von Fichten und Kiefern beschatteten Tal geflossen war, wieder zu einem attraktiven Lebensraum zu machen, betreiben die Forstleute um Revierförster Patrick Hüpeden beträchtlichen Aufwand.

Schon vor zwei Jahren wurden die Fichten gefällt, die über Jahrzehnte in dem Tal gewachsen waren. Die Versauerung des Bodens durch die Nadelhölzer und die immer stärkere Beschattung des kleinen Gewässers hatte zur Folge gehabt, dass der Bach immer weniger Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen konnte. (Lesen Sie hier: Waldbaden: Schlüchternerin erklärt, wie es richtig geht).

Fulda: Neue Vielfalt im Alten Grund - Hessen Forst schafft Raum für Schnepfe und Eisvogel

Beim Fällen der Bäume ließen die Förster die wenigen Laubbäume, vor allem Erlen und Birken, stehen und säten auf den freien Flächen eine Wildkräuter-Mischung aus. Zudem wurde der Bachlauf behutsam modelliert: Es entstanden kleine, von dem Gewässer durchflossene Tümpel und auch einige sogenannte Himmelsteiche. Das sind Gewässer, die nur durch Niederschlagswasser gespeist werden. Sie alle sind Lebensräume, in denen der Nachwuchs von Amphibien wie Fröschen und Molchen, aber auch von vielen Insekten heranwachsen kann. Auf diese Weise nimmt die Artenvielfalt in dem kleinen Bachtal rasch zu.

Das ist nicht nur für die Insekten und Amphibien wichtig, sondern auch für andere Tiere, die nun entlang des Gewässers auf Nahrungssuche gehen können. Der feuchte Wiesengrund ist für Vögel wie die Waldschnepfe, aber vielleicht auch den Schwarzstorch sowie für Reptilien wie die Kreuzotter ein interessantes Nahrungsrevier. Dass das umgestaltete Gebiet rasch angenommen wird, belegt unter anderem, dass schon bald nach den ersten Arbeiten seltene Arten wie der Eisvogel beobachtet wurden, berichtet Hüpeden mit ein wenig Stolz.

Das kleine Tal in der Nähe von Nonnenrod am Rand des Gieseler Forsts wird gerade von Grund auf umgestaltet.

Umgestaltetes Gebiet wird rasch angenommen: Bereits seltene Arten wie der Eisvogel beobachtet

Die Umgestaltung hat auch zur Folge, dass das Regenwasser nicht mehr so schnell abfließen kann. Der sich dahin schlängelnde Bach und die neu entstandenen Teichflächen halten viel Wasser zurück. Weil gleichzeitig die Verdunstung durch den Wegfall der Fichten erheblich geringer sein wird, verbleibt mehr Wasser im Wald und kann im Boden versickern. Die Flächen entlang des kleinen Bachs sollen aber in den kommenden Jahren nicht sich selbst überlassen werden, betont der Förster: „Wir müssen jetzt immer wieder mal die aus den Samen heranwachsenden Nadelbäume entfernen, damit weiterhin Licht an den Bach kommt und sich der Feuchtbiotop-Verbund gut entwickeln kann.“

Der Bach im Alten Grund wird aus zwei Quellbereichen gespeist. Auch dort werden die Nadelhölzer in der nächsten Zeit behutsam zurückgenommen. Dort, im Oberlauf des Bachs, gibt es auch Vorkommen das sehr selten gewordenen Feuersalamanders. In den Quellen selbst hat ein Fachmann auch die seltene Rhönquellschnecke gefunden. In den nächsten Wochen kann es sein, das in dem Waldtal Maschinen-Lärm zu hören sein wird: Der Schwarze Weiher soll nämlich ausgebaggert werden. Das Gewässer ist in den vergangenen Jahren durch Schlamm und hineingefallene Fichtennadeln immer flacher geworden und beherbergt nur noch ganz wenige Arten. Ähnliche Arbeiten, so Förster Hüpeden, sind auch für den „Lappenweiher“ im benachbarten Tal vorgesehen.

Entwicklung des Bachs hängt von den Niederschlägen und eventuellen Hochwasser-Verläufen ab

Wie der wieder zum Leben erweckte Bach im Alten Grund sich in den nächsten Jahren entwickelt, hängt einerseits von den Niederschlägen und eventuellen Hochwasser-Verläufen ab, aber hier kann auch ein anderer Akteur Spuren hinterlassen: Am Ende des Tals, am Gieselbach und den Teichen bei Nonnenrod, ist der Biber bereits zuhause. Wenn es dem Nagetier gefällt, ein wenig bachaufwärts zu wandern, wird sich die Landschaft dort in den nächsten Jahren auch ohne menschliches Zutun im Sinne der Artenvielfalt entwickeln. Neugierig scheint der Biber zu sein: Bis zum Schwarzen Weiher hinauf findet man heute schon Nagespuren.

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