Ansichten der digitalen Wahlhilfe Voto
+
So sieht die Wahlhilfe Voto für die Kommunalwahl in Hessen aus.

Neuer Wahl-O-Mat

Welcher Kandidat steht wofür? Startschuss für die digitale Wahlhilfe Voto in Fulda

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
    schließen
  • Eike Zenner
    Eike Zenner
    schließen

Startschuss für die erste digitale Wahlhilfe in Hessen auf kommunaler Ebene: Seit Freitag ist in Fulda der Voto Online. Der Macher haben das Konzept bei einer Presskonferenz vorgestellt. Die Fuldaer Zeitung ist Partner des Projekts.

Fulda - Das Kommunalwahlrecht ist nicht ganz einfach. In jeder Kommune können die Wählerinnen und Wähler so viele Stimmen vergeben wie es Sitze im jeweiligen Kommunalparlament gibt. In Fulda sind das 59. Und: Es können nicht nur Listen - also Parteien - gewählt werden, sondern auch einzelne Kandidaten. Da stellt sich die Frage: Wen wählen? Und wie die 59 Stimmen für die Stadtverordnetenversammlung verteilen?

Unterstützung und Orientierung beim sogenannten Kumulieren und Panaschieren gibt in den nächsten Wochen die neue digitale Wahlhilfe Voto, ein Projekt des „Team Tomorrow“, das von der Bosch-Stiftung gefördert wird. Voto richtet sich vor allem an junge Wähler und wird bei der Kommunalwahl erstmals in Hessen angeboten; und zwar in vier Städten. Neben Fulda sind dies Marburg, Offenbach und Frankfurt. Die Fuldaer Zeitung ist Medienpartner in Fulda. Die Redaktion bindet die digitale Wahlhilfe in den Wochen bis zur Wahl auf der Webseite ein. Das heißt: Wer fulderzeitung.de besucht, kann den Voto direkt nutzen (Hier geht es zur Wahlhilfe Voto). Das Tool kann aber auch über voto.vote aufgerufen werden.

Fulda: Start für die digitale Wahlhilfe Voto

Am Freitag fiel der offizielle Startschuss für Voto. „Ziel ist es, junge Menschen für Politik zu begeistern“, sagte der Co-Gründer von Voto, Steffen Schuldis, bei einer virtuellen Pressekonferenz. Die digitale Wahlhilfe soll Brücken bauen zwischen Politikerinnen und Politikern und Bürgern. „Wählen ist kompliziert. Die Wahlzettel sind manchmal länger als die Wähler groß sind“, sagte Schuldis mit einem Lächeln. Voto könne vor dem eigentlichen Gang zur Urne oder dem Ausfüllen der Briefwahlunterlagen dabei helfen, mehr über Kandidatinnen und Kandidaten und ihre Positionen zu erfahren.

Wie funktioniert Voto? Ähnlich wie der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung, den viele bereits von Bundestags- oder Landtagswahlen kennen. Nutzer finden in Voto verschiedene Fragen und Thesen zur Kommunalpolitik in Fulda. Sie geben an, ob sie den einzelnen Thesen zustimmen oder nicht. Der Computer errechnet daraus, welche Kandidatin und welcher Kandidat besonders stark mit den eigenen Positionen übereinstimmt. Das bedeutet: Im Unterschied zum klassischen Wahl-O-Mat zeigt Voto nicht, mit welcher Partei der einzelne Nutzer die größte Übereinstimmung hat, sondern mit welchen Bewerbern. Das trägt dem Umstand Rechnung, dass Kommunalwahlen sehr stark Persönlichkeitswahlen sind.

„Wir wollten Thesen erarbeiten, die relevant für junge Menschen sind“, erklärte Julius Oblong vom „Team Tomorrow“. Um die Thesen für Fulda zu erstellen, hat das „Team Tomorrow“ vor einigen Wochen einen Workshop veranstaltet, an dem Schülerinnen und Schüler sowie Studierende teilgenommen haben, aber auch eine Journalistin aus unserer Redaktion.

Neues Tool bei Kommunalwahl in Hessen erstmals im Einsatz

Der Workshop erstreckte sich über zwei Tage und fand aufgrund der Corona-Krise komplett online statt. Die Teilnehmer stammten aus Fulda und Umgebung, waren zum Teil aber auch studienbedingt erst vor einem Jahr in die Stadt gezogen. Gerade die Neu-Fuldaer konnten den Workshop mit ihrem frischen Blick auf die Stadt und mit Erfahrungen aus anderen Kommunen einen wichtigen Teil zum Gelingen des Workshops beisteuern.

Im Video: So geht Kommunalpolitik

Unter der Anleitung zweier wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für politische Systeme an der Universität Stuttgart diskutierten die Teilnehmer ausführlich über die Themenbereiche Wirtschaft, Familie und Kinder, Bildung, Recht und Sicherheit, Verkehr, Umwelt und Klimapolitik sowie Wohnen und Integration. Alles, um Schwerpunkte zu setzen, die für die Zukunft Fuldas entscheidend sein könnten und die es am Ende in den Voto schaffen sollten.

Keine leichte Aufgabe, denn jedem Teilnehmer lag ein anderes Thema besonders am Herzen, und es mussten – ganz im Sinne des politischen Prozesses – gute Argumente gefunden werden, um die anderen Teilnehmer zu überzeugen.

Voto-Workshop ging der Frage nach: Welche Themen sind für Fulda wichtig?

Besonders bei den Thesen zum Wohnungsbau und der Busfrequenz im Stadtgebiet aber auch bei der Frage, ob die Stadt ein Jugendparlament einführen soll, gingen die Meinungen stark auseinander. Die Auseinandersetzung hat sich am Ende aber gelohnt, denn seit Freitag ist Voto live.

Das Tool soll bis zur Kommunalwahl weiterentwickelt werden. Auch Kandidatinnen und Kandidaten, die bislang noch nicht dabei sind, können sich in den nächsten Tagen noch Profile anlegen und die Thesen beantworten, betonte Julius Oblong. Das „Team Tomorrow“ hat im Vorfeld Kontakt zu allen Parteien und Wählergruppen aufgenommen. „Stand jetzt fehlen bei Voto in Fulda die SPD, BfO und die AfD“, erklärte das „Team Tomorrow“ am Donnerstagabend. Dennoch: „In Fulda sind wir derzeit bereits am breitesten aufgestellt.“

Die Erfahrung hat laut „Team Tomorrow“ gezeigt, dass ein Wahl-O-Mat dazu beiträgt, dass sich Nutzer stärker mit Politik - auch Kommunalpolitik - auseinandersetzen. Auch die Wahlbeteiligung könne steigen.

Das könnte Sie auch interessieren