Waldemar Schmidt hebt Ziegelsteine auf der Halde an.
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Waldemar Schmidt hebt Ziegelsteine auf der Halde an.

Problem in Uttrichshausen

Wald wird zur Mülldeponie: Förster beklagt illegale Halden in seinem Revier

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Im Waldgebiet Michelsholz bei Uttrichshausen wird immer wieder Müll abgeladen. Dort wurden Schutt, Reifen und sogar Schlachtabfälle entsorgt. Revierleiter Waldemar Schmidt fordert Achtsamkeit.

Uttrichshausen - Immer wieder fallen in der Umgebung Stellen im Wald auf, an denen Müll ordnungswidrig entsorgt wird. Waldemar Schmidt, Revierleiter des Forstrevieres Eichenzell am Forstamt Hofbieber im Kreis Fulda, hat nun auf einer Halde im Uttrichshausener Waldstück Michelsholz neben Bauschutt und Gartenabfällen auch Schlachtabfälle entdeckt: „Mein Hund hat hier angefangen, irgendetwas zu fressen und sich gewälzt – danach hat der gestunken wie ein Iltis.“ Er denkt, dass auf der Halde Kartoffeln und auch Schaffett oder etwas Ähnliches abgeladen worden waren. „Das hat im Wald nichts zu suchen“, sagt Schmidt.

Ebenso wenig sollten Gartenabfälle im Wald entsorgt werden – auch wenn es scheint, als könnten Holzreste und Erde oder Pflanzen in den Wald passen. „Das Problem ist, dass dort eventuell invasive Arten dabei sind, wie zum Beispiel der phototoxische Bärenklau, der sich hier in den Wäldern verbreitet.“

Fulda: Wald wird zur Mülldeponie - Förster beklagt illegale Halden

In den Brettern, die auf der Halde liegen, befinden sich außerdem verrostete Nägel. Auch Ziegelsteine und ein Autoreifen liegen auf dem Müllberg. „Bauschutt und Gartenabfälle gehören nicht in den Wald“, betont der Revierleiter und schiebt ein paar Ziegeln zur Seite. „Ich will gar nicht wissen, was da drunter ist.“

Neben dem Baum mit dem weißen Schild befindet sich die Halde, die erst einmal nach Wald aussieht.

Weil auf einer Strecke von ein paar Hundert Metern immer wieder solche Halden entstanden sind, an denen die Leute aus der Umgebung wohl ihren Müll abladen, will das Forstamt aufklären und vermeiden, dass die Halden wachsen. Die Spuren von Traktorreifen lassen auf jemanden von einem landwirtschaftlichen Betrieb schließen. (Lesen Sie hier: Illegal Sondermüll im Vogelsberg entsorgt - Enttarnt Barcode den Täter?)

Schmidt ist erst seit Mai in Eichenzell tätig, zuvor war der 36-Jährige im Rheingau. Er schätzt, dass hier öfter mal Müll im Wald abgeladen wird, weil der Wald hier kleinräumig aufgeteilt ist. Manche Flächen seien Privateigentum, andere jedoch Staatswald. „Früher war das normal, da hat man alles in den Wald gekippt und Erde darauf geschüttet“, erklärt Schmidt. „Viele Waldbesitzer laden Müll sogar in ihrem eigenen Wald ab. In diesem Fall aber ist es Staatswald. Und der wird vermutlich gerne genutzt, weil der Eigentümer unpersönlich, nicht man selbst und nicht der Nachbar ist.“

Doch in letzter Zeit würde immer mehr Müll auf illegalen Halden im Wald abgeladen. Schmidt geht dem nach, er spricht die Leute an, wenn er sie erwischt und erklärt, warum weder Bauschutt noch Gartenabfälle im Wald landen sollten. Er geht davon aus, dass die Halde im Michelsholz schon mehr als 20 Jahre genutzt wird. Denn ein Autoreifen, der dort abgeladen wurde, könne schon sehr lange dort liegen. „Die Halde ist gewissermaßen historisch gewachsen“, so der Förster.

Video: Spaziergängerin kämpft gegen Müll im Wald an

„Die Ignoranz der Natur und dem Waldeigentümer gegenüber ist ein Problem, das durch die breite Gesellschaft geht. Das beginnt bei gewöhnlichen Leuten, die das aus Gewohnheit machen und endet bei Verursachern, die im großen Stil bewusst illegal ihren Müll auf Kosten der Natur und des Steuerzahlers abladen.“ Bei einem anderen Fall im Revier habe das Forstamt sogar Anzeige erstattet. So weit müsse es im Michelsholz nicht kommen, so Schmidt. Schließlich habe er andere Dinge zu tun: Er würde sich lieber um einen gesunden Wald kümmern.

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