Florian Wilshusen hockt auf umgelegten Fichtenstämmen.
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Fichten werden oft von Borkenkäfern befallen. Florian Wilshusen zeigt auf die Gängen, in denen die Käfer überlebt haben.

Vor allem Fichten betroffen

Ein Drittel der Bäume geschädigt - Darum ist der Zustand des Waldes im Kreis Fulda schlecht

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Die Zahl der geschädigten Bäume hat sich im Vergleich zu den Vorjahren weiter vermehrt. Besonders betroffen ist die Fichte. Aber auch den Buchenbeständen geht es in der Region nicht gut. Doch es gibt Hoffnung. 

Kreis Fulda - Gründe für den schlechten Zustand des Waldes sind die vergangenen drei trockenen Sommer, die die Wasserversorgung der Bäume und damit deren Widerstandskraft und Vitalität geschwächt haben. Dadurch werden die Buchen von Pilzen befallen und die Fichten von Borkenkäfern, erläutert der Hofbieberer Forstamtsleiter Florian Wilshusen. Mit jeweils ungefähr 30 Prozent machen diese beiden Baumarten den größten Teil des Waldes im Landkreis Fulda aus. Etwa 20 Prozent sind Edellaubbäume, der Rest verteilt sich auf Kiefer, Douglasie, Lärche und Eiche.

Der schneereiche Winter und die vielen Niederschläge im Frühjahr stimmen den Forstmann leicht optimistisch. „Das war ein guter Beginn. Wir brauchen ein feuchtes und kühles Jahr, damit sich die Bäume erholen können“, sagt er.

Kreis Fulda: Waldzustand hat sich nicht verbessert - Ein Drittel der Bäume beschädigt

Bei einer Fahrt durch die Wälder des Forstamtes Hofbieber zeigt Wilshusen immer wieder auf lichte Kronen, also die Spitzen der Bäume. Sehr häufig ist dort bei Buchen nur spärlich Laub zu erkennen. Ein typisches Kennzeichnen für einen kranken Baum. Er steht neben der Spitze einer Buche, die abgebrochen ist und sich wie ein Speer in die Erde gebohrt hat. Immer häufiger müssen die Forstämter Wanderwege sperren, weil die Gefahr für Spaziergänger sehr groß ist, durch herabfallende Astteile der geschwächten Bäume getroffen zu werden. Dies sei ein negativer Nebenaspekt der kranken Bäume. Er appelliert an die Waldbesucher, sich an die Verbotsschilder zu halten. Denn ansonsten bestehe eine große Gefahr, dass sich Spaziergänger verletzten.

Die Buche ist seit knapp zwei Jahren stark durch Pilzbefall betroffen. Die Abwehrkraft habe durch die Trockenheit der vergangenen Sommer gelitten, nennt er einen Grund für die geschädigten Buchen, deren Anzahl besorgniserregend ansteigt. Besonders an Standorten, die immer gut mit Wasser versorgt waren, seien die Schäden überproportional groß. Als Beispiele nennt er den Auersberg bei Hilders und die Hessenliede bei Hofbieber.

Schäden

Aus dem Waldschadensbericht des Landes Hessen geht hervor, dass ein Drittel der Waldbäume deutliche Schäden in der Krone zeigen. Das ist seit Beginn der Messungen 1984 der höchste Wert. Die Zahl der abgestorbenen Bäume hat sich im Vergleich zum langjährigen Mittel versiebenfacht. Drei Prozent der Bäume sind im letzten Jahr abgestorben und ein Großteil davon waren Fichten. Aber auch bei der Buche sind die Absterbeerscheinungen in den Jahren 2019 und 2020 auffallend. Zuvor waren die Buchen weniger betroffen.

Nicht ein Pilz, sondern der Borkenkäfer ist der große Feind der Fichte. Die geschwächten Bäume sind leichte Beute der klitzekleinen Käfer, die sich rasend schnell vermehren. „Sie haben im Winter unter der Rinde oder im Erdreich überlebt und werden jetzt aktiv, wenn es warm wird“, sagt der Forstmann und zeigt die Gänge unter der Rinde eines gefällten und geschädigten Baumes. „Wir müssen jetzt schnell handeln, das heißt, die gefällten Bäume aus dem Wald abfahren, bevor sich die Käfer vermehren können. Das ist eine Möglichkeit, um den fortschreitenden Befall zu verlangsamen oder gar zu verhindern und damit zur Erholung der Fichtenbestände beizutragen“, sagt der Forstamtsleiter.

Gegen Waldsterben: Kleine Teiche sollen Wasserversorgung und Waldklima verbessern

Bei den Buchenbeständen sei schnelle Hilfe nicht so leicht möglich. Weiniger Holz einschlagen und damit verhindern, dass die Sonne ungehindert durch das Laub scheinen kann, sei eine Möglichkeit. Eine zweite Möglichkeit ist es, kleine Regenrückhaltebecken entlang der Waldwege anzulegen. Dies haben die Waldarbeiter in den vergangenen Monaten verstärkt am Auersberg und am Wartberg bei Hofbieber getan. In den kleinen Teichen sammelt sich Regenwasser, das langsam verdunsten kann und gleichzeitig in den Boden einsickert. Dadurch könnten die Wasserversorgung und das Waldklima verbessert werden, erklärt Wilshusen. Auch das Projekt Klimabaumpfad auf der Landesgartenschau Fulda beschäftigt sich mit der Pflanzung von 21 an den Klimawandel angepassten Bäumen.

Video: Waldsterben 2.0: Warum fast jeder Baum gefährdet ist

Die Forstleute setzen auch auf die natürliche Verjüngung der Bestände. Das klappe bei der Buche relativ gut. In vielen Fichtenbeständen fehlt leider noch die Verjüngung.

Bei all den schlechten Nachrichten hat Wilshusen auch noch gute: Kiefern, Lärchen, Bergahorn oder Douglasie seien in der Rhön noch nicht so stark wie Buchen und Fichten von den Schäden betroffen. Zudem sei der Zustand der Wälder in anderen Landesteilen schlechter als in unserer Region.

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