Die türkische Baumhasel gehört unter anderem zu jenen Baumarten, die trockenes und wärmeres Wetter gut vertragen.
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Die türkische Baumhasel gehört unter anderem zu jenen Baumarten, die trockenes und wärmeres Wetter gut vertragen.

Pläne für Kreis Fulda

Der Wald als „Klimaretter“? Diese Baumarten aus dem Süden sollen helfen

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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  • Sarah Malkmus
    Sarah Malkmus
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Kein Thema – abgesehen von der Corona-Pandemie – ist derzeit so brisant wie die Klimakrise. Ihre Folgen sind vielfältig. Waldbesitzer wollen mit Baumarten aus dem Süden den Kampf gegen den Klimawandel im Forst gewinnen. Der Wald soll so auch „Klimaretter“ sein.

Fulda - „Der Klimawandel hat den Wald fest im Griff – auch bei uns in der Region“, sagt Florian Wilshusen, Forstamtsleiter in Hofbieber, auch wenn er weiß, dass die Situation in anderen Teilen von Hessen „noch schlimmer“ ist. Auch Michelle Sundermann, Pressebeauftragte von Hessen-Forst, ist nicht mehr optimistisch. Zu groß seien die Gefahren der Klimakrise für den Wald.

„Die Bäume sterben ab, weil die Wasserverfügbarkeit im Boden abnimmt“, erläutert sie. Der Wasserstand sei immer noch nicht auf dem Stand von vor 2018, dem extremen Hitzejahr. Der Grund: Dürreperioden und Hitzesommer nähmen zu, deshalb hätten viele Schadorganismen – etwa der Borkenkäfer – an den geschwächten Bäumen leichtes Spiel.

Fulda: Neue Baumarten sollen gegen den Klimawandel helfen

Besonders litten Fichten und Buchen an den Folgen der Klimakrise, sind sich Sundermann und Wilshusen einig. „Die Fichten konnten nicht genug Wasser aufnehmen, um sich mit Harzfluss gegen die Massen von Borkenkäfern zu wehren“, erklärt Sundermann. Gleichzeitig habe sich der Käfer mit zunehmender Wärme „prächtig entwickelt“ und gleich mehrere Generationen ausgebildet.

„Auch die Buchen leiden unter der Klimaänderung“, führt sie weiter aus. Tückisch sei, dass man es den Bäumen nicht immer sofort ansehe, wenn der Absterbeprozess schon angefangen habe. „Gerade jetzt im beginnenden Winter, wenn das Laub abfällt, ist es besonders wichtig, dass wir als Experten von Hessen-Forst die Buchen im Blick behalten.“

Mittlerweile gebe es einige wissenschaftlich fundierte Berechnungen, die vorhersagen, dass sich die Wuchsbedingungen für unsere Waldbäume weiter verschlechtern, sagt Sundermann. „Das wäre natürlich schlimm und würde bedeuten, dass noch mehr Wälder absterben.“ Umso wichtiger sei es, sich weiterhin um den Wald zu kümmern und ihm mit sogenannten „Wiederbewaldungskonzepten“ einen Vorsprung zu geben. „Denn der Wald ist nicht nur Klimaopfer, sondern auch Klimaretter.“ (Lesen Sie hier: Freizeitdruck in Hessens Wäldern - Besucher halten sich nicht an die Regeln)

Der Wald leidet enorm unter der Klimakrise, auch bei uns in der Region. Dieses Bild ist bei Marbach entstanden.

Auch die privaten Waldbesitzer sind besorgt. „Bei der prognostizierten Klimaerwärmung in 50 Jahren um zwei Grad wird es trotz etwa gleichbleibenden Niederschlägen wegen der erhöhten Verdunstung zum Wassermangel für unsere Waldbäume kommen. Pflanzenverfügbares Bodenwasser wird auch wegen geringer Winterniederschläge fehlen. Vertraute Buchen- und Fichtenwälder wird es nicht mehr geben“, warnt Markus Leibold, Vorsitzender Forstbetriebsgemeinschaft Fulda. Er spricht für 860 Waldbesitzer mit 3082 Hektar Wald.

Baumarten, die sich südlich der Alpen bereits an trockene Sommer gewöhnt haben, würden bei Wiederaufforstungen von Schadflächen mit genutzt. „Wir wollen die Hände nicht in den Schoß legen, sondern den Wald als Ganzes retten und bewahren“, sagt Leibold. Er lobt die enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern von Hessen-Forst und dankt vor allem den Revierleitern.

Video: Klimawandel: Was du tun kannst

Weil die Forstbetriebsgemeinschaft gespart hat, kann sie die Anpflanzung von Bäumen, die trockenes, wärmeres Wetter vertragen, unterstützen. Diesen Zuschuss beschlossen die Mitglieder einstimmig. Gepflanzt werden sollen Libanon-Zedern, türkische Baumhaseln oder Esskastanien. Ohnehin gibt es – unabhängig von gepflanzten Arten – für die Wiederbewaldung von Windwurfflächen staatliche Förderung.

Skeptisch ist indes Wilshusen in Bezug auf die neuen Baumarten aus dem Süden: „Mit derlei Bäumen haben wir noch keine Erfahrung“, sagt er. „Wir wissen nicht, wie sie in Deutschland klarkommen. Das bleibt abzuwarten.“ Unbedingt seien auch Alternativen bei heimischen Baumarten zu suchen. Etwa die Douglasie biete sich an. Die amerikanische Art ist in Europa längst heimisch geworden.

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