Wie dieser Waschbär sucht auch die Waschbärfamilie am Rauschenberg in den Mülltonnen nach Essensresten.
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Wie dieser Waschbär sucht auch die Waschbärfamilie am Rauschenberg in den Mülltonnen nach Essensresten. (Symbolfoto)

Nachbarn in Sorge

Waschbärenfamilie besetzt verlassenes Haus in Petersberg

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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In einer Siedlung in Petersberg gibt es ein verlassenes Haus, in dem Waschbären leben. Warum es nicht so leicht ist, eine Lösung zu finden, erklären die Gemeinde Petersberg und die besorgte Nachbarfamilie.

Petersberg - Mit der Abenddämmerung werden sie wach. Dann streunen sie über das Grundstück, öffnen Mülltonnen und besetzen das Haus. Dort machen sie es sich auf dem Dachboden gemütlich: Die Rede ist von Waschbären. Ein Anwohner der Straße An der Liede in Petersberg (Kreis Fulda) berichtet von den unbeliebten Nachbarn – die putziger aussehen, als sie sind.

„Von 21 bis 23 Uhr ist da Rabatz“, sagt Tassilo Ernst. Er lebt mit seiner Familie neben dem verwaisten Grundstück – welches aber trotzdem bewohnt ist: „Seit Dezember wohnt dort eine fünfköpfige Waschbärfamilie. Und die vermehren sich wie verrückt.“ Das Problem sei, dass es aktuell zwar einen Besitzer gebe – dieser aber lasse das Gebäude zu einem „Messi-Haus“ vermüllen. „2017 haben wir das letzte Mal jemanden auf dem Grundstück gesehen. Solange das Haus jemandem gehört, kann die Gemeinde nichts tun“, sagt Ernst, der dort mehrmals nachgefragt habe. (Lesen Sie auch: Bombensuche am Rauschenberg: Müssen Anwohner evakuiert werden?)

Fulda: Waschbärenfamilie besetzt verlassenes Haus - Nachbarn in Sorge

Während die Familie fürchtet, dass die Kleinbären zu ihnen „übersiedeln“, wie Ernst sagt, und sich durch die Terrassentür Zugang verschaffen, wuselten die Tiere durch den Dachstuhl des benachbarten Hauses, verwüsteten dort Fahrzeuge und verschöben sogar Ziegelsteine. „Die können wie verrückt klettern“, sagt Ernst. Vor allem während der Dämmerung gehe es auf dem Nachbargrundstück wild zu. Familie Ernst könne die Tiere nicht nur sehen, sondern auch hören: „Aus dem Dachstuhl kommt immer so ein Fiepen“, beschreibt er die Geräusche der Waschbärfamilie. Weder die Gemeinde noch der Revierförster hätten bisher etwas unternommen.

Für Waschbären, das erklärt Friederike Prömse-Schneider vom Forstamt Fulda, gelten Tierschutzgesetze. „Der Tierschutz verbietet, dass Muttertiere gejagt werden – es sollen keine Jungtiere nach dem Tod der Mutter verwaisen“, sagt sie. Auf einem Wohngrundstück dürfe ohnehin nicht geschossen werden, sodass die Kleinbären höchstens mit Fallen gejagt werden dürften. „Die Familie müsste versuchen, die Waschbären auf ihrem Grundstück zu fangen“, sagt Prömse-Schneider. Sie erklärt, dass die Jungen ganzjährig gejagt werden dürfen, die ausgewachsenen Tiere von August bis Ende Februar. Sie betont noch einmal: „Unter der Voraussetzung, dass keine Jungtiere zurückbleiben.“

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Auch die Gemeinde Petersberg äußert sich auf Nachfrage zu dem Fall der Familie Ernst: „Das Problem ist uns bekannt, und wir befinden uns im engen Austausch mit dem zuständigen Jagdpächter, um eine Lösung zu finden“, erklärt Sprecher Sebastian Kircher. Allerdings sei es nicht leicht, die Population dieser „invasiven Art“ geringzuhalten – Schwierigkeiten mache die Lage. „Die Bejagung ist im Wohngebiet kompliziert, da aufgrund des Betretungsrechtes dort die Jagd eingeschränkt ist“, sagt Kircher. Er appelliert, Mülltonnen so zu sichern, dass die Waschbären nicht in Wohngebiete gelockt werden. „Die Gemeinde wird mit dem Jagdpächter eine Lösung erörtern, um die Anwohner vor den Waschbären zu schützen.“

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