Trockenheit hält an

Viel Hitze, wenig Regen: Landkreis Fulda reagiert auf niedrige Wasserstände

  • Leon Schmitt
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Durch die Hitze und den wenigen Regen der vergangenen Wochen führen die Flüsse, Bäche und Seen im Kreis Fulda nur noch wenig Wasser. Deshalb wird die Wasserentnahme aus Gewässern ab Samstag verboten.

  • Der Wasserverbrauch steigt - zum einen wegen der Hitze, aber auch weil in Corona-Zeiten wenige Leute wegfahren.
  • Die Trockenheit zwingt Kommunen in Hessen zum Handeln. Teilweise wird Wasserverschwendung verboten.
  • In den Landkreisen Fulda und Hersfeld-Rotenburg ist die Wasserentnahme aus Flüssen und Seen verboten.

Update vom 12. August, 17.52 Uhr: Auch der Landkreis Fulda reagiert nun auf die Trockenheit und dadurch niedrigen Wasserstände. Ab Samstag ist die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern im Kreis Fulda verboten beziehungsweise nur noch stark eingeschränkt möglich. Dies hat der Landkreis Fulda als untere Wasserbehörde angeordnet.

Auf Grundlage des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sei es bis auf Weiteres untersagt, aus Flüssen, Bächen und Seen ohne Erlaubnis Wasser zu entnehmen. „Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die im Einzelfall mit einem Bußgeld bis zu 100.000 Euro geahndet wird“, heißt es in der Mitteilung des Kreis Fulda. Lediglich das Tränken von Vieh und das Schöpfen per Hand seien weiterhin zugelassen. Zudem gilt das Entnahmeverbot nicht für zugelassene Benutzungen im Rahmen erteilter Erlaubnisse, Bewilligungen und alter Rechte.

Niedrige Wasserstände wegen Trockenheit: Kreis Fulda ordnet Entnahmeverbot an

Der Landkreis Fulda appelliert an die Bürger, sorgsam mit dem Wasser umzugehen und sich verantwortungsbewusst zu verhalten: „Jeder Einzelne kann zum Erhalt der wassergebundene Tier- und Pflanzenwelt beitragen, indem er besonders jetzt in Niedrigwasserzeiten auf jeglichen Eingriff in die Gewässer verzichtet und das wenige Wasser im Gewässerlauf belässt.“

Erstmeldung vom 11. August, 19.16 Uhr:

Fulda/Bad Hersfeld - Trockene Böden, braune Wiesen und Urlaub daheim in Pandemie-Zeiten: Die Hitze drückt, und die Wasserhähne laufen. Erste hessische Kommunen sprechen bereits von Notständen bei der Wasserversorgung, und Versorger sowie Verbände mahnen zum bedachten Gebrauch.

Den Rasen bewässern, mehrfach kalt Duschen bei der Hitze und Urlaub daheim in Pandemie-Zeiten: Der Wasserverbrauch steigt.

Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat bereits auf die anhaltende Trockenheit reagiert. „Die Wasserentnahme aus allen Flüssen, Bächen und Seen des Kreises ist wegen der anhaltenden Trockenheit ab sofort verboten beziehungsweise nur noch stark eingegrenzt möglich“, heißt es in einer Pressemitteilung, die am Dienstag versandt wurde. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro, teilt der Landkreis als Untere Wasserbehörde mit. 

Anhaltende Trockenheit: Kreis Hersfeld-Rotenburg verbietet Wasserentnahme

Zunächst gelte dieses Verbot nicht für diejenigen, die eine wasserrechtliche Erlaubnis zur Wasserentnahme durch die zuständige Wasserbehörde erteilt bekommen haben und für die, die ihre Tiere mit Wasser versorgen.

Wie der Leiter der Unteren Wasserschutzbehörde, Gerd Myketin, mitteilt, haben sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit sehr niedrige Wasserstände in den Seen, Flüssen und Bächen eingestellt. Eine Änderung sei derzeit nicht absehbar, begründet Landrat Dr. Michael Koch (CDU) das von ihm unterschriebene Verbot der Wasserentnahme.

Auch in Fulda herrscht Trockenheit, die unter anderem den Landwirten zusetzt. Ein Wasserentnahme-Verbot wurde bislang zwar nicht ausgesprochen, aber „es ist nicht ausgeschlossen, dass angesichts der Hitze und Trockenheit auch für den Landkreis Fulda mit einer Allgemeinverfügung eine Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern verboten beziehungsweise stark eingeschränkt wird“, teilt der Landkreis Fulda auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Im vergangenen Jahr ordnete der Kreis Fulda ein Wasserentnahme-Verbot Mitte Juli an.

Folgen der Corona-Pandemie: Sommer in der Heimat lässt Wasserverbrauch steigen

Dass der Wasserverbrauch zum Problem wird, liegt allerdings nicht alleine an der Hitze. „Auch aufgrund der eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten in diesem Sommer wird mit Auswirkungen auf den Verbrauch gerechnet“, sagte eine Sprecherin des Hessischen Umweltministeriums mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie.

Die kleine Gemeinde Grävenwiesbach, aber auch Schmitten oder Weilrod im Taunus zogen bereits die Reißleine und stellten den „Trinkwassernotstand“ fest. In anderen Gemeinden könnte dies drohen. In Kronberg oder Oberursel steht die Wasserampel auf Rot, ein Schritt vor dem Notstand.

Kommunen in Hessen reagieren: Trinkwasser darf nicht verschwendet werden

Neben der Verschwendung und Speicherung ist es dann unter anderem für folgende Zwecke verboten, Trinkwasser zu nutzen: Gärten wässern, land- und forstwirtschaftlich genutzte sowie befestigte Flächen bewässern, Schwimmbecken befüllen oder die Fahrzeuge waschen. Dieses Verbot erstreckt sich nach Angaben der Verantwortlichen in Grävenwiesbach über das gesamte Gemeindegebiet zunächst bis Ende August. Gleiches gilt für Schmitten oder Weilrod.

Wer dennoch unzulässigerweise den Hahn aufdreht, muss möglicherweise tief in die Tasche greifen. „Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis 5000 Euro geahndet werden“, heißt es in der erst im vergangenen Jahr erlassen Gefahrenabwehrverordnung von Schmitten.

Wer in Schmitten unzulässigerweise den Hahn aufdreht, muss möglicherweise tief in die Tasche greifen.

In Hessen wird nach Angaben des Umweltministeriums 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zufolge sind wegen der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre die Grundwasserstände verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Ende Juli seien die Grundwasserstände an 60 Prozent der Messstellen unterdurchschnittlich gewesen.

Wasserversorger mahnen: Trinkwasser nicht für Pools oder zum Autowaschen benutzen

Versorger mahnen: „Bei länger anhaltender Trockenheit kann es zu vorsorglichen Einschränkungen der Trinkwasserversorgung kommen. Deshalb sollten alle Bürgerinnen und Bürger stets prüfen, wann und für welchen Zweck das hochwertige Lebensmittel Trinkwasser verwendet wird“, sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke (ZMW), Karl-Heinz Schäfer. Es solle etwa darauf verzichtet werden, Pools zu befüllen oder das Auto zu waschen.

Video: Hitzewelle sorgt für Trockenheit in Deutschland

Auch der Wasserversorger Entega in Südhessen mahnt: „Grundsätzlich sollte man sparsam und bewusst mit dem Trinkwasser umgehen.“ Gerade an den heißen Sommertagen sollte man in den Spitzenverbrauchszeiten zwischen 7 und 9.30 Uhr und abends zwischen 18 und 21 Uhr keine großen Wassermengen, etwa um ein Schwimmbecken zu befüllen, abzapfen, sagte Sprecher Michael Ortmanns. Diese würden sich auf die ohnehin schon hohen Verbrauchswerte addieren und könnten zu Überlastungen und Druckreduzierungen der Versorgungsnetze führen. Wie Ludwigshafen24 berichtet haben in Rheinland-Pfalz wegen der anhaltenden Hitze ebenfalls Gemeinden dazu aufgerufen, Wasser zu sparen*. *Ludwigshafen24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Lesen Sie hier: Landwirte-Sprecherin über die Folgen anhaltender Trockenheit. Und: Fünf Tipps zum Joggen bei Hitze.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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