Neil Armstrong (vorne in der Mitte) zwischen Segelfliegern aus der Rhön.
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Neil Armstrong (vorne in der Mitte) zwischen Segelfliegern aus der Rhön.

Vom Mond in die Rhön

Vor 50 Jahren: Zigtausende feiern Neil Armstrong auf der Wasserkuppe

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Samstag, 8. August 1970, 12.06 Uhr. Auf dem Sickels Airfield der US-Army in Fulda landet ein zweimotoriges Flugzeug vom Typ Twin-Bonanza. Wenig später steigt der wohl berühmteste Mann seiner Zeit aus der Maschine: Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, ist in Osthessen angekommen.

Houston/Gersfeld - Sein eigentliches Ziel liegt eine gute halbe Stunde mit dem Auto entfernt in der Rhön: die Wasserkuppe. Von dort startete ein halbes Jahrhundert vorher der Segelflug seinen Siegeszug rund um die Welt. Ein Jubiläum, das es gebührend zu feiern gilt. Da passt es gut, dass die erste Mondlandung erst ein Jahr zurückliegt, und der erste Mensch auf dem Mond begeisterter Segelflieger ist.

Für die Vorsitzenden der Pilotenvereinigung Wasserkuppe, Klaus Harnach und Helmut Dette, ist die Sache damit klar: der passende Ehrengast für das Jubiläum ist gefunden. Nur weiß der noch nichts von seinem Glück. Mit der Testpilotin Hanna Reitsch und Weltrekordler Joachim Küttner, als Physiker im Dienst der Nasa, werden zwei in der Szene berühmte Flieger um Vermittlung gebeten – mit Erfolg.

Am 8. August 1970: Astronaut Neil Armstrong besucht die Wasserkuppe

Also stehen an diesem Samstagmittag Rhöner Segelflieger gemeinsam mit Colonel Raymund B. Kleber – er ist Kommandeur der US-Radarstation auf der Wasserkuppe – als Empfangskomitee in Sickels bereit. Hier auf dem Militärgelände ist es ruhig. Das sollte sich ändern, als die Gruppe in Gersfeld ankommt: Es hat sich herumgesprochen, dass der „Mann vom Mond“ die Rhön besucht. Bei der Begrüßung im Gersfelder Hof, wohin Landrat Dr. Eduard Stieler zum Mittagessen geladen hat, geht es auch noch gesittet zu. Doch draußen haben sich zahlreiche Schaulustige eingefunden, es ist kein Durchkommen.

Per Telegramm, heute im Besitz von Cornelia Wiethaler geborene Dette, kam die letzte Bestätigung aus Amerika, dass Armstrong und Küttner zur Wasserkuppe kommen wollen und Dette die Tickets schicken sollte.

Wie soll also nun der Weg zur Wasserkuppe bewältigt werden? Gerhard Gottstein, Vizepräsident der Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe, hat eine Idee: Er bringt seinen VW zum Hintereingang und bringt Armstrong mit diesem auf den Berg. Währenddessen bahnt sich der „offizielle“ Armstrong-Wagen mit einem Double den Weg durch die Menge.

Neil Armstrong startet mit dem Segelflieger vom Berg der Flieger

Solche Verhältnisse sind für den Astronauten an der Tagesordnung. Schon am Vortag konnten sich die Rhöner mit ihrem Gast nur mühsam einen Weg bahnen, als sie über den brechend vollen Marktplatz in Bremen gehen wollen. Der Grund für den Abstecher in die Hansestadt ist einfach: Der dort beheimatete Flugzeughersteller Fokker hat den Flug bezahlt. Im Rathaus überreicht Bürgermeisterin Annemarie Mevissen Armstrong eine Figur der Bremer Stadtmusikanten. Die sind ihm völlig unbekannt, er zieht aber gleich einen Vergleich zu seiner Arbeit: „Ihr Anblick erinnert mich an unsere Landung auf dem Mond. Die war nur möglich durch Zusammenarbeit Tausender von Wissenschaftlern, Technikern und Helfern, die sich aufeinander stützten.“

Auch auf der Wasserkuppe wird Gemeinsinn groß geschrieben, wie das Engagement der Flieger zeigt. Nach der Übergabe einer Halle für das Rhöner Segelflugmuseum durch den Landrat hat sich das Wetter so weit gebessert, dass Armstrong zu seinem erhofften Segelflugstart auf dem Berg der Flieger kommt: Mit dem Leiter der Flugschule, Karl-Ernst Kess, geht es in einer ASK 13 nach Bad Kissingen – und dem nächsten Bad in der Menge. Ein solches gibt es auch am nächsten Tag auf dem Berg, obwohl dichter Nebel herrscht: 40.000 Menschen sollen versucht haben, einen Blick auf Armstrong zu erhaschen.

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