Johannes Wende (von links), Bischof Dr. Michael Gerber und Philipp Schöppner.
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Johannes Wende (von links), Bischof Dr. Michael Gerber und Philipp Schöppner.

Im Fuldaer Dom

Gemeinsam die Gegenwart Gottes erkennen: Weihe der Diakone Philipp Schöppner und Johannes Wende zu Priestern

Herausforderungen annehmen und an Zweifeln wachsen: Philipp Schöppner und Johannes Wende wurden am Samstag im Dom von Bischof Dr. Michael Gerber zu Priestern geweiht.

Fulda - Nach der Begrüßung und einem kurzen Schweigen zum Ankommen wurden die Priesterkandidaten Philipp Schöppner aus der Pfarrei Haimbach und Johannes Wende aus Pfarrei Bronnzell zum Bischof gerufen. Nach Bezeugung ihrer Eignung erwählte Bischof Michael Gerber im Dom in Fulda beide als Priester. Er habe sie als Menschen erlebt, die an den Herausforderungen des Lebens selbst wachsen können und wollen und Beziehungen von Herz zu Herz gestalten – für Gerber neben der theologischen und pastoralen Befähigung wesentliche Eigenschaften für den Priesterdienst.

So thematisierte Bischof Gerber in seiner Predigt denn auch die aktuelle Situation mit all ihren Herausforderungen im Jetzt und für die Zukunft, basierend – passend zu den Namen der Weihekandidaten – auf der Berufungseschichte im Johannes-Evangelium, in der Jesus erstmals Philippus begegnet. Die kommenden Jahrzehnte sieht Gerber unter dem Vorzeichen des „Minui“. Die angehenden Priester müssten kirchliches Leben in einer Situation gestalten, in der „vieles geringer geworden ist und auch geringer werden wird“, sagte Gerber: weniger Leute, die zur Kirche gehören, deutlich weniger finanzielle Mittel sowie ein Minus an Glaubwürdigkeit und gesellschaftichem Ansehen. Ein erster Schritt sei, die Situation annehmen zu können und zu wollen, um sie mit den Menschen zu gestalten. Die Priester müssten versuchen, gemeinsam mit der kleiner werdenden Menge an Gläubigen die Gegenwart des Herrn zu erkennen – auch in den Wunden des Lebens, der Kirche und der Gesellschaft, sagte Gerber.

Fulda: Weihe der Diakone Philipp Schöppner und Johannes Wende zu Priestern

Er mahnte zu Geduld im Gespräch mit den Zweifelnden und dem eigenen Zweifel, vielmehr gelte es daran zu wachsen. Die Verheißung „Du wirst noch Größeres als dieses sehen“ klinge derzeit womöglich vermessen, dennoch sehe Jesus das Große in und durch den Menschen. „Möge das unseren Blick auf den konkreten Menschen stärken und prägen, der oder die jeweils vor uns steht“, gab Gerber den Weihekandidaten mit auf den Weg. Denn schon bevor sich Menschen Jesus zuwenden, habe er auf sie geschaut und „sind wir kostbar in seinen Augen“. (Lesen Sie hier: Graffiti-Wände der Kirche als Hoffnungszeichen in Corona-Zeiten: Passanten können Sterne ankleben).

Nach der Predigt bestätigten Wendel und Schöppner, die bereits seit ihrer Schulzeit im Fuldaer Marianum Weggefährten sind, ihre Bereitschaft für den priesterlichen Dienst und legten sich während der Allerheiligsten Litanei vor dem Altar nieder. Als Höhepunkt nach apostolischer Tradition legte Bischof Gerber den Weihekandidaten schweigend die Hände auf, alle anwesenden Priester taten es ihm anschließend gleich. Nach dem Weihegebet folgten die sogenannten ausdeutenden Riten: die Bekleidung mit Stola und Messgewand, die Salbung der Hände mit Heiligem Chrisam und das Überreichen des Kelches mit Wein und der Hosteinschale mit Brot. Dann tauschte der Bischof mit Neugeweihten den Friedensgruß, bevor sie in Konzelebration mit dem Bischof zum ersten Mal die Eucharisitie feierten und den priesterlichen Segen spendeten.

Premiere im Fuldaer Dom: Evangelische Bischöfin spricht bei einer Priesterweihe

Abschließend gab es eine Premiere: erstmals sprach im Fuldaer Dom eine evangelische Bischöfin bei einer Priesterweihe. Neben guten Wünschen für die Neupriester argumentierte Dr. Beate Hofmann von der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck für Frauen im Priesteramt sowie ein Fortschreiten der Ökumene. „Wir haben mehr gemeinsam, als wir oft denken“, sagte sie. Statt theologische Differenzen und Unterschiede zu betonen, sollte es ein Miteinander bei der Verkündigung von Gottes bedingungsloser Gnade und Liebe sowie bei glaubwürdigen Antworten auf die Fragen der Menschen geben. „Wir sind gemeinsam gesandt, denn wir stehen auf gemeinsamem Grund“, sagte Hofmann. Die Türen der evangelischen Kirchen stünden stets offen, und auch sie seien immer herzlich willkommen, richtete sie sich an Wende und Schöppner.

Das Pontifikalamt wurde musikalisch gestaltet von Domorganist Hans-Jürgen Kaiser sowie gesanglich von Marie Wettels, Antonia Hein, Henning Weber, Daniel Schier und Julius Warnecke unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber. (Von Simone Schinnerer)

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