„Holpriger Zickzackkurs“

Das wünscht Bischof aus Fulda zu Weihnachten - Video-Rückblick von Michael Gerber auf Krisenherde 2021

Bischof Dr. Michael Gerber aus Fulda erinnert in seinem Wunsch zu Weihnachten an die dramatischen Bilder der internationalen Krisenherde des Jahres 2021 und verweist auf das Licht der Menschwerdung Gottes.

Fulda - Auf dem Esel ist noch Platz! Das war einer meiner ersten Gedanken, als ich das Kunstwerk „Flucht nach Ägypten“ in diesem Sommer in Taizé entdeckt habe. Frère Denis, der Künstler, einer der Brüder von Taizé, verdeutlicht mit seiner Darstellung eine dramatische Situation: Das Leben des neugeborenen Jesus von Nazareth ist bedroht, das Heil liegt in der Flucht! Die junge Familie folgt der Aufforderung: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten.“ (Mt 2,13)

Ich denke dabei nicht nur an die Situation vor 2000 Jahren, sondern an die dramatischen Bilder der internationalen Krisenherde des Jahres 2021 und der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Oder an persönliche Schicksalsschläge im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis: Mehr denn je sind viele Biographien heute ein holpriger Zickzackkurs, so wie vor 2000 Jahren eine Flucht-Geschichte von Bethlehem aus zunächst nach Ägypten führte, dann aber nicht wie geplant zurück nach Judäa, sondern weiter in das Gebiet von Galiläa.

Fulda: Bischof Michael Gerber blickt auf Krisenherde des Jahres 2021 zurück

Was brauchen Menschen an Kräften und seelischer Stabilität, so frage ich mich, um solch einen Weg gehen zu können? Was an Beziehung braucht es, damit Menschen in dieser Situation gesund bleiben an Leib und Seele? Wer geht mit, wer geht voran und wer bietet Hilfe und Schutz? Und wo ist mein Platz in diesem Bild?

Fuldas Bischof Michael Gerber blickt auf das Jahr 2021 zurück. (Archivbild)

Je länger ich das Motiv meditiere, desto stärker überlege ich: Was treibt Maria und Josef an auf ihrem Weg? Zweifelsohne ist es die Reaktion auf den Vernichtungswillen des Herodes. Das junge Paar schweißt das „Handeln gegen …“ zusammen. Aber das kann nicht alles sein. Aus einem gemeinsamen „Handeln gegen …“ entsteht selten eine Kraft, die sich in der Krise tatsächlich bewährt.

Was treibt Josef und Maria in der Tiefe ihres Herzens an? Es ist die tiefe Begegnung mit ihrem neugeborenen Kind. Ihre Seele ist berührt von der Erfahrung: Im Wunder des Lebens, das Jesus mit allen Neugeborenen teilt, leuchtet jenes Leben in Fülle auf, das er viele Jahre später so beeindruckend verkünden wird. Von dieser positiven Hingabe und Erfüllung wird ihre Seele genährt, um auch künftige Herausforderungen und Gefahren bestehen zu können. Ob und wie das dann tatsächlich gelingt, bleibt gleichwohl wesentlich ein Wirken der Gnade Gottes.

Im Blick auf die Krippe und das neugeborene Jesuskind wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, diese weihnachtliche Gnade: Dass das Licht der Menschwerdung Gottes, das von der Krippe aufstrahlt, ihr Herz erfüllt und Sie durch alle Zickzackwege des neuen Jahres sicher leiten möge!

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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