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Weihnachten in Uganda - der Pfarrer leuchtet mit einer Taschenlampe auf die Bibel

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Von: Jessica Vey

Im ostafrikanischen Uganda werden an Weihnachten häufig Kinder getauft. Im ländlichen Raum feiern die Gläubigen in einfachen Kirchen aus Lehm und Holz, die sie mit Blumen schmücken. Weil es darin kein Strom gibt, erhellen Taschen- und Öllampen den Raum.
Im ostafrikanischen Uganda werden an Weihnachten häufig Kinder getauft. Im ländlichen Raum feiern die Gläubigen in einfachen Kirchen aus Lehm und Holz, die sie mit Blumen schmücken. Weil es darin kein Strom gibt, erhellen Taschen- und Öllampen den Raum. © Katharina Möller

An Heiligabend mit der Familie in die Christmette gehen: Das tun auch die Katholiken in Uganda. Der Gottesdienst dort ist bunter, lauter und findet mitunter in kleinen Kirchen statt, die aus Lehm gebaut sind. Katharina Möller berichtet vom Weihnachtsfest, von der Arbeit ihres Vereins und von Corona. 

Die 31-Jährige lebt mittlerweile im Allgäu, stammt aber aus Dipperz im Landkreis Fulda, wohin sie noch enge Kontakte hat: Denn sie ist Gründungsmitglied und Vorsitzende des Dipperzer Vereins Emikwano. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulkinder in Uganda zu unterstützen. Möller hat vor einigen Jahren erlebt, wie Weihnachten in Uganda gefeiert wird. 

Ihre Zeit und die Eindrücke aus dem ostafrikanischen Land sind ihr bis heute sehr präsent – zumal sie einen engen Kontakt zu dem Land pflegt. Seit ihrem Auslandsaufenthalt im Jahr 2010 ist sie jedes Jahr nach Uganda gereist. Nur die Corona-Pandemie machte ihr 2020 und 2021 einen Strich durch die Rechnung.

Weihnachten in Uganda - der Pfarrer leuchtet mit Taschenlampe auf die Bibel

Mit ihren Freunden in Uganda telefoniert sie regelmäßig und sie weiß: Weihnachten ist für die Menschen dort etwas ganz Besonderes. Als sie nach dem Abitur als Freiwillige im Bistum Hoima in Uganda mitgeholfen hat, durfte sie dort die Christmette mitfeiern.

In einem abgelegenen Dorf kamen gut 80 Menschen zusammen und drängten sich in der kleinen Kirche. Das Gotteshaus war nur aus Lehm und Holz gebaut, das Dach mit Palmzweigen gedeckt, und zum Gottesdienst war der Innenraum mit Blumen geschmückt worden. Mangels Strom erhellten Öllampen die Kirche. Um das Evangelium zu lesen, leuchtete der Pfarrer mit einer Taschenlampe. 

Katharina Möller aus Dipperz berichtet vom Weihnachtsfest in Uganda, von der Arbeit ihres Vereins und von Corona. 
Katharina Möller aus Dipperz berichtet vom Weihnachtsfest in Uganda, von der Arbeit ihres Vereins und von Corona.  © privat

Auch wenn der Ablauf des Gottesdienstes so war, wie es Katharina aus ihrem Heimatort Dipperz kannte, war es doch eine ganz andere Erfahrung. Die ugandischen Katholiken tanzen und singen viel. „Es wurde auch getrommelt, so etwas wie eine Orgel gab es nicht“, erinnert sich die 31-Jährige.

„Ich war erst um Mitternacht zu Hause. Der Gottesdienst ging gut zwei Stunden lang“, berichtet Möller und sagt, dass in der Messe sehr viele Kinder getauft wurden. Während man hierzulande für die Christmette durchaus das „Sonntagskleid“ anzieht, so legt man in Ostafrika eine Schippe drauf: „Die Frauen sparen schon vorher, um für das Weihnachtsfest zum Friseur gehen zu können. Dort bekommen sie eine aufwendige Festtagsfrisur.

Katharina Müller berichtet von großer Corona-Impfskepsis in Uganda

„Die Kleider, die sie tragen, sind sehr auffällig und bunt“, erzählt Möller.  Kinder bekommen manchmal kein Geschenk direkt an Weihnachten, sondern bereits vorher ein Kleid oder eine schöne Hose, die sie zum Fest tragen dürfen. Es gibt eine Tradition, dass Männer ihren Schwiegermüttern aus Respekt Geschenke zukommen lassen an Weihnachten. Dies ist kein Schmuck oder Parfum, wie es hierzulande oft verschenkt wird, sondern es sind Dinge des täglichen Bedarfs wie Bananen oder ein Huhn. 

Das Essen spielt – und hier gibt es eine sehr deutliche Parallele zu Deutschland – eine sehr große Rolle. Wenn es sonst nur Bohnen und Kartoffeln gibt, so wird am ersten Weihnachtsfeiertag Fleisch aufgetischt, meistens Rind. 

In diesem Jahr wurde das christliche Hochfest trotz Corona gefeiert, weiß sie, wenn auch meist mit Maske. Gottesdienste dürfen wieder stattfinden. Doch das Land befindet sich im Teil-Lockdown. Zwar seien die Zahlen nicht dramatisch – vielleicht, weil die Menschen ein junges Durchschnittsalter haben und viel draußen stattfindet, vielleicht aber auch, weil Infektionen durch geringe Testkapazitäten unentdeckt bleiben. 

Der Verein Emikwano

Der Verein Emikwano – Freundschaft mit Uganda mit Sitz in Dipperz besteht seit November 2017 und hat 69 Mitglieder. Kinder und Jugendliche in dem ostafrikanischen Land werden durch Schul-Patenschaften unterstützt. Das Ziel: Bildung soll eine Chance auf eine bessere Zukunft ermöglichen. 

Vereinsvorsitzende ist Katharina Möller, die aus Dipperz stammt und 2010 einen Freiwilligendienst in Uganda absolviert hat. Spendenkonto: Raiffeisenbank Biebergrund-Petersberg eG, IBAN: DE68 5306 2350 0000 8442 68, BIC: GENODEF1PBG,
SEPA-Gläubiger-ID: DE79EMI00002086569

Möller berichtet von einer großen Impfskepsis. Nur elf Prozent der Bevölkerung hat eine Erstimpfung, 2,7 Prozent sind vollständig geimpft, beim Boostern liegt die Quote bei null Prozent. Es kursierten in den Sozialen Medien „schreckliche Falschmeldungen“, dass Menschen, die sich impfen lassen, sterben, sagt die Vereinsvorsitzende. 

Hier benötige es noch viel Aufklärungsarbeit. „Bildung ist ein Schlüssel, damit sich vor allem Kinder und Jugendliche ein differenziertes Bild über Nachrichten machen können. Damit sie eigenständig leben und entscheiden können“, ist die 31-Jährige überzeugt. 

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Dabei bekommen sie Hilfe von dem Verein Emikwano. Durch die Pandemie waren die Schulen im Jahr 2021 nur zwei Monate lang geöffnet. „Wir haben dann für Kinder und Jugendliche verschiedene Projekte etabliert, zum Beispiel Hühnerfarmen aufgebaut, und Praktika bei Friseuren, Näherinnen und Kfz-Mechanikern organisiert, damit die jungen Menschen eine Aufgabe haben, und sie nicht die Perspektive verlieren.“ 

Im Januar öffnen die Schulen wieder. Katharina Möller möchte dann in das Land reisen – auch, um vor Ort mit ihren Kooperationspartnern über die Arbeit des Vereins zu sprechen und die Abläufe zu verbessern. Ob die Reise stattfinden kann, ist noch unklar: „Das kommt auf Omikron an“, sagt Möller. Die Coronavirus-Variante ist in dem ostafrikanischen Land bereits angekommen. 

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