Auch für Fuldas Einzelhandel ist das Weihnachtsgeschäft sehr wichtig. Eine Öffnung an Adventssonntagen wäre wichtig, sagen die Kammern.
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Auch für Fuldas Einzelhandel ist das Weihnachtsgeschäft sehr wichtig. Eine Öffnung an Adventssonntagen wäre wichtig, sagen die Kammern.

„Weihnachtsgeschäft lebenswichtig“

Hilfe in der Corona-Krise: Handel in Hessen fordert verkaufsoffene Adventssonntage

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die Corona-Pandemie droht den hessischen Einzelhändlern das Weihnachtsgeschäft zu verhageln. Daher fordert der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) die Öffnung von Läden auch am Sonntag. Der Handelsverband und die FDP unterstützen den Vorstoß.

Fulda/Frankfurt - „Das Weihnachtsgeschäft ist für viele Händler lebenswichtig. Verkaufsoffene Sonntage können helfen, die Kundenströme besser zu verteilen und die Umsätze zu stabilisieren“, sagt HIHK-Geschäftsführer Robert Lippmann. Im HIHK sind Hessens Industrie- und Handelskammern, darunter die IHKFulda, Mitglied.

Derzeit darf der Einzelhandel von Montag bis Samstag regulär öffnen, doch die geringe Kauflaune und die Schließung des Gastgewerbes, von Dienstleistern und Freizeiteinrichtungen belaste das Geschäft. Zudem sorge die Beschränkung auf einen Kunden pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche für weniger Geld in den Kassen.

Weihnachtsgeschäft: Die Öffnung des Einzelhandels an Adventssonntagen auch in Fulda wichtig

„Um einen ausreichenden Umsatz zu erwirtschaften, brauchen die Händler mehr Zeit. Diese Zeit sollten wir ihnen mit freiwilligen Sonntagsöffnungen geben. Infektionsschutz und Stützung der Wirtschaft sind kein Widerspruch“, sagt Lippmann.

Hessens Innenstädte und der Handel standen bereits vor Corona unter Druck. Im diesjährigen Weihnachtsgeschäft dürfte der Online-Handel weiter zunehmen. „Die Zukunft der Innenstädte entscheidet sich jetzt. Wir alle wollen und brauchen lebendige Innenstädte mit einem gesunden Einzelhandel. Deshalb sollten wir im Kleinen wie im Großen alles möglich machen, um die bestehenden Strukturen zu stabilisieren. Die vorübergehende anlassfreie Sonntagsöffnung an zwei nicht aufeinanderfolgenden Wochenenden ist hierfür ein wichtiger Baustein. So könnte die Landesregierung den Handel und die Innenstädte pragmatisch unterstützen“, sagt Lippmann.

Mit Blick auf die rechtlichen Hindernisse für eine Sonntagsöffnung fügt Lippmann hinzu: „Es ist der Gesetzgeber, der den Rahmen setzt. Mit einer entsprechenden Corona-Verordnung bestehen die notwendigen Gestaltungsmöglichkeiten.“ Die Sonntagsöffnungen sollten jedoch nicht auf die Innenstädte und Stadtteilzentren begrenzt sein, sondern auch für Geschäfte in dezentralen Lagen gelten. So würden die Kunden besser verteilt und mehr Händler unterstützt.

Fuldas Einzelhandel hofft

„Ein zusätzlicher Verkaufstag in der Adventszeit ist eine gute Idee. Vielleicht kann er etwas vom Weihnachtsgeschäft retten. Denn derzeit ist die Frequenz in der Innenstadt gar nicht gut“, sagt Reginald Bukel, Vorsitzender des City Marketing Fulda.

„Wir sind derzeit in einem Zwiespalt: Die Innenstadt soll aus Gründen des Infektionsschutzes nicht zu voll sein. Aber für den Handel darf sie auch nicht leer sein“, sagt Bukel. „Ein Verkaufssonntag im Advent wäre sicher kein verkaufsoffener Sonntag wie früher mit vielen Aktionen, aber er wäre doch ein Anreiz gerade für Familien, für die Weihnachtseinkäufe in die Stadt zu kommen.“

Ob sich die Sonntagsöffnungen in den Wochen vor Weihnachten für jedes Geschäft rechneten, könne niemand garantieren. „Aber es ist eine Idee, die man ausprobieren sollte.“

Der Handelsverband Hessen sieht in den Sonntagsöffnung auch einen Beitrag zum Gesundheitsschutz. „Um die Kundenfrequenz in den Innenstädten gerade in den Herbst- und Wintermonaten zu entzerren, sollte dem Handel die Möglichkeit gegeben werden, auch sonntags zu öffnen“, sagt Verbandspräsident Jochen Ruths. Mit Blick auf das Infektionsgeschehen und die Entwicklung in der kalten Jahreszeit sollte nicht der allgemeine Sonntagsschutz des Hessischen Ladenöffnungsgesetzes in Frage gestellt werden, vielmehr müsse die Entzerrung des Weihnachtsgeschäftes im stationären Einzelhandel im Fokus stehen.

Verkaufsoffene Adventssonntage sollen Weihnachtsgeschäft retten

Die FDP unterstützt die Forderung, die Geschäfte in der Adventszeit an Sonntagen zu öffnen. Dr. Stefan Naas, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, sagt: „Der Handel befindet sich durch Corona in einer existenzbedrohenden Krise. Aus dem Grund haben wir als Freie Demokraten schon im Sommer angeregt, die entsprechenden Voraussetzungen für eine Sonntagsöffnung in der Adventszeit zu schaffen. Die Landespolitik muss jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit das wichtige Weihnachtsgeschäft nicht ins Wasser fällt.“

Naas ergänzt: „Das hessische Ladenöffnungsgesetz schließt verkaufsoffene Adventssonntage aus. Wir brauchen aber eine Debatte darüber, wie wir den stationären Einzelhandel unterstützen können, damit die Innenstädte eine Zukunft haben. Dazu brauchen wir eine Gesetzesänderung. In der aktuellen Notsituation halten wir es für angebracht, dass die Landesregierung zumindest prüft, ob die Öffnung an zwei Sonntagen im Rahmen der Corona-Verordnung ermöglicht werden kann.“ Hessen solle dem Weg Nordrhein-Westfalens folgen* und die Sonntagsöffnung auch an Adventssonntagen* begrenzt erlauben*, wünscht die FDP. (Lesen Sie hier: Weihnachtsmarkt-Absage in Fulda - Entscheidung verschärft „dramatische Lage“ des Einzelhandels). *ruhr24.de und *wa.de sind Teile des Ippen-Digital-Netzwerkes

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