Die Friedrichstraße wird bald für den Verkehr gesperrt – allerdings nur während des Weihnachtsmarktes.
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Die Friedrichstraße wird bald für den Verkehr gesperrt – allerdings nur während des Weihnachtsmarktes.

Zankapfel der Stadtpolitik

Während des Weihnachtsmarktes: Fuldaer Friedrichstraße wird zur autofreien Zone

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Für manche Fuldaer geht im kommenden Monat – wenn auch nur vorübergehend – ein langgehegter Traum in Erfüllung: Die Friedrichstraße wird einen Monat lang während des Weihnachtsmarktes für den Verkehr gesperrt. Die Grünen frohlocken.

Fulda - Glühweinhütten, Tannenbäume und flanierende Fußgänger in adventlicher Stimmung – aber keinerlei Autos. Dieses Bild wird die Friedrichstraße in Fulda im kommenden Monat prägen. Der Grund: Der Weihnachtsmarkt, der in normalen Zeiten am Uniplatz, im Museumshof, am Buttermarkt und auf dem Platz vor der Stadtpfarrkirche stattfindet, soll sich diesmal ausdehnen, um mehr Raum zwischen den einzelnen Buden gewinnen und so die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus minimieren zu können. Der Markt startet am 26. November.

Erstmals wird deshalb die Friedrichstraße mit einbezogen, in die sich zum einen der Winterwald ausbreitet und in deren oberem Teil zum anderen ein „Hüttenzauber“ geschaffen werden soll. Die Veranstalter hoffen auf ein „neues und attraktives Entreé aus Richtung Dom kommend“. Der Autoverkehr wird dafür komplett ausgesperrt.

Fulda: Weihnachtsmarkt - Friedrichstraße wird zur autofreien Zone

Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen nimmt das mit Wohlwollen zur Kenntnis und frohlockt bereits: „Wir begrüßen diesen Entschluss. Das kommt unserem Anliegen nach einer Aussperrung des Verkehrs nach und ist die Chance, auch Skeptiker zu überzeugen“, sagte Ernst Sporer während der aktuellen Stunde in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung.

Damit brachte der Grünen-Stadtverordnete ein altbekanntes Thema aufs Tapet: Schon seit vielen Jahren ist die Friedrichstraße Zankapfel in der Stadtpolitik. Grüne, aber auch SPD wünschen sich eine Fußgängerzone, weil dies ihrer Meinung nach die Attraktivität dieses Innenstadtbereichs steigert und umliegende Läden und Gastronomiebetriebe profitieren können. „Bisher hieß es immer, dass eine Sperrung der Friedrichstraße nicht möglich ist. Jetzt sehen wir, dass es gar keine großen Probleme gibt“, befand Sporer. (Lesen Sie hier: Highlight neben dem Weihnachtsmarkt - Regiomarkt soll am Buttermarkt stattfinden)

Ganz richtig ist das allerdings nicht: Herausforderungen muss die Stadt sehr wohl bewältigen, wie Bürgermeister Dag Wehner (CDU) in der Sitzung erklärte. So muss sichergestellt werden, dass der Anlieferverkehr gewährleistet wird und das Hotel Platzhirsch weiterhin verkehrlich angebunden bleibt. Das soll über die Mittelstraße geschehen, die während des Weihnachtsmarktes im oberen Teil in beide Richtungen befahren werden kann. Das Parken wird hier untersagt. Die Bauarbeiten, die seit Juli in der Mittelstraße ausgeführt werden, sollen bis dahin rechtzeitig beendet sein.

Video: Fuldaer Weihnachtsmarkt startet am 26. November

Wehner wies außerdem darauf hin, dass die Sperrung der Friedrichstraße nichts Neues ist. So sei sie bereits während des Stadtfestes vor zwei Jahren zur Fußgängerzone geworden, ebenso wie zu bestimmten Zeiten in der Weihnachtsmarktzeit – aus Sorge, dass betrunkene Winterwald-Besucher unbedacht auf die Straße laufen könnten.

Auch wenn das City-Marketing demnächst anliegende Gastronomen und Ladeninhaber nach ihren Erfahrungen in der autofreien Zeit befragen will, scheint es unwahrscheinlich, dass der Verkehr in der Friedrichstraße auf Dauer zum Erliegen gebracht wird. Das bestätigt Stefan Wehner, Inhaber von „Campo“ und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Friedrichstraße, gegenüber unserer Zeitung. Er erinnert an ein Votum vor einigen Jahren, an dem 60 Vertreter aus Hotellerie, Gastronomie und Handel sowohl aus der Friedrichstraße als auch aus Mittel-, Robert-Kircher- und Karlstraße teilgenommen hatten. Eine deutliche Mehrheit habe sich damals gegen die Aussperrung des Verkehrs ausgesprochen.

Die Weihnachtszeit sei eine Ausnahme, in der man „akzeptieren“ könne, dass der Verkehr „das Nachsehen“ hat, sagt Stefan Wehner und fügt hinzu: „Wir freuen uns natürlich, dass wir uns im Zentrum des Weihnachtsmarktes befinden und die Straße barockes Einfallstor zu der Veranstaltung wird.“ Eine Einrichtung auf Dauer werde das aber nicht.

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