Thomas Bobke war am Samstag einer der ersten Helfer am Weinberg und packte tatkräftig mit an.
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Von der Rebe in den Eimer und in die Box: Thomas Bobke war am Samstag einer der ersten Helfer am Weinberg und packte tatkräftig mit an.

600 bis 700 Flaschen erwartet

Bilanz nach Weinlese am Frauenberg - Wie geht es mit dem Weinhistorischen Konvent weiter?

  • Norman Zellmer
    VonNorman Zellmer
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Rund 15 Mitglieder des Weinhistorischen Konvents haben sich am Wochenende am Weinberg des Frauenbergs in Fulda zur diesjährigen Weinlese getroffen.

Fulda - Routiniert greift Thomas Bobke mit einer Hand die Traube, mit der anderen setzt er die Gartenschere am Ansatz der Traube an und schneidet sie ab. Die Weintraube wirft er anschließend in einen Eimer vor sich und greift zur nächsten Traube am Weinstock. Ist der Eimer voll, trägt er oder ein Kollege ihn zu einem Sammelplatz. Die diesjährige Weinlese des Weinhistorischen Konvents am Frauenberg in Fulda hat am Samstag stattgefunden.

Rund 15 Helfer des Vereins sind am Morgen auf das Vereinsgelände unterhalb des Klosters Frauenberg gekommen, um Wein zu lesen. Neben Mitglied Thomas Bobke, der zum ersten Mal dabei ist, hat sich bei herbstlicher Witterung Michael Rutkowski eingefunden, der schon mehrfach half. „Das muss einfach sein“, urteilt der Fuldaer. Für ihn gehöre die Lese einfach dazu. Der Konvent bewirtschaftet seit 1991 den Weinberg.

Fulda: Bilanz nach Weinlese - Zukunft des Weinhistorischen Konvents offen

Bevor es aber so richtig losgehen kann, werden die Netze abgenommen, die die mehr als 600 Rebstöcke vor hungrigen Vögeln schützen sollten. Zudem werden Sammelkisten aufgestellt, die sich nach und nach füllen, während sich der Hochnebel lichtet und Sonnenschein die Erntehelfer durch den Vormittag begleitet. „Das ist einfach schön“, sagt Bobke und verweist auf die frische Luft und die Geselligkeit.

Denn neben der Arbeit steht die Gemeinschaft im Konvent im Vordergrund: Geerntet wird nämlich in der Gruppe; da bleibt natürlich Zeit fürs Plaudern. „Man unterhält sich über Gott und die Welt“, erklärt Vereinskollege Rutkowski. Er hatte vor zehn Jahren die Vereinsmitgliedschaft von seiner inzwischen verstorbenen Frau geschenkt bekommen. „Das ist geblieben“, sagt er vielsagend.

Zukunft

Wie es mit dem Weinhistorischen Konvent weitergeht, ist offen. Der Verein streitet sich mit dem Eigentümer der Weinbergfläche um deren Nutzung; der Pachtvertrag war 2018 gekündigt worden. Der Fall liegt weiter beim Oberlandesgericht, wie Kapitelältester Ralf Liebau sagte. „Es ist eine schwierige Situation.“ Man habe den Eigentümer über die diesjährige Weinlese informiert; Veranstaltungen fänden weiterhin nicht am Weinberg statt. 

Nach rund drei Stunden ist das Tagwerk am Hang geschafft: 50 Kisten sind gefüllt mit Trauben der Sorten Riesling, Spät- und Grauburgunder sowie Müller-Thurgau. Nach einer Brotzeit werden sie in einen Transporter geladen, den zwei Helfer nach Lorch im Rheingau fahren, wo ein Winzer die Trauben dann keltern wird. (Lesen Sie hier: Mais-Ernte fällt bescheiden aus - Landwirte im Kreis Fulda nennen Gründe)

Ehemaliger Kellermeister Heribert Burkert: „Es wird ein ausgesprochen trockener Wein“

Der Vorsitzende des Vereins, Kapitelältester Ralf Liebau, zieht nach der Lese ein positives Fazit: „Wir sind ganz zufrieden.“ Der Ertrag sei vergleichbar mit 2020; vielleicht sei es etwas weniger. Ähnlich äußert sich der ehemalige Kellermeister des Konvents, Heribert Burkert, nachdem er das Mostgewicht bestimmt hatte. Es gilt als ein Indikator für die Qualität des Weins. Die Frauenberger Reben des Jahrgang 2021 erreichen bei seiner Messung knapp 63 Grad Oechsle. „Es wird ein ausgesprochen trockener Wein“, sagt Burkert.

Vereinschef Liebau erwartet, dass 600 bis 700 Flaschen gekeltert werden. Sie werden jedoch nicht verkauft, sondern ausschließlich unter den sogenannten Rebpaten des Konvents verteilt und bei Veranstaltungen verkostet.

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