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Es muss mehr regnen: Forst und Landwirtschaft leiden unter der Trockenheit

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Erst einige Zentimeter tief findet man feuchte Erde – die Oberflächen sind viel zu trocken und können neuen Regen nur schwer aufnehmen.
Erst einige Zentimeter tief findet man feuchte Erde – die Oberflächen sind viel zu trocken und können neuen Regen nur schwer aufnehmen. © Jasmin Herzberg

Obwohl es in den letzten Tagen ab und an geregnet hat und auch für die nächsten Tage vereinzelt Schauer angesagt sind, ist es noch immer zu wenig für Forst und Landwirtschaft, heißt es etwa aus dem Forstamt Fulda.

Fulda - Der Sommer steht vor der Tür. Wir Menschen freuen uns auf heiße Tage, die wir im Freibad, am See oder im Garten verbringen können. Für Forst und Landwirtschaft stellen die Hitze und der wenige Regen jedoch ein ernstes Problem dar. Der Regen der vergangenen Tage reicht noch nicht annähernd aus, damit Pflanzen und Grünflächen ausreichenden Wasservorrat im Boden finden.

„Viele denken, es ist der Hochsommer, der für die Bäume am gefährlichsten ist, dabei ist es oft ein trockener Frühling, der am schlimmsten ist“, so David Nöllenheidt, Leiter des Forstamts Fulda. Der trockene Frühling und der fehlende Niederschlag in letzter Zeit mache sich bemerkbar. „Wir brauchen länger anhaltende Regenphasen“, sagt Nöllenheidt. Nur dann könne die Vitalität des Waldes verbessert werden und die Bäumen seien besser für einen heißen Sommer gewappnet.

Fulda: Zu wenig Regen - Forst und Landwirtschaft leiden unter Trockenheit

Bereits seit 2018 ist die Lage in den Wäldern angespannt. Die vier sehr trockenen Sommer haben dem Ökosystem Wald sehr zugesetzt. „Wir in Fulda sind zum Glück noch glimpflich mit vergleichsweise wenigen Schäden davongekommen“, berichtet Nöllenheidt weiter. Aber jeder Sommer, der dazukomme, verschlimmere die Lage des Forsts. Als Ursache für die missliche Lage des Waldes sieht Nöllenheidt eindeutig den Klimawandel. Die damit einhergehenden Wetterextreme wie starke Stürme und lange Trockenphasen machten es den Bäumen nicht leicht, sich zu erholen.

„Bäume sind langlebig. Daher ist es für sie unmöglich, sich kurzfristig an die Klimaveränderungen der letzten Jahre anzupassen“, erklärt Nöllenheidt. „Es braucht daher die Menschen, die dem Wald helfen. Wir müssen als Gemeinschaft das Problem erkennen und etwas dagegen unternehmen“, betont er. (Lesen Sie hier: Neue Bäume braucht der Wald - Biologe über Möglichkeiten, auf Schäden zu reagieren)

Das Forstamt arbeite schon seit mehreren Jahrzehnten daran, den Wald zu stärken. „Unser Ziel ist ein gut strukturierter Mischwald, der in seiner Gesamtheit klimaresistenter ist“, sagt Amtsleiter Nöllenheidt. Jeder Einzelne könne dem Wald helfen, indem er zum Beispiel das Waldbrandrisiko gering hält. Das bedeutet: Nicht im Wald rauchen, kein Glas zurücklassen und nur auf ausgewiesenen Plätzen grillen. Auch gemeinsame Pflanzaktionen und Aufforstungen seien ein Schritt in Richtung gesunder Wald.

Doch nicht nur der Forst ist von der Trockenheit betroffen, auch die Landwirtschaft leidet. „2018 traf uns unerwartet. Da haben wir gemerkt, dass wir auf so eine Situation nicht vorbereitet waren“, berichtet Karsten Fischer. Er führt zusammen mit seiner Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in Neuhof.

Wetterextreme durch Klimawandel machen Wald zu schaffen

Fischer hat aus dem Dürrejahr 2018 gelernt und plant seitdem vorausschauend. Ähnlich wie im Forst lautet auch seine Lösung: möglichst viel Verschiedenes säen. Fischer hat auf seinen Feldern Mais, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Durch diese Vielfalt könne er sagen: „Irgendetwas bringt immer Ertrag“. Dadurch, dass alles zu unterschiedlichen Zeiten geerntet werde, habe man eine breit aufgestellte Fruchtfolge. „Wir nutzen das Potenzial des Bodens gut. Die Zwischenfrucht macht den Boden fruchtbarer. Das ist gut für die Umwelt und gut für unsere Landwirtschaft“, sagt Fischer.

Wetter-Aussichten für Hessen

In Hessen kann es ab dem Nachmittag einzelne Schauer und kurze Gewitter geben. Dabei sind auch Windböen mit Geschwindigkeiten von etwa 60 Stundenkilometern möglich, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstagmorgen in Offenbach mitteilte. Lokal eng begrenzt kann es auch Starkregen geben. Die Tageshöchstwerte liegen bei 20 bis 23 Grad, in den Hochlagen bei etwa 19 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch lässt der Regen zunächst nach. Die Tiefsttemperaturen liegen bei 13 bis 9 Grad. Am Mittwoch gibt es zunächst nur örtlich Schauer. Ab dem Mittag zieht dann von Westen her schauerartiger Regen auf, der sich im Osten ausbreitet. Am Abend sind vereinzelte Gewitter nicht ausgeschlossen. Die Temperaturmaxima liegen bei 20 bis 23 Grad, in Hochlagen bei etwa 18 Grad. (dpa)

Dennoch: Ohne Regen helfe alles Kalkulieren nicht. „Mein Wunsch wären noch 300 Liter diese Saison. Für einen guten Ertrag allein an Frischmasse vom Grünland können wir uns aber auch mit 70 bis 80 Litern schon glücklich schätzen“, sagt Fischer. Dieses Jahr habe die Eiche vor der Esche geblüht. Ein gutes Zeichen, denn eine alte Bauernregel besage: „Blüht die Eiche vor der Esche, gibt’s im Jahr die große Wäsche“, so Fischer.

Das Getreide brauche den Regen am meisten, denn ohne den Niederschlag füllten sich die Ähren nicht und es gebe kein Mehl. In einem zu heißen und trockenen Jahr könne Getreide bis zu 40 Prozent Verlust haben. „Mais hingegen ist hitzebeständiger. Der kann unheimlich gut damit umgehen und bringt eigentlich immer Ertrag“, erzählt Fischer.

Video: Hoffen auf Regen: Trockenheit wird für Landwirte zum Problem

„Der frühe Vogel fängt den Wurm” – nach diesem Motto lebt Familie Fischer, wenn es um ihre Aussaat und das Grünland geht. „Man muss auf Zack sein. Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt zum Düngen an – nicht zu früh und nicht zu spät. Der Boden muss mit Hilfe von ausreichend Nässe den Dünger gut aufnehmen können”, erklärt Karstens Frau Manuela. „Die Düngung muss sitzen, das ist das A und O“, ergänzt ihr Mann. (Lesen Sie auch: Düngerpreise verfünffacht: Landwirte warnen - „Kann zu extremer Hungersnot führen“)

„Unsere Äcker bereiten wir jedes Jahr gut vor. Wir entfernen das Unkraut frühzeitig, damit es kein Wasser zieht. Außerdem überprüfen wir unsere Pflanzen regelmäßig auf ihre Gesundheit. Nur eine gesunde Pflanze kann ordentlich Fotosynthese betreiben und gut wachsen“, berichtet Manuela Fischer.

„Das Grünland hingegen kann man nicht komplett beeinflussen. Es wird jedoch im Frühjahr gestriegelt, das bedeutet, es wird einmal mit einer Art großem Kamm geglättet, damit Moos und Maulwurfshügel entfernt werden. Zusätzlich wird jedes Frühjahr nachgesät“, fügt Karsten hinzu. Die Lösung für Familie Fischer gegen die Trockenheit ist es demnach, gut vorbereitet zu sein. Nur so könne man auch in schwierigen Zeiten Ertrag erzielen. (von Jasmin Herzberg)

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