Während junge Menschen in Sachen Ausbildung die Qual der Wahl haben, ist die Suche nach Azubis für Unternehmen in Fulda so schwer wie nie.
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Während junge Menschen in Sachen Ausbildung die Qual der Wahl haben, ist die Suche nach Azubis für Unternehmen in Fulda so schwer wie nie.

Bilanz Ausbildungsmarktzahlen

Pandemie verschärft Situation: Suche nach Azubis für Fuldas Unternehmen so schwer wie nie

  • Suria Reiche
    VonSuria Reiche
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Es fehlt an Bewerbern für Ausbildungsplätze. Das wurde am Donnerstag bei der Pressekonferenz der Arbeitsagentur zur Bilanz des Ausbildungsmarktes erneut deutlich. Die Pandemie stellt Unternehmen vor Herausforderungen – für junge Menschen ist die Situation hingegen von Vorteil.

Fulda - Die Corona-Pandemie hat viele Bereiche des Arbeitslebens negativ beeinflusst. Kurzarbeit, Lockdowns und mangelnde Planbarkeit sind nur einige Stichpunkte. Ein Gebiet, auf das die Pandemie aber keine negativen Effekte für Arbeitnehmer hatte, ist der Ausbildungsmarkt. Hier sind noch viele Stellen frei – es gibt sogar noch mehr Stellen als potenzielle Bewerber. Freie Ausbildungsstellen gibt es zum Beispiel im Einzelhandel oder im Hotelfach. (Lesen Sie hier: Fuldas Unternehmen werben stark für die Ausbildung)

Gleichzeitig wurde aber ein Rückgang der Ausbildungsplätze beobachtet, hieß es am Donnerstag auf dem Azubikampus Pings in Fulda. Während es im Jahr 2019 noch fast 3000 gemeldete Ausbildungsstellen gab, waren es 2021 nur 2072 Stellen. Das sei nach wie vor ein hoher Wert, sagte Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda.

Fulda: Zu wenige Auszubildende - Betriebe ringen um Nachwuchs

Doch demgegenüber stehen nur 1063 gemeldete Bewerber – also nur etwa halb so viele. Die Situation für junge Menschen in Osthessen hat sich faktisch also während der Pandemie noch mal verbessert. Zuvor gab es zwar auch mehr Ausbildungsplätze als Bewerber – die Kluft dazwischen war aber nicht ganz so groß. Aber warum ist das so?

Gründe dafür könnten zum Beispiel demografisch bedingt sein. Tatsächlich sei es nämlich so, dass es im vergangenen Jahr etwa neun bis zehn Prozent weniger Schulentlassungen gegeben hat, sagt Dombrowski. Zudem gebe es Hinweise, dass ein nennenswerter Teil der jungen Menschen, der prinzipiell für einen Ausbildungsplatz in Frage kommt, angesichts der unübersichtlichen und unsicheren Lage länger zur Schule geht.

Dieser „Verbleib-im-Nest-Effekt“ sei menschlich nachvollziehbar und in Krisenzeiten nicht unüblich, sagte Dombrowski. Dass es in diesem Jahr nur so wenige unversorgte Bewerber gibt, sahen die Netzwerkpartner bei der Ausbildungskonferenz aber alles andere als positiv, denn: „Was uns heute an Auszubildenden fehlt, fehlt uns später an Fachkräften“, machte Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, deutlich. Sie appellierte an die anderen Teilnehmer: „Wir müssen nach vorne schauen!“ Das habe man auch in der Agentur für Arbeit gemerkt, sagte Ottokar Schwerd, Teamleiter in der Berufsberatung.

Video: Bundesarbeitsminister Heil warnt vor „Corona-Jahrgang“ in Ausbildung

Man stehe hier vor ganz neuen digitalen Herausforderungen als in Zeiten vor der Pandemie. „Zum Beispiel haben wir seit der Einführung im Oktober 2020 rund 550 Beratungen per Video abgehalten.“ Das sei nötig gewesen, denn viele junge Menschen hätten nach der Schule unzählige Fragen im Kopf. Und weil diese aufgrund von Hygienemaßnahmen nicht vor Ort beantwortet werden konnten, musste die Berufsorientierung digital vonstattengehen. (Lesen Sie hier: Corona-Pandemie kann guter Ausbildungssituation im Kreis Fulda nichts anhaben)

Auch Informationsveranstaltungen für Eltern oder die Bildungsmesse musste digital stattfinden. Letztere kann im nächsten Jahr wieder in Präsenz stattfinden. Und die vielen Anmeldungen von Betrieben, die es schon jetzt gibt, machten deutlich: Für Unternehmen war die Corona-Pandemie und der damit einhergehende Mangel an Auszubildenden eine Herausforderung.

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