Das Tunnelbau-Team - hier noch vor einigen Wochen guter Dinge - bangt um die Einreiseerlaubnis in die USA (von links): Adrian Fleck, Heiko Otterbein, Alexander Gröber, Jonathan Helbig, Martin Will und Daniel Klassen.
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Das Tunnelbau-Team - hier noch vor einigen Wochen guter Dinge - bangt um die Einreiseerlaubnis in die USA (von links): Adrian Fleck, Heiko Otterbein, Alexander Gröber, Jonathan Helbig, Martin Will und Daniel Klassen.

Merkel ist letzte Hoffnung

Wettbewerb von Elon Musk: Tunnelbau-Team kämpft um Einreiseerlaubnis für die USA

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Ihr großer Traum hängt am seidenen Faden: Mit der von ihnen entwickelten Maschine haben es sechs Duale Studenten unter anderem aus Fulda ins Finale von Elon Musks Tunnelbau-Wettbewerb in Las Vegas geschafft. Doch jetzt dürfen sie vielleicht nicht einreisen.

Update vom 12. August, 20.14 Uhr: Das Tunnelbau-Team aus Fulda kämpft um die Einreise in die USA. Aus diesem Grund stattete Michael Brand den Studenten einen Besuch ab. „Solche Typen brauchen wir!“, sagte der CDU-Politiker in der Montagehalle des Unternehmens FFT im Fuldaer Industriepark West und fügte an, dass er begeistert von den „Ideen, Ehrgeiz und Können der sechs Technik-Studenten“ sei.

Während sich die zwei Tonnen schwere Maschine „Dirt Torpedo“ per Luftfracht auf den Weg in die USA machen kann, stehen die Studenten aus Fulda selbst jedoch vor dem Problem, dass sie wegen der Corona-Pandemie kein Visum für die Einreise in die USA erhalten. „Ein Dreiviertel Jahr Arbeit und Grips stecken in dem Projekt, die sehr restriktiven Einreisebestimmungen der USA machen das Finale jetzt zu einer sehr schwierigen Mission – trotzdem versuchen wir alles, damit sich der Dirt Torpedo durch die Mojave-Wüste bohren kann“, so Brand, der nach einem Hinweis Kontakt zu den entsprechenden US-Behörden und dem Kanzleramt aufgenommen hat.

„Das Fuldaer Team soll der ganzen Welt zeigen, was es mit viel Grips und Leidenschaft entwickelt hat. Großen Respekt dem Team und auch dem Unternehmen, das den Tüftlern dieses innovative Projekt ermöglicht.“

Für Tunnelbau-Wettbewerb von Elon Musk: Team kämpft um Einreise in USA

Erstmeldung vom 12. August, 6.44 Uhr:

Fulda - „Unsere Stimmung ist ziemlich im Keller. Wir stehen vielleicht vor dem Aus, ohne dass wir etwas dafür können. Wir fühlen uns vollkommen hilflos“, sagt Adrian Fleck (22) aus Fulda, Sprecher der sechs Studenten, die sich auf den Weg gemacht hatten, mit einer vollkommen neu entwickelten Maschine den Wettbewerb unter den weltweit findigsten Tüftlern zu gewinnen. Ob sie dabei überhaupt antreten können, ist jetzt offen.

Ihr Ziel war und ist es, im Finale des Wettbewerbs um die schnellste und präziseste Tunnelbohr-Maschine, der im September in Las Vegas stattfinden wird, auf dem Treppchen zu stehen. Unter ursprünglich 390 Teilnehmern hatten sie es mit nur einer weiteren deutschen Gruppe unter die besten Zwölf geschafft.

Fulda: Wettbewerb von Elon Musk - Tunnelbau-Team kämpft um Einreise in USA

Bei allen technischen Hürden, vor die sie die Entwicklung des „Dirt Torpedo“ stellte, fanden sie eine Lösung: Ihre Maschine bewegt sich wie ein Regenwurm, navigiert unterirdisch mit Laser und kleidet den Tunnel schon beim Bohren mit Beton aus. Aber jetzt sind sie machtlos: Die US-Behörden haben ihnen die Einreise verweigert.

Das entspricht seit Monaten der generellen Haltung der USA. Besucher aus Europa dürfen derzeit nur dann nach Amerika einreisen, wenn ihre Arbeit in den USA systemrelevant ist. Nach Überzeugung der Einreisebehörden sind die Ideen der Tunnel-Tüftler aus Europa nicht relevant.

Adrian Fleck sieht das anders: „Bei der Suche nach den Tunnelbau-Maschinen von morgen geht es um die Mobilität von übermorgen. Musk will einen Teil des Verkehrs in Zukunft in Tunnel verlagern, wenn diese schnell und wirtschaftlich gebaut werden können. Das ist für die US-Wirtschaft eine wichtige Frage.“

Dass niemand Geringeres als der Tesla-Chef Elon Musk hinter dem Wettbewerb „Not-a-boring-Competition“ steht, beeindruckte die Mitarbeiter der US-Behörden offenbar nicht. „Es sieht nicht gut aus. Wir wissen nicht, woran wir sind“, sagt Adrian Fleck. Seit einem Dreivierteljahr arbeiten die sechs jungen Männer fast rund um die Uhr an ihrer Innovation.

Spätestens am nächsten Dienstag müssten sie ihre Maschine per Flugzeug in die Wüste von Nevada verladen. Deshalb brauchen sie bis spätestens nächsten Montag klare Signale. „Wir werden unseren Torpedo nicht auf gut Glück auf die Reise schicken, sondern nur dann, wenn wir wissen, dass auch wir einreisen können“, sagt Fleck. Die jungen Männer müssten spätestens am 2. September einreisen. Dass das klappt, dafür hat das Team bisher kein grünes Licht.

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Die Gruppen aus München und Zürich, die ebenfalls im Finale stehen, versuchen, die Einreise in die USA auf dem Umweg über Mexiko zu schaffen. Ob ihnen das gelingt, ist noch offen. Trotz der Verweigerung der Einreise geben die sechs Studenten nicht auf: „Wir haben jetzt den Fuldaer Bundestagsabgeordneten Michael Brand und die Bundeskanzlerin eingeschaltet. Wir hoffen, dass sie noch etwas bewegen kann“, sagt Adrian Fleck. (Lesen Sie hier: Hochschule Fulda veranstaltet Gesundheitsrallye für Jugendliche)

Zugleich bereiten sich die Studenten aber auch auf das vor, was sie den „Worst Case“ nennen: ihre Nicht-Teilnahme. Für diesen Fall hat ihnen Elon Musk zugesagt, dass sie im Finale 2022 antreten dürfen. Sie überlegen auch, jetzt im September – parallel zur Konkurrenz in Las Vegas – in Deutschland einen Wettbewerbs-Tunnel zu graben.

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