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Aus für Windelhersteller Intigena: Standort Eichenzell schließt Ende März

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Von: Volker Nies

Fulda: Windelhersteller Intigena schließt Standort in Eichenzell
Im Intigena-Werk im Industriepark Rhön bei Eichenzell-Welkers gehen in zehn Wochen die Lichter endgültig aus. © Volker Nies

Eine der größten Produktionsstätten für Windeln in Deutschland schließt: Intigena in Eichenzell stellt Ende März die Arbeit ein. 150 Angestellte verlieren ihren Job. Die Unternehmensleitung hüllt sich gegenüber der Presse in Schweigen.

Eichenzell - „Das ist eine schlechte Nachricht für Eichenzell und eine sehr bittere Nachricht für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt der Eichenzeller Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU).

„Nach Darstellung der Unternehmensleitung ist der Wegfall eines Großauftrags von Aldi der Grund für die Schließung“, berichtet die für Intigena zuständige Gewerkschaftssekretärin Ellen Sandrock-Becker. Die Kündigungen der Beschäftigten seien im Dezember und Anfang Januar erfolgt. „Das Aus für das Werk ist besonders bitter, weil viele Mitarbeiter bereits seit 20 oder 30 Jahren an dem Standort gearbeitet haben“, sagt die Verdi-Sekretärin.

Fulda: Windelhersteller Intigena schließt Standort in Eichenzell

Das Unternehmen äußerte sich gegenüber unserer Zeitung nicht. Die Geschäftsführung in Eichenzell verwies auf die Firmenzentrale in Mühlheim in Nordrhein-Westfalen. Dort blieben jedoch die per Telefon und E-Mail gestellten Anfragen unserer Zeitung unbeantwortet. Mühlheim an der Ruhr ist auch Sitz der Mahnke-Gruppe. Die Familie Mahnke ist Eigentümerin des Intigena-Werks.

Doch auch ohne die Bestätigung durch die Firmenleitung darf die Schließung als sicher gelten: Gegenüber der Gemeinde Eichenzell hat Intigena die Schließung bestätigt, mit der Gewerkschaft Verdi hat die Firma einen Sozialplan für die von der Schließung betroffenen Mitarbeitende ausgehandelt. (Lesen Sie auch: Sorge um Galeria in Fulda: Konzern kündigt Tarifvertrag und bittet Staat um Hilfen)

Intigena belieferte Handelsketten, Drogerien und Discounter mit Hygieneartikeln in den Bereichen Babywindeln und Pants sowie Damenhygiene und Inkontinenz. Vor zwei Jahren verlor Intigena einen großen Auftrag der Drogeriekette Rossmann. Als Reaktion baute das Unternehmen 20 Stellen ab, berichten Mitarbeitende.

Eine feste Größe

Fast 40 Jahre war das Windelwerk eine feste Größe im Industriepark Rhön bei Eichenzell-Welkers. Das französische Unternehmen Celatose hatte hier Mitte der 1980er Jahre eine große Produktionsstätte für Deutschland aufgebaut.

Nach der Insolvenz von Celatose im Jahr 1993 übernahm die Mühlheimer Mahnke-Gruppe aus Mühlheim an der Ruhr über ihre Intigena AG in der Schweiz das Eichenzeller Werk. Die Produktionsstätte firmierte erst unter dem Namen Hyga und dann ab 2014 unter dem Namen Intigena.

Das Werk war bundesweit einer der großen Hersteller von Windeln für Handelsmarken. Seine Produkte wurden nicht unter dem Namen „Intigena“ oder „Hyga“ verkauft, sondern unter dem Namen der Eigenmarken von Drogerieketten und Discounter. Große Kunden waren Rossmann und Aldi. Für die Marke Hipp produziert Intigena auch Windeln im hochpreisigen Segment.

Danach hatte Intigena schon wieder Expansionspläne – und zwar gewaltige: Auf einer zuvor von dem Unternehmen Epoke erworbenen Freifläche neben den Produktionshallen wollte die Firma ein 30 Meter hohes, automatisiertes Hochregallager bauen. Um den Bau eines solch hohen Gebäudes zu ermöglichen, musste die Gemeinde den Bebauungsplan Ende 2020 eigens ändern. Das Lager sollte über eine Brücke über die Straße „Am Kreuzacker“ an die Produktion angeschlossen werden.

Integena gelang es zudem, einen Großauftrag für Hipp-Windeln zu erhalten. Damit war Intigena der Einstieg in den Markt der hochpreisigen Windeln gelungen. Bis dahin hatte sich das Werk eher auf kostengünstige Produkte eingestellt. Generell gilt der Windelmarkt in Deutschland als sehr umkämpft.

Fulda: Windelhersteller Intigena schließt Standort in Eichenzell
Die Hipp-Windeln werden bei Intigena in Eichenzell hergestellt. Das wird im März enden. © Volker Nies

Doch dann musste das Unternehmen im Herbst vergangenen Jahres für die Geschäftsleitung wohl völlig überraschend einen Tiefschlag einstecken: Es gelang ihr nicht, den bestehenden Auftrag mit Aldi zu verlängern. Aus Sicht der Unternehmensleitung war das ohne den Aldi-Auftrag verbleibende Auftragsvolumen zu gering, um die Produktionsstätte in Eichenzell zu erhalten. Ende September kündigte die Geschäftsleitung an, sie werde das Werk Ende des Jahres 2022 schließen. Verdi gelang es nur noch, die Schließung auf Ende März zu verschieben.

Ab 1. April können die Mitarbeitende in eine Transfergesellschaft wechseln, die ihnen helfen soll, wieder rasch einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden. Das ist Teil des Sozialplans, den der Betriebsrat mit der Geschäftsführung ausgehandelt hat.

Windelhersteller in Eichenzell schließt - 150 Angestellte betroffen

„Ich hoffe, dass die Beschäftigten schnell wieder unterkommen. Ich bin da optimistisch, denn es gab bereits mehrere Anfragen von Unternehmen aus der Region, die gern Mitarbeiter von Intigena übernehmen wollen“, erklärt Bürgermeister Rothmund. (Lesen Sie auch: Seniorenwohnzentrum soll schließen: 107 Bewohner brauchen ein neues Zuhause)

Die Mahnke-Gruppe ist nicht nur Eigentümer der Produktionsgesellschaft Intigena, sondern auch von Grund und Boden. Wenn die Fragen rund um die Betriebsschließung geklärt sind, will Rothmund mit dem Eigentümer das Gespräch über die zukünftige Nutzung des Geländes suchen. „Die Intigena-Geschäftsführung in Eichenzell hat uns versichert, dass sie über alle Fragen der Nachnutzung der Hallen in Absprache mit der Gemeinde entscheiden will“, berichtet der Bürgermeister.

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