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Windräder im Gieseler Forst? Hessen-Forst sucht Investoren für Flächen am Finkenberg

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Von: Volker Nies

Windkraftanlagen (wie auf diesem Foto im Creußener Ortsteil Neuhof bei Bayreuth)  könnte sich Hessen-Forst auch im Kreis Fulda vorstellen. Dafür fehlen allerdings Investoren. (Symbolfoto)
Windkraftanlagen (wie auf diesem Foto im Creußener Ortsteil Neuhof bei Bayreuth) könnte sich Hessen-Forst auch im Kreis Fulda vorstellen. Dafür fehlen allerdings Investoren. (Symbolfoto) © Daniel Karmann/dpa

Hessen-Forst will die Windkraftnutzung im Kreis vorantreiben. Der Landesbetrieb hat für seine Flächen am Finkenberg Investoren gesucht. Bevor die ersten Bagger rollen, müssen die Investoren aber noch mehrere Hindernisse überwinden. 

Kreis Fulda - Eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion an das Umweltministerium brachte es ans Licht: Hessen-Forst hat Investoren für die Vorrangfläche „Fulda_50“ gesucht, die sich im Bereich von Kleinlüder und Oberbimbach und zu einem kleinen Teil in Malkes befindet. Das Interessenbekundungsverfahren ist abgeschlossen, der Zuschlag an einen Anbieter stehe bevor, erklärt Hessen-Forst-Sprecherin Michelle Sundermann unserer Zeitung.

Die Fläche am Finkenberg ist derzeit die einzige Fläche in Hessen, für die Hessen-Forst Investoren sucht. Der Landesbetrieb berichtet, dass er nach und nach Flächen in Vorranggebieten anbieten will. Dort lässt der Regionalplan das Aufstellen von Windrädern zu.

Jetzt geht es um die Vorrangfläche „Fulda_50 Steinerne Platte/Schnepfenwald“. Sie ist 247 Hektar groß. Fuldas Landrat Bernd Woide (CDU) wundert die Investorensuche von Hessen-Forst nicht: „Es war immer klar, dass das Land Hessen zur Erreichung der Ziele im Bereich erneuerbare Energien auch Waldflächen von Hessen-Forst im Landkreis Fulda zur Verfügung stellen wird.“ (Lesen Sie hier: Revierförster vor Rätsel: Randalierer fällen 25-Meter-Baum an der Ebersburg)

Fulda: Windräder im Gieseler Forst? Hessen-Forst sucht Investoren

Der Regionalplan gibt die Fläche im Grundsatz für Windräder frei, aber er nennt Einschränkungen. Das betont Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD). Das größte Hindernis könnte weiter das Funkfeuer der Deutschen Flugsicherung zwischen Großenlüder und Lütterz sein, erklärt der Bürgermeister. „Der nach den Richtlinien für Flugsicherung einzuhaltende Abstandsradius um die Flugnavigationsanlage beträgt grundsätzlich 15 Kilometer. Von daher könnten im Gemeindegebiet keine Windkraftanlagen errichtet werden. Hierzu bedarf es einer aktuellen rechtlichen Bewertung.“

Offen sei, wie die Flugsicherung mit dem Drehfunkfeuer in Großenlüder umgehen werde. Sie hatte angekündigt, bis 2030 alle An- und Abflugverfahren an den deutschen Flughäfen auf Satellitennavigation umzustellen. Damit könnten Funkfeuer am Boden ausgemustert werden.

Die Gemeindevertretung hatte die Windkraftfläche am Finkenberg im April 2015 bei der Aufstellung des Regionalplans abgelehnt. Sie nannte drei Gründe aus den Bereichen Vogel- und Denkmalschutz. Der Landschaftsrahmenplan Nordhessen 2000 weist große Teile des Finkenberges als „Avifaunistischen Schwerpunktraum“ aus und nennt die „Lüder“ zwischen Blankenau und Lüdermünd ein „lokal bedeutsames Brut- und Rastgebiet“.

„Ausbau der Windkraft ein zentrales Element“ zum Erreichen der Klimaziele

Die Gemeinde verweist auch auf die Untere Bodendenkmalpflege des Landkreises Fulda. Diese zählt den Finkenberg „zu den bedeutendsten Bestattungsplätzen Osthessens während der Bronze- und Eisenzeit“. Am Nordhang des Finkenberges, besonders im Umfeld des Naturdenkmals „Küppelacker“, sind Hügelgräber und Urnenflachgräber nachgewiesen. Der Denkmalschutz nennt zudem die Schnepfenkapelle ein kulturhistorisches Denkmal.

Fritzsch sagt, sobald Hessen-Forst seine Vergabe öffentlich mache, müsse eine Informationsveranstaltung für die Bürger stattfinden. Inhaltlich ist Fritzsch hin- und hergerissen: „Zum Erreichen der energiepolitischen Ziele des Landes Hessens ist der Ausbau der Windkraft ein zentrales Element.“

Klar sei aber auch: „Der Bau von Windenergieanlagen in der Gemeinde Großenlüder darf nur im Einklang mit dem Naturschutz ermöglicht werden. Zur möglichen Umsetzung von Windenergievorhaben in Großenlüder braucht es umfassende Transparenz, eine frühzeitige und kontinuierliche Beteiligung der Menschen in der Gemeinde und Möglichkeiten der finanziellen Teilhabe an dem Projekt.“

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Teil des Vorranggebiets ist auch eine sehr kleine Fläche, die zum Fuldaer Stadtteil Malkes gehört. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) sieht das konkrete Projekt kritisch: „Grundsätzlich ist ein Ausbau der Windkraft an geeigneten Standorten in Deutschland sinnvoll und notwendig. Dies gilt angesichts der Notwendigkeit einer nachhaltigen Klimawende, und es gilt gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in der Ukraine auch mit Blick auf die stärkere Unabhängigkeit unseres Landes von Importen fossiler Energieträger.“

Der sehr kleine Streifen auf Malkeser Gemarkung komme als Standort für eine Windkraftanlage aber nicht infrage. Alle Bürger aus Malkes oder Oberrode hätten die Möglichkeit, sich in einem möglichen Genehmigungsverfahren einzubringen.

Warum Naturschützer das Vorhaben kritisch sehen, lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Fuldaer Zeitung und der Hünfelder Zeitung vom 10. März sowie im digitalen E-Paper.

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