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Der Wau-Wau und ein Pas de Deux: Winter-Varieté lädt in Orangerie zu „Traumreise“ ein

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Scheinbar in der mongolischen Steppe vollführt das Duo Ayasgalan waghalsige Hebefiguren.
Scheinbar in der mongolischen Steppe vollführt das Duo Ayasgalan waghalsige Hebefiguren. © Hanswerner Kruse

Zwischen den Jahren verwandelt sich die Orangerie Fulda in ein Varieté. Artistinnen und Artisten nehmen darin ihr Publikum mit auf eine intensive und abwechslungsreiche „Traumreise“ rund um den Globus.

Fulda - Die Tour in der Orangerie Fulda beginnt auf einem Bahnhof, dessen Bild auf die Bühne projiziert wird. Eine Frau mit zahlreichen Koffern muss wohl auf ihren – natürlich verspäteten – Zug warten und vertreibt sich die Zeit mit Kunststücken: Rücklings auf einem Koffer liegend, balanciert sie mehr und mehr Gepäckstücke mit ihren Füßen. Später jongliert sie noch einen Mann vom Bahnsteig, der sich als Schaufensterfigur entpuppt.

Fulda: Winter-Varieté lädt in der Orangerie zur „Traumreise“ ein

Auf der nun beginnenden Weltreise entführt uns der erste Halt in die mongolische Steppe, in der zwei tänzerische Akrobatinnen, das Duo Ayasgalan, waghalsige Hebefiguren vollführen. Wie in allen Sequenzen wird das Publikum durch Musik, Videoclips und Fotos auf die Herkunftsländer der Künstler und Künstlerinnen eingestimmt: Ein riesiges Lichtbild bildet dann jeweils die Kulisse.

Die enorme Bandbreite des Programms reicht von poetischen Darbietungen über kühne Akrobatik und Jonglage bis hin zu musikalischem Klamauk: Sasha aus Frankreich kreiert durch wilde Drehungen mit einem überlebensgroßen Reifen, seinem Cyr Wheel, hochästhetische Figuren. Im Bilderrahmen eines imaginären Museums zeigt das Duo La Vision akrobatische Pas de Deux, befreit sich mit gewagten Bewegungen aus seinem Tableau und kehrt schließlich ins Reich der Bilder zurück.

Die Ukrainerin Katia Larina berührt das Publikum mit akrobatischen Versuchen, den Himmel zu erturnen.
Die Ukrainerin Katia Larina berührt das Publikum mit akrobatischen Versuchen, den Himmel zu erturnen. © Hanswerner Kruse

Es werden viele Glanznummern auf Rollschuhen, gelegentlich mit Jonglagen angereichert, präsentiert, etwa von den ungarischen Twirlin Girls. Die zierliche ukrainische Artistin Katia Larina berührt das Publikum mit ihren akrobatischen Versuchen, den Himmel zu erturnen.

Der rothaarige Gaukler Christof Engels, ganz im grasartigen grünen Anzug, hat sogar drei Auftritte. Zunächst kommt er mit einer kleinen laufenden Kettensäge als Wau-Wau, mit der er sogleich jongliert. Dann verwandelt er einen Zollstock als Hund zum Gassigehen. Jemand muss seine Jacke halten. Ein anderer Zuschauer darf trommeln, ein weiterer bei einem Stichwort Beifall klatschen. Ein Otto hilft ihm aufs Hochrad. Mit einem riesigen Gebläse erzeugt der Spaßmacher einen Fesselballon... Bei jedem Gig tobt er heftiger im Saal herum und verwickelt schließlich das gesamte Auditorium in seine schrulligen Aktionen.

Akrobatik-Show in Orangerie Fulda von zwei Gruppen musikalisch begleitet

Zwei Musikgruppen agieren zwischen theatralischen Possen und kunstvollem Spiel. Besonders die spanische Gitarrengruppe Trio Ole bedient sich clownesk und hemmungslos an Klängen aus aller Welt: Flamenco, Rock’n’Roll, arabische Folklore. Dabei bleibt einem Spieler mal die Hand im Instrument stecken, ein anderer knutscht seine Gitarre zum einstigen Skandallied „Je t’aime“.

Die vom Publikum frenetisch gefeierte Show ist ein multikulturelles Gesamtkunstwerk, bei dem die aktuellen Streitereien über kulturelle Aneignung und Exotismus einfach nur lächerlich wirken. Wie 2019 hat Künstler und Organisator Dirk Denzer sein globales Ensemble, in der auch einige Debütanten mitwirken, erneut exklusiv für Fulda zusammengestellt.

Dirk Denzers Winter-Varieté ist bis zum 30. Dezember täglich um 19.30 Uhr in der Orangerie Fulda zu erleben. Es gibt noch Restkarten, insbesondere für Zusatzveranstaltung am Mittwoch. (von Hanswerner Kruse)

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