Im Prozess um den mutmaßlichen Mord in Fulda-Neuenberg wurden weitere Zeugen befragt. (Symbolfoto)
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Im Prozess um den mutmaßlichen Mord in Fulda-Neuenberg wurden weitere Zeugen befragt. (Symbolfoto)

Mordprozess in Fulda

Bluttat in Neuenberg: Frau des Opfers glaubt nicht an Affäre - „Mein Mann war treu“

  • Suria Reiche
    VonSuria Reiche
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Hat der 41-jährige Angeklagte im Februar seinen „Konkurrenten“ in dessen Auto in Fulda-Neuenberg aus niedrigen Beweggründen erschossen? Oder hat er im Affekt gehandelt? Um das zu klären, wurden weitere Zeugen befragt.

Fulda - Acht Polizeibeamte, eine Apothekerin, ein Taxi-Fahrer und der Schwager des Angeklagten waren am Montagvormittag im Landgericht Fulda geladen. Sie sollten ein Stück weit Licht ins Dunkel bringen, denn zumindest einige der Polizeibeamten waren unmittelbar nach der Bluttat in Neuenberg vor Ort. So auch der erste Kriminalhauptkommissar, der aussagte, um circa 5.20 Uhr zu Hause angerufen worden zu sein. Daraufhin sei er sofort zum Tatort gefahren.

Hier habe er einen schon abgesicherten Bereich vorgefunden, in dem ein Auto gestanden habe, das mit einer grünen Plane abgedeckt worden sei. Außerdem eine große Anzahl von Fußabdrücken in der weißen Schneedecke, die jedoch wohl auch von Polizei, Feuerwehr und vor allem Angehörigen stammten. Die Spurensicherung war also alles andere als einfach, sagte ein weiterer geladener Beamter. Zudem sei es dunkel gewesen und aufgrund der frühen Uhrzeit habe es nur sehr wenige Zeugen gegeben.

Fulda: Zeugenaussagen im Mordprozess - Frau des Opfers glaubt nicht an Affäre

Auch die Ehefrau des Getöteten habe nichts gesehen, wohl aber etwas gehört. Nämlich einen lauten Knall. So ähnlich wie ein Luftballon, der platzt. Das hatte sie in ihrer Vernehmung angegeben, von der einer der Beamten berichtete. Nach dem Knall gegen 4.20 Uhr habe sie Schritte im Schnee gehört. Als sie dann aus dem Wohnzimmer-Fenster geschaut habe, habe sie gesehen, dass das Auto ihres Mannes noch vor dem Haus stand, obwohl er eigentlich schon zur Arbeit losgefahren sein musste. Der Motor und auch die Scheinwerfer seien eingeschaltet gewesen.

In ihrer Vernehmung hatte sie laut der Zeugenaussage des Beamten gesagt, dass sie deswegen mehrmals versucht habe, ihren Mann auf dem Handy zu erreichen und dann nach draußen zu seinem Auto gerannt sei, wo sie ihn blutüberströmt und leblos aufgefunden habe. Der Angeklagte hatte an einem vergangenen Verhandlungstag gestanden, dass er es gewesen sei, der ihren Mann durch die geschlossene Fahrertür erschossen habe. Drei Schüsse habe er abgegeben, einer war tödlich.

Mordprozess in Fulda: Polizisten berichten von Vernehmung am Tattag

Auch warum er das getan hat, ist inzwischen bekannt. Er sei sich dank einer von ihm in der Küche angebrachten Video-Kamera sicher: Der Mann, der einst sein Freund war und mit dem er vor dem Krieg aus Syrien geflüchtet war, habe seine Frau bedrängt und ihr seine Liebe gestanden. „Als ich die Videoaufnahme sah, zerbrach etwas in mir“, so der Angeklagte bei seinem Geständnis im Oktober.

Der Polizeibeamte, der die Ehefrau am Tattag unmittelbar nach der Tötung vernommen hatte, sagte aus, die Ehefrau des Getöteten streite die Affäre ihres Mannes mit der Frau des Angeklagten ab: „Mein Mann war treu“, soll sie bei der Vernehmung gesagt haben. Der Angeklagte war sich aber sicher, dass es die Affäre gegeben hat. Mit dieser Annahme sei er in den Klosterwiesenweg in Neuenberg gekommen.

Zeugenaussagen eines weiteren Kommissars veranschaulichten anschließend den Fluchtweg, den er nach den drei Schüssen genommen haben müsse, um letztendlich über einen langen Umweg wieder zu seinem Wagen zu kommen, den er an einem öffentlichen Parkplatz geparkt habe. Auf dem Weg dorthin verlor sein Handy das eine oder andere Mal das GPS-Signal – das könne laut Erkennungsdienst an Unterführungen gelegen haben oder daran, dass das Handy zwischenzeitlich ausgeschaltet worden sei.

Der Prozess wird am Donnerstag, 11. November, fortgesetzt.

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