1. Fuldaer Zeitung
  2. Fulda

Weiter Zoff um VR-Bank-Schließung: Bürgermeister will „bis zum 31. Dezember kämpfen“

Erstellt:

Von: Jessica Vey

Die Gemeinde Ehrenberg will sich weiter gegen die Schließung der VR-Bank in Wüstensachsen wehren, auch wenn der Kampf immer aussichtsloser erscheint. Laut Bürgermeister zeigt der Bank-Vorstand keine Kompromissbereitschaft.

Ehrenberg - Zum Jahresende will die VR Bank Fulda aus wirtschaftlichen Gründen ihre Filiale in Wüstensachsen komplett dicht machen. Ehrenberg wäre nach eigener Recherche die erste Kommune in Hessen ohne Bankfiliale und ohne Geldautomat. „Die Gemeinde erhält somit ein neues ungewolltes Alleinstellungsmerkmal“, äußert Bürgermeister Peter Kirchner (parteiunabhängig) in einer Erklärung.

Diese hat er am Dienstag in der Sitzung der Gemeindevertretung verlesen. Alle Gemeindevertreter stimmten dafür, dass der Rathauschef den Brief öffentlich macht. Kirchner will das Papier an alle Kreistagsfraktionen, an die hiesigen Landtagsabgeordneten sowie an IHK und Kreishandwerkerschaft verschicken. „Ich will bis zum 31. Dezember kämpfen“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

Fulda: Weiter Zoff um VR-Bank-Schließung - Hilferuf an Politik

Im Brief heißt es: „Wir fordern die Kreis- und Landespolitik auf, das allseits als wichtig erachtete Thema ‚Stärkung des ländlichen Raums‘ in die Tat umzusetzen.“ Dabei sei der vorliegende Fall in Ehrenberg „vielleicht nur der Beginn eines Dammbruchs“, warnt Kirchner davor, dass in weiteren ländlichen Kommunen nach und nach Dienstleistungen der Banken wegbrechen könnten.

Seit die geplante Schließung vor knapp zwei Monaten bekannt geworden ist, gab es einen vielfältigen Protest, der in einer Demonstration mit gut 300 Menschen auf dem Fuldaer Uniplatz gipfelte. In unmittelbarer Nähe des VR-Bank-Hauptsitzes wurde die Filiale in einem echten Sarg symbolisch zu Grabe getragen. „Wir haben ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt“, wertet Bürgermeister Kirchner die Demo als Erfolg.

Fulda: Bei der Demonstration gegen die Schließung der VR Bank in Ehrenberg und Steinau wurde symbolisch ein Sarg über den Uniplatz getragen.
Bei der Demonstration gegen die Schließung der VR Bank in Ehrenberg und Steinau wurde symbolisch ein Sarg über den Uniplatz getragen. © Jonas Wenzel

Doch die folgenden Gespräche mit dem Bank-Vorstand sollten schnell für Ernüchterung sorgen. „Vieles zu den Hintergründen blieb unklar. Es wurden keine nachvollziehbaren Zahlen aufgeführt“, berichtet Kirchner von dem zweistündigen Treffen, an dem eine Delegation aus Ehrenberg teilgenommen hat.

Bürgermeister Kirchner: „Ich will bis zum 31. Dezember kämpfen“

Die Gemeinde habe Kompromissvorschläge unterbreitet: Man könne einen SB-Pavillon aufstellen, um zumindest das Angebot eines Geldautomaten aufrechtzuerhalten, oder einen Automaten im Supermarkt oder in der Tankstelle aufstellen. „Doch alles wurde sehr schnell und sehr deutlich abgeblockt“, berichtet der Bürgermeister. Es sei deutlich geworden, dass die Bank „den Standort Ehrenberg nicht weiter subventionieren will. Sie sehen keine Zukunftsperspektive in der Kommune“.

Auch auf den Vorschlag, den SB-Bereich mit Geldautomat zumindest noch fünf Jahre in Wüstensachsen zu belassen, sei nicht eingegangen worden. „Damit hätte man zumindest die Möglichkeit, sich darauf einzustellen. Wir könnten zusammen mit dem Verein Miteinander-Füreinander Infoangebote machen, um die Älteren im Umgang mit bargeldlosem Bezahlen und mit Home-Banking zu schulen“, erklärt er.

Mit der sehr kurzfristigen Ankündigung der Schließung sei man völlig überrumpelt worden. „Wir fühlen uns als Kommune und als Kunden nicht richtig ernstgenommen“, kritisiert Kirchner, der ankündigt, dass die Gemeinde ihre Geschäftsbeziehungen mit der VR Bank einer kritischen Prüfung unterziehen werde. (Lesen Sie hier: Grüne und Volt kritisieren VR-Bank: Vorstand soll Schließung überdenken)

Schließung der Filiale in Ehrenberg: VR Bank Fulda zeigt keine Kompromissbereitschaft

Die einzige Idee vonseiten des Geldinstituts sei, dass die Gemeinde selbst eine Geldausgabe organisieren könne – über das Bürgerbüro im Rathaus. „Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Bank als Partner der Region versteht, mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung von 16 Millionen Euro und einer Bilanzsumme von über 2,2 Milliarden Euro ein unzulänglicher Vorschlag“, kommentiert Kirchner.

Er schließt seine Erklärung mit einem Appell: „Wir benötigen eine gelebte Unterstützung der Grundversorgung in unserem ländlichen Raum.“ Die Gemeindevertretung hoffe auf Unterstützung aus dem Kreistag – dort wollen Grüne und SPD einen Antrag zu dem Thema einreichen.

Auch interessant