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Fuldaer Ernährungswissenschaftlerin Hahn sieht Fasten durchaus kritisch

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Professor Dr. Sigrid Hahn, Professorin für Ernährungsberatung und -therapie an der Hochschule Fulda, erklärt im Interview, warum sie das Fasten kritisch sieht.

Wie bewerten Sie als Ernährungswissenschaftlerin striktes Fasten?

Die Menschen sind unterschiedlich. Generell sehe ich einen kompletten Verzicht auf feste Nahrung – wie ihn etwa das Heilfasten propagiert – kritisch. Ich rate vom kompletten Fasten für eine Woche oder länger ab. Es ist nicht gut für den Körper. Das Gehirn, die Nieren und die roten Blutkörperchen brauchen Glukose, also Zucker. Den erhalten sie beim vollständigen Fasten nicht. Deshalb rate ich, erst nach ärztlichem Rat am Heilfasten teilzunehmen. Komplettes Fasten hat zudem die Folge, dass der Körper seinen Grundumsatz reduziert. Wem es also ums Abnehmen geht: Die Gefahr des Jojo-Effektes nach dem Komplett-Fasten ist sehr groß.

Welche positiven Aspekte sehen Sie beim Fasten?

Am wichtigsten ist, dass viele die Fastenzeit zum Anlass nehmen, einmal über ihre Ernährungsgewohnheiten nachzudenken. Viele nutzen diese Zeit als Neustart-Knopf, um sich bewusster und hochwertiger zu ernähren. – nicht nur während der Fastenzeit, sondern dauerhaft. Wenn man etwa während der Fastenzeit durchgehalten hat, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich die geänderte Ernährungs- und Lebensgewohnheit in den Alltag übernimmt. Das ist ein sehr positiver Effekt.

Sehr populär ist das Intervallfasten. Welche Effekte hat dieses auf den Körper?

Das Intervallfasten gibt es im Wesentlichen in zwei Varianten: Entweder isst man am Tag für eine längere Zeit – etwa 16 Stunden – lang nichts und isst dann nur etwa von 10 bis 18 Uhr, oder man isst an zwei oder drei Tagen pro Woche gar nichts. Dass das Intervallfasten einer kontinuierlichen Kalorienrestriktion überlegen ist, das konnte nicht nachgewiesen werden. Aber das Intervallfasten ist gut, um das unbewusste Essen – hier mal eine Tüte Chips, dort mal ein Stück Schokolade – in den Griff zu kommen. Es kommt auch nicht jeder damit klar, eine so lange Zeit gar nichts zu essen.

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