Der Rosenmontagsumzug wird 2021 nicht in Fulda stattfinden.
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Der Rosenmontagsumzug wird 2021 nicht in Fulda stattfinden.

Keine fünfte Jahreszeit

Fuldaer Fastnacht wegen Corona-Pandemie komplett abgesagt - „Es schmerzt, ist aber absolut richtig“

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Es war zu erwarten: Die Fastnachtskampagne ist hierzulande abgesagt. Darauf haben sich die Fuldaer Karneval-Gesellschaft (FKG) und die 14 Rand- und Bundesstaaten gestern geeinigt.

Johannesberg - Fast eine Stunde lang haben die Fastnachter unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten – gegen 21 Uhr stand das Ergebnis dann fest: Es wird 2020/2021 keine Fastnachtskampagne geben. Diese Entscheidung ist historisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Rosenmontag nur einmal – während des Golfkriegs – abgesagt.

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Der größte Fuldaer Fastnachtsverein, die FKG, hat schon vor knapp zwei Wochen bekanntgegeben, ihre großen Veranstaltungen – den Rosenmontagsumzug in Fulda, die Fremdensitzungen und den Ball der Stadt Fulda – nicht stattfinden zu lassen. „Das können wir gar nicht anders entscheiden“, sagte Michael Hamperl, Präsident der FKG, damals auf Nachfrage unserer Zeitung.

Fuldaer Fastnacht wegen Corona-Pandemie komplett abgesagt

Dass er mit dieser Stoßrichtung vorgeprescht war, bevor das Gespräch mit den Rand- und Bundesstaaten stattgefunden hat, habe ihm gestern beim Randstaatenstammtisch, Kritik eingebracht, wie Hamperl sagt. „Es gab kritische Stimmen. Damit muss man leben. In der Sache herrscht aber große Einigkeit“, erklärte er. Einstimmig sei das Votum, die Kampagne abzusagen, ausgefallen.

Diskutiert wurde trotzdem – etwa die Frage, ob ein Kappenabend stattfinden soll oder nicht. „Ich habe dabei in die Runde gefragt, wer denn einen Kappenabend veranstalten möchte? Da hatte sich dann niemand mehr gemeldet“, sagte er. Solch eine Veranstaltung könne schnell aus dem Ruder laufen, gerade wenn es das einzige Fastnachtsangebot wäre.

Bundes- und Randstaaten sowie die FKG haben sich darauf geeinigt, dass die Fastnachtskampagne in Fulda wegen Corona ausfällt.

„Es gibt keine einzige Alternative“

Hans-Jürgen Dröge vom Romo-Ausschuss der FKG sagte: „Man kann so etwas nicht steuern. Wir haben im Vorfeld überlegt, ob wir statt des Umzugs nur Blaskapellen durch die Stadt laufen lassen, aber auch das wäre schwierig zu kontrollieren.“ Es gebe zu dieser Entscheidung „keine einzige Alternative“, erklärte Dröge.

Auch Dominik Hoffmann vom Harmerzer Carneval Club (HCC) habe damit gerechnet, dass die geplante Kampagne ins Wasser fallen wird. „Es ist schade, dass die Fastnacht ausfällt. Wir haben schon ein weinendes Herz.“ Es sei überlegt worden, ob eine abgespeckte Variante in Frage käme, womöglich eine Kampagne ohne Tollitäten. Aber auch diese Idee sei verworfen worden.

Neben den Vorständen der Rand- und Bundesstaaten und Vertretern der FKG beteiligte sich auch Stadtpfarrer Stefan Buß (vorne) an der Diskussion.

Keine Fastnachts-Veranstaltungen - außer Friedensgottesdienst

Keine Umzüge, keine Fremdensitzungen und keine Tanzabende – das ist die Konsequenz. Was jedoch stattfinden soll, ist der Friedensgottesdienst, zu dem die Fastnachter jedes Jahr in die Fuldaer Stadtpfarrkirche kommen. „Wir halten ja auch jetzt schon bei den Gottesdiensten die Abstände und Hygieneregeln ein“, sagte Stadtpfarrer Stefan Buß, der ebenfalls zu dem Stammtisch gekommen war.

In der Regel hält er beim Friedensgottesdienst seine Predigt in Reimform, ob das auch dieses Mal so sein wird, lässt er offen. „Man muss sehen, wie die Stimmung dann ist und ob das in dieser Zeit die richtige Form ist“, erklärte er. Die Entscheidung, die Kampagne abzusagen, hält er für richtig: „Es ist verantwortungsvoll. Außerdem wird man so im Moment auch keinen Spaß haben.“

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), der Schirmherr der Fuldaer Fastnacht ist, erklärte nach der Bekanntgabe in einer Pressenotiz: „Es ist eine Entscheidung, die schmerzt, aber absolut richtig ist.“ Als begeisterter Anhänger der Fuldaer Fastnacht leide er mit den Vereinen – von den Tanzgruppen, die nun keine Auftritte haben, bis hin zu den Büttenrednern, deren scharfzüngigen Kommentare zum lokalen und zum Weltgeschehen gerade in diesen Zeiten fehlen würden.

Eine gute Nachricht trotz der Absage: Fulda bekommt eine Fastnachts-Ausstellung. Verschiedene Exponate werden im Stadtschloss gezeigt

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