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Auf dem Fuldaer Wochenmarkt: Händler loben rücksichtsvolle Kundschaft

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Alles wie immer – und doch irgendwie anders: Die Stimmung auf dem Fuldaer Wochenmarkt am Samstag war bei Kunden und Händlern durchwachsen. Dabei unsichtbar und doch überall präsent: das Coronavirus.

Von unserem Redaktionsmitglied Marcus Lotz

„Wir sterben nicht aus. Wir machen weiter“, gibt sich Ulrike Bosold kämpferisch. Ihr Blumengeschäft in der Kanalstraße, direkt am Wochenmarkt, hat sie geschlossen, drei Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt. „Die Gesundheit meiner Angestellten ist das Wichtigste“, sagt sie. Um doch noch etwas verkaufen zu können, hat sie an diesem Vormittag vor ihrem Laden auf dem Fuldaer Wochenmarkt einen kleinen Stand aufgebaut.

Viel Kundschaft hat sie nicht – im Gegensatz zu den Lebensmittel-Händlern nebenan. „Es ist sehr ruhig“, bemerkt sie. Ihre Kunden seien dennoch sehr nett. „Ich merke schon, dass sie helfen wollen. Und es gibt auch nette Gesten. Einige haben angerufen und wollten wissen, wie es mir geht.“

Leute halten Abstand

Vor den Ständen der Lebensmittel-Händler herrscht derweil Betrieb, der fast normal anmuten würde, wären da nicht die unübersehbaren Lücken in den Schlangen und an den Tresen. Manch einer hat sich den Schal über die Nase gezogen oder trägt trotz milder Temperaturen Handschuhe. „Die Leute sind sehr rücksichtsvoll und halten Abstand“, bestätigt Marktsprecher Jürgen Kemmet von den Fuchshöfen.

„Unsere Kunden gehen bewusst mit der Situation um.“ Über zu wenig Kunden an seinem Käsestand kann sich Kemmet nicht beschweren: „Man merkt, dass daheim mehr gegessen wird.“ Trotzdem werde in handelsüblichen Mengen eingekauft. „Keine Käsehamster“, stellt Kemmet fest und lacht.

Nur Vorteile für Obst- und Gemüsehändler

Anders sieht es bei einem der Obst- und Gemüsehändler aus: „Wenn ich ehrlich bin, hat der Coronavirus für das Geschäft nur Vorteile“, erklärt der Mann. „Ich hatte heute Morgen um 9 Uhr schon keine Kohlrabi mehr. Das ist Wahnsinn.“

Ein verändertes Kaufverhalten beobachtet auch Eva-Maria Höhl von der Fleischerei Oestreich: „Die Leute kaufen eher Wurst, die sich länger hält. Aufschnitt, der nur ein paar Tage haltbar ist, wird dafür eher gemieden.“ Die Zahl der Kunden sei zwar vergleichbar mit anderen Markttagen, die Menschen seien jedoch spürbar vorsichtiger. „Manche kaufen mit Handschuhen und Mundschutz ein“, erzählt Höhl.

Kunden spüren, dass etwas anders ist

Auch die Kunden von Karin Horn von der Bäckerei Reichhardt kaufen anders ein als noch vor dem Coronavirus: „Die Leute halten Abstand. Heute Morgen haben sie richtig schön eine lange Schlange mit zwei Metern Abstand zueinander gebildet. Und sie kaufen etwas mehr. Der Kunde, der normalerweise ein halbes Brot kaufen würde, kauft jetzt eher ein ganzes.“

Nicht nur die Händler, auch die Kunden spüren, dass an diesem Samstag alles wie immer und doch irgendwie anders ist: „Es ist seltsam – kaum Leute da, und die, die man sieht, scheinen alle sehr skeptisch“, finden Kerstin und Arnd Braun.

„Sonst trifft man sich beim Einkaufen und redet miteinander, das ist seltener geworden“, erzählt Kerstin Braun. Die beiden Fuldaer können der Corona-Krise allerdings auch etwas Positives abgewinnen: „Wir kochen jetzt jede Woche selbst. Und hier kauft es sich immer noch angenehmer ein als im Supermarkt, wo sich alle dicht in den Gängen drängen“, sagt Arnd Braun.

Straßenmusiker spielt fröhliche Musik

Und noch etwas ist an diesem Samstag anders: Um kurz nach 11 Uhr riecht es auf dem Wochenmarkt plötzlich verbrannt. Wenig später stehen viele Händler in ihren Verkaufswagen im Dunkeln – der Strom ist ausgefallen. Viele Kassen, Waagen und Schneidegeräte geben den Geist auf.

Während einige Händler fieberhaft nach der Ursache des Problems suchen, stimmt ein Straßenmusiker ein fröhliches Lied auf der Gitarre an. Manch ein Händler verkauft seine Waren spontan nicht mehr abgewogen, sondern zum Pauschalpreis, andere verlegen kurzerhand Stromkabel in nahe Läden, wo der Strom noch läuft. „Wenn das nicht bald wieder geht, können wir einpacken“, klagt ein Fischverkäufer.

Dazu kommt es zum Glück nicht: Nach etwa 20 Minuten ist der Strom wieder da, der Gau abgewendet, das Problem bis zu seiner Lösung mit kreativen und spontanen Einfällen eingedämmt. Der Betrieb geht weiter. Ein gutes Vorbild für den richtigen Umgang mit dem Coronavirus?

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