Die Galeria-Kaufhof-Filiale in Fuldas Innenstadt schließt.
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Das Aus für die Galeria-Kaufhof-Filiale in Fuldas Innenstadt ist endgültig.

Eigentümer prüft künftige Nutzung

Büros, Hotel, Wohnungen oder Läden: So könnte die Zukunft des Galeria-Gebäudes in Fulda aussehen

  • Volker Nies
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Das Aus für Galeria Kaufhof in Fulda ist besiegelt: Zum 31. Oktober ist der Mietvertrag gekündigt. Der Warenhauskonzern lehnte Gespräche, das Haus über eine Mietreduzierung zu erhalten, ab. Wie das Gebäude künftig genutzt werden soll, prüft der Eigentümer nun. Wohnungen, Büros und ein Hotel sind im Gespräch.

  • Das Ende von Galeria Kaufhof in Fulda ist besiegelt.
  • Der Mietvertrag ist zum 31. Oktober gekündigt, wie Vermieter Kerber-Immobilien berichtet. Der Warenhauskonzern wollte nicht einmal mehr über eine Mietreduzierung sprechen.
  • Der Eigentümer des Gebäudes prüft nun die künftige Nutzung: Auch ein Neubau wäre möglich.

Update 11.13 Uhr: Wie könnte die Kaufhaus-Immobilie genutzt werden, wenn Galeria Kaufhof Ende Oktober auszieht? Der Eigentümer, Kerber-Immobilien, hat bereits begonnen, über eine zukünftige Nutzung des Gebäudes nachzudenken. Auch ein kompletter Neubau wird geprüft.

„Wir stehen mit unseren Überlegungen ganz am Anfang. Grundsätzlich haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können die Immobilie umbauen und revitalisieren – oder wir reißen ab und bauen etwas komplett Neues“, erklärt Jörg Lehrndorfer, Geschäftsführer des Eigentümers Kerber-Immobilien.

Aus für Galeria Kaufhof in Fulda ist besiegelt: Vermieter war bereit, Mietpreis zu senken

Die Antwort auf die Frage hänge auch davon ab, in welchem Zustand sich die Haustechnik befinde – etwa die Klima- und die Sprinkleranlage oder die Aufzüge. „Das werden wir erst nach dem 1. November wirklich prüfen können“, sagt der Geschäftsführer.

Mit den Überlegungen für eine Zukunft ohne den Mieter Galeria Kaufhof habe der Vermieter im März begonnen, als sich die Anzeichen verdichtet hätten, dass der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof den Standort in der Rabanusstraße aufgeben könnte. Bis März habe der Konzern Miete gezahlt; der Insolvenzverwalter zahle die Miete jetzt seit Juli.

Was passiert mit dem Galeria-Gebäude? Neubau ist Option

Lehrndorfer geht nicht davon aus, dass er einen Mieter findet, der die gesamte Immobilie mit knapp 10.000 Quadratmetern Fläche übernimmt. „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass es Warenhäuser noch schwerer haben als gedacht.“

Er persönlich nehme an, dass sich lediglich für das Erdgeschoss und maximal das erste Obergeschoss Mieter aus dem Handel finden lassen. Ob es dabei Lösungen für eine Etage gebe oder ob man Center für mehrere kleine Mieter plane, müsse man sehen. Das hänge entscheidend von der Nachfrage ab. „In den oberen Geschossen wären in Zukunft Büros, Wohnen oder auch ein Hotel denkbar.“

Bis Anfang September wolle Kerber-Immobilien entscheiden, in welche Richtungen weiter geplant werden solle. „Wir machen keine hektischen Dinge, sondern wir suchen eine langfristige Lösung, von der auch die Stadt und das Umfeld unseres Kaufhauses profitieren“, verspricht Lehrndorfer.

Kerber-Immobilien: Bedauern Auszug sehr

Erstmeldung vom 30. Juli: Fulda - „Wir bedauern den bevorstehenden Auszug von Galeria Kaufhof sehr. Wir haben viel unternommen, damit der Konzern bleiben kann – auch mit einer kräftigen Reduzierung der Miete bereits im vergangenen Jahr“, berichtet Jörg Lehrndorfer, Geschäftsführer des Vermieters Kerber-Immobilien, unserer Zeitung.

„Vollkommen überrascht hat uns die Kündigung nicht. Schon im Verlauf des vergangenen Jahres wollte Galeria Kaufhof aus dem Mietvertrag raus. Der Verweis auf die Einbußen durch die Corona-Pandemie in diesem Frühsommer war dann nur Mittel zum Zweck – dem Zweck, schnell aus der Immobilie zu kommen“, erläutert Jörg Lehrndorfer.

Seit 2004 steht Galeria Kaufhof an der Fassade

1958 hatte die Familie Kerber das Kaufhaus in der Rabanusstraße eröffnet. Anfang 1991 übernahm Kaufhof den Betrieb des Hauses (und der weiteren Kerber-Kaufhäuser in Gießen, Alsfeld und Lüneburg). Nach einem großen Umbau in den Jahren 2003 und 2004 wurde an der Fassade der Name Kerber durch Galeria Kaufhof ersetzt. Eigentümer des Gebäudes blieb die Kerber Immobiliengesellschaft.

An der Fassade weist Galeria Kaufhof in der Rabanusstraße auf die bevorstehende komplette Schließung des Kaufhauses hin.

Nach dem Umbau nach den Kaufhofplänen, bei dem Kerber 12,8 Millionen Euro investiert hatte, schloss Kaufhof 2004 einen Mietvertrag über 20 Jahre. „Im vergangenen Jahr kam Kaufhof dann auf uns zu und verlangte eine Reduzierung der Miete. Ansonsten werde der Konzern einen Weg finden, den Mietvertrag zu kündigen und den Standort aufzugeben“, berichtet Lehrndorfer.

In zwei Gesprächen hätten sich beide Seiten dann auf eine Reduzierung der Miete um 20 Prozent geeinigt. Bei diesem Nachlass, erklärte der Konzern, sei die Filiale wirtschaftlich zu führen.

Vermieter und Konzern einigten sich auf Mietnachlass von 27 Prozent

„Im dritten Gespräch im Herbst 2019 äußerte ein Vertreter des Konzerns dann, dass es nicht mehr um eine Reduzierung der Miete gehe, sondern um eine schnelle Beendigung des Mietvertrags“, erklärt Lehrndorfer. Im Laufe des Gesprächs habe man sich dann aber doch darauf geeinigt, dass Kerber die Miete um ein Fünftel senkt und Kaufhof den bestehenden Mietvertrag bis September 2024 einhält. In einem Telefongespräch Mitte Dezember hätten beide Seiten den Mietnachlass ab 1. Januar sogar auf 27 Prozent erhöht.

„Damit glaubten wir uns in Sicherheit. Denn ebenfalls im Dezember einigten sich Gewerkschaft und Konzern in Tarifverhandungen darauf, alle Standorte mindestens fünf Jahre zu erhalten“, sagt Lehrndorfer.

Nach Corona-Krise: Kaufhof wollte nicht weiter über Mietpreis verhandeln

Nach der Corona-Krise und der Wiedereröffnung der Filialen habe sich Kerber-Immobilien bei Kaufhof gemeldet. „Wir bekamen die Antwort, dass der Nachlass von 27 Prozent nicht reichen werde. Wir haben daraufhin erklärt, wir seien bereit, weitere Nachlässe zu gewähren. Auf unser Verhandlungsangebot bekamen wir aber keine Antwort. Offenbar hatte Kaufhof Angst, wir würden weiter nachgeben und der Konzern verliere seinen Vorwand, um den Standort zu schließen.“ Kerber sei deshalb zu weiteren Zugeständnissen bereit gewesen, um die Arbeitsplätze zu retten, aber auch, um Zeit zu gewinnen, um eigene Pläne für das Haus zu entwickeln.

In zwölf anderen Kaufhaus-Standorten, die geschlossen werden sollten, entschied sich der Konzern für eine Weiterführung, nachdem die Vermieter die Miete stark reduziert hatten. In Fulda gelang das nicht.

Zur Frage, ob Galeria Kaufhof Karstadt schon 2019 versucht habe, den Mietvertrag zu kündigen, und das Unternehmen im Frühjahr und Sommer 2020 nicht einmal versucht habe, das Kaufhaus in der Rabanusstraße durch eine Mietsenkung zu retten, äußerte sich der Konzern gegenüber unserer Zeitung nicht.

Lesen Sie hier: Galeria Kaufhof schließt sechs Filialen weniger - dennoch Aus für Fulda. Und: Standortgarantie für Galeria Kaufhof und Karstadt in Fulda wackelt offenbar. Außerdem: Kaufhof-Mitarbeiter demonstrieren gegen Schließung.

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