Fotos: privat

Nur ganz wenige Frauen befinden sich in Osthessen in Aufsichtsräten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Fulda - In den Chefetagen der Firmen sind Frauen bis heute eine Minderheit – auch in Osthessen. In einigen Aufsichtsräten wächst der Frauenanteil – aber nur in den bundesweit gut 100 großen Unternehmen, in denen die 2016 eingeführte Frauenquote von 30 Prozent gilt. In Aufsichtsräten in der Region muss man Frauen suchen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Von außen sehen die Aufsichtsräte osthessischer Unternehmen aus wie Führungszirkel im Vatikan: fast nur Männer. Mit dem Unterschied, dass der Vatikan diese Herrschaft in Kirchengesetzen festschreibt, während die maskuline Dominanz in Unternehmen ein ungeschriebenes Gesetz zu sein scheint.

Große Unternehmen halten die Quote von 30 Prozent ein. Aber viel weiter gestiegen ist der Frauenanteil nicht. Würde sie für kleinere Firmen in Osthessen gelten, würde sie in nur zwei Unternehmen eingehalten – der VR Bank Fulda, die seit der Fusion auch im Kinzigtal präsent ist, und der Sparkasse Oberhessen, die auch für den Vogelsberg zuständig ist.

Den Blickwinkel erweitern

Nun sind die Aufsichtsräte von Konzernen und kleineren Banken nicht in allen Punkten vergleichbar. Regionale Banken zahlen nur bescheidene Aufwandspauschalen; und bei kommunalen Unternehmen gibt es „geborene Mitglieder“: etwa den Landrat und den OB bei der Sparkasse Fulda und der RhönEnergie. Diese Plätze sind besetzt, noch ehe die kommunalen Parlamente die übrigen Vertreter wählen. Bei den Raiffeisenbanken hingegen sind die Vertreterversammlungen frei, wen sie in den Aufsichtsrat wählen. Und dabei sind selten Frauen dabei.

Sollte man als Konsequenz deshalb auch in kleinen Unternehmen eine Frauenquote für Aufsichtsräte einführen? „Positionen müssen über Qualifikationen belegt werden, nicht über ein Geschlecht“, sagt Anika Wuttke (43), Vizepräsidentin der IHK Fulda. Gemischte Teams seien grundsätzlich gut, denn es erweitere den Blickwinkel. Die bewusste Förderung von Frauen auf allen Ebenen sei wichtig, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen.

Gabriele Leipold: „Wir brauchen keine Quote“

„Frauen brauchen keine Quote. Quoten bringen keine nachhaltige Verbesserung. Frauen müssen durch Qualität überzeugen“, äußert Gabriele Leipold (59). Als ihr zu Jahresbeginn viele dazu gratulierten, dass sie in Fulda die erste Geschäftsführerin einer Kreishandwerkerschaft in Hessen wurde, habe sie sich gewundert: „Dass ich eine Frau bin, ist für mich nicht entscheidend.“

„Frauen sollen ins Amt kommen, weil sie gut sind, nicht weil sie eine Quote erfüllen“, äußert Patricia Fehrmann (52), CDU-Fraktionschefin in Fulda und Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums. „Der Frauenanteil in der Führung der Unternehmen muss aber steigen. Dazu müssen Frauen schon früh gefördert werden. Mehr Frauen in Führungsgremien – das tut den Unternehmen und den Gremien gut.“

Silvia Brünnel: „Wir brauchen eine Quote“

Silvia Brünnel (54), Grünen-Fraktionschefin in Fulda, Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums und Landtagsabgeordnete, ist für die Quote: „Frauen scheitern heute nicht an mangelnder Kompetenz, sondern an den bestehenden männlich geprägten Strukturen und Netzwerken. Um den Frauenanteil in Spitzenpositionen wie Aufsichtsräten zu erhöhen, brauchen wir eine Quote.“

Eigene Netzwerke knüpft der Verein „Soroptimistinnen“. Ortrud Tornow-Griebel (60) ist Vorsitzende in Fulda. „Ich wünschte mir, dass es nicht zur Quotenregelung kommen müsste.“ Grundsätzlich sollten Leistung und Fähigkeiten bei der Besetzung von Aufsichtsrats- und Vorstandspositionen entscheiden. „Leider ziehen dabei Frauen meist den Kürzeren, weil diese Positionen ‚unter sich‘ besetzt werden.“ Zudem hätten es viele Unternehmen lange versäumt, einen Pool an weiblichen Talenten aufzubauen.

Das könnte Sie auch interessieren