Kurioser Diebstahl

Ein Weihnachtskrimi aus Osthessen - Polizistin erinnert sich an besonderen Fall an Heiligabend

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Bei den Einsätzen an den Feiertagen weiß die Polizei in Fulda nie genau, was auf sie zukommt. So auch vor einigen Jahren, als Oberkommissarin Madeleine Gaschler einen besonderen Fall löste: Aus einem Einfamilienhaus wurde ein Weihnachtsbaum entwendet – und das an Heiligabend...

Fulda - Der Tagdienst an Heiligabend startete damals ganz gewöhnlich, erinnert sich Polizeioberkommissarin Madeleine Gaschler: Mieses Wetter, wie das in Osthessen um die Feiertage herum öfter der Fall ist. Ein dekorierter Plastikbaum im Besprechungsraum auf der Wache und Teller mit Plätzchen, die bei den Beamtinnen und Beamten für Festtagsstimmung sorgten.

Die 41-Jährige ist seit dem Jahr 2000 bei der Polizei, sie hat ihre Ausbildung in Mülheim absolviert, und ist inzwischen bereits seit elf Jahren in Fulda stationiert. Gaschler ist sich nicht ganz sicher, in welchem Jahr sich dieser Weihnachtskrimi abspielte – sie tippt darauf, dass die Ereignisse etwa acht Jahre zurückliegen – aber die Erinnerung an den Fall selbst bleibt glockenklar.

Fulda: Polizistin erinnert sich an kuriosen Weihnachtskrimi an Heiligabend

„Das war ein Riesendrama“, sagt Gaschler und schmunzelt. Die Beamtin war an besagtem 24. Dezember mit einem Kollegen im Praktikum auf Streife, als sich gegen 10 Uhr die Leitstelle meldete. „Eine Frau hatte angerufen und berichtet, dass ihr Weihnachtsbaum wohl geklaut wurde“, erzählt die Oberkommissarin.

„Der stand in einem Einfamilienhaus in einer dörflichen Gegend – eine Gegend, wo Haustüren auch nachts manchmal nur auf Schnapper sind – im Ständer im Hausflur und sollte für den Abend, bevor der angekündigte Weihnachtsbesuch eintreffen sollte, ins Wohnzimmer gebracht und geschmückt werden.“

Doch als die Familie den Baum ins Wohnzimmer bringen wollte, fand sie nur noch den leeren Baumständer im Hausflur vor. Die Geschädigten zögerten nicht lange und wählten die 110. Sie gaben an, dass aus ihrem Hausflur der Baum gestohlen wurde. Gaschler und ihr Streifenpartner fuhren zum Einsatzort – und trafen dort auf eine aufgebrachte Familie, die ihren Baum vermisste.

Wer hat den Weihnachtsbaum gestohlen? Spur führt zum Nachbarhaus

„Vor Ort haben wir dann unverzüglich die Ermittlungen aufgenommen, haben eine Hypothese aufgestellt und die Spuren gesichert“, erzählt die Polizistin schmunzelnd. Und das war in dem Fall wohl gar nicht so schwierig, von dem Baum fehlte nämlich nicht jede Spur: „Die Tat war eher stümperhaft ausgeführt. Es war schnell klar, dass wir nach einem Ersttäter suchten“, sagt Gaschler und muss lachen.

Denn der Baum, der schon längere Zeit auf seinen weihnachtlichen Einsatz wartete und nicht mehr ganz so frisch war, hatte während des Diebstahls ordentlich Nadeln gelassen. „Die Nadelspur führte über die Straße ins benachbarte Einfamilienhaus in dieser beschaulichen Wohngegend“, beschreibt Gaschler die Lage bei dem legendären Weihnachtseinsatz.

Löste den osthessischen Weihnachtskrimi in 30 Minuten - mit Tatmotiv und Geständnis: Oberkommissarin Madeleine Gaschler von der Polizei in Fulda.

Die Tür des Nachbarhauses, zu dem die Spur eindeutig führte, öffnete eine Frau. Gaschler und ihr junger Kollege konfrontierten sie mit ihrem Verdacht. Sie erklärte, dass ihr Mann einen Baum besorgen sollte – sie hätte ihn am Vortag mit Geld losgeschickt, um einen Weihnachtsbaum zu kaufen. „Wir haben daraufhin die Schrauben des Baumständers der beklauten Familie mit den Spuren am Stamm abgeglichen – das passte perfekt“, berichtet die 41-Jährige von ihren Ermittlungen.

Die Nachbarin konfrontierte sodann ihren Mann mit dem Verdacht – der wohl noch verkatert im Bett lag. „Er hatte das Geld vermutlich in Glühwein investiert“, sagt Gaschler schmunzelnd. „Er muss sich aber noch erinnert haben, als er am Abend nach Hause kam, dass er einen Baum mitbringen sollte“ – und entwendete wohl kurzerhand den Baum der Nachbarsfamilie aus deren Hausflur. „Angetrunken kommen die Leute auf die dollsten Ideen“, denkt die Oberkommissarin laut.

Alina Komorek liest den osthessischen Weihnachtskrimi vor.

Sie erinnert sich auch daran, dass der Dieb zunächst etwas patzig reagierte – doch schließlich die Tat gestand. „Innerhalb von 30 Minuten hatten wir die Ermittlungen abgeschlossen, mit Tatmotiv und Geständnis – das war schneller als beim CSI“, scherzt Gaschler. Der mannshohe Baum konnte der Familie zurückgebracht werden. Die zeigte sich dankbar, erstattete aber Anzeige gegen den Nachbarn.

„Anzeige wegen Diebstahls eines Weihnachtsbaums – ich wurde zu keiner Gerichtsverhandlung geladen. Der Mann hat wohl zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum geklaut“, sagt Gaschler, noch immer amüsiert von der Geschichte. Diesen Weihnachtskrimi werden sie und ihr Kollege wohl nie vergessen – und jedes Weihnachten aufs Neue gespannt sein, was der Dienst wohl bringen mag.

Rubriklistenbild: © Screenshot

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