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Gasthof & Hotel Sieberzmühle: Mit Innovation zum Erfolg

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Hosenfeld - Wer auf dem flachen Land in der Gastronomie auf Dauer Erfolg haben will, muss sich etwas einfallen lassen. Ein Beispiel dafür, wie man sowohl im Gespräch bleibt als auch seinen Gästen immer wieder etwas Neues bietet, ist der Gasthof & Hotel Sieberzmühle von Wirt Waldemar Neidert.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Das Anwesen liegt malerisch in einem Wiesental am Gieseler Forst. Wäre da nicht die Landstraße, die von Hosenfeld nach Fulda führt, die Abgeschiedenheit wäre kaum zu überbieten. So aber profitiert der Betrieb von einer guten Anbindung an die Stadt – und an den Bahnhof. Dorthin fährt Neidert „manchmal vier oder fünf Mal am Tag, um Gäste abzuholen. Ein Großteil kommt aus dem Rhein-Main-Gebiet. Vom Dorf allein kann man nicht überleben. Diese Betriebe haben kaum eine Chance.“

In der Sieberzmühle, die auf 1483 zurückgeht, gibt es seit mehr als 500 Jahren mehrere Standbeine mit der Verbindung von Forst- und Landwirtschaft. Die Gastronomie kam 1940 hinzu.

70 Betten und Ferienwohnungen

Heute bietet der Betrieb knapp 300 Sitzplätze in verschiedenen Räumlichkeiten und 70 Betten sowie eine Ferienwohnung. Zudem betreibt die Familie Neidert eine Bio-Landwirtschaft. Highland Cattle, schottische Hochlandrinder, beweiden das ganze Jahr über die ausgedehnten Grünflächen rund um die ehemalige Mühle. Ist das überhaupt wirtschaftlich? Waldemar Neidert sagt nein, fügt aber an: „Die Bio-Landwirtschaft ist in erster Linie Leidenschaft und eine Imagefrage. Auch das Highlander-Fest, das wir alle zwei Jahre veranstalten, machen wir vor allem wegen der Fernsehberichte und Zeitungsartikel. Diese Werbung könnten wir nicht bezahlen. Zudem muss die Fläche genutzt werden.“

„Man muss den Leuten etwas bieten. Den Kindern gefallen die Tiere und der Opa fühlt sich in einer heilen Welt“, sagt er mit Blick auf das Damwild mit Nachwuchs. Auch das Mühlrad im Haus „dreht sich nicht mehr zum Mahlen oder um Strom zu produzieren, sondern weil es zum Bild gehört“. Dass Wohlfühlambiente eine Langzeitwirkung entfalten kann, zeigt die Familie Hestermann aus Gelsenkirchen, die seit den 1960er Jahre kommt. „Damals waren wir für die wie Dritte Welt“, erinnert sich der Wirt mit einem Lachen.

Gäste gebe es genügend

Auch weil die nächsten Orte Hosenfeld und Giesel nur über einen Berg zu erreichen sind, gelten mit der Hessenmühle und dem Jagdhof – beide gehören zu Kleinlüder – zwei andere Gastronomiebetriebe als die nächsten Nachbarn. Bei aller Konkurrenz, die es natürlich gibt, halten die Wirte zusammen. Gäste, die es in die Natur des Vorderen Vogelsberges zieht und sich nach einer ausgiebigen Wanderung stärken wollen oder in idyllischer Umgebung übernachten wollen, gibt es genügend.

Neidert: „Die Betriebe, die einen Hotelbereich dabei haben, können überleben – wie wir, die Hessenmühle oder der Jagdhof. Wir sind Konkurrenz, aber auch aufeinander angewiesen.“ Apropos Wanderer: Wer auf der Bonifatiusroute unterwegs ist, hatte im Vogelsberg über etliche Kilometer keine Einkehrmöglichkeit. Daher sei die 17 Kilometer lange Mühlentour „die am stärksten gebuchte – sie ist von der Länge her machbar und es gibt drei Gasthöfe“.

Unternehmen mit 20 Mitarbeitern

Im Wettbewerb zueinander stehen die Kollegen, was das Personal angeht. Aus dem einstigen Familienbetrieb, erzählt der 58-Jährige, ist ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern geworden. Ab Ostern bis in den Spätherbst könne er ohne Saisonkräfte nicht auskommen. „Ohne sie wäre die Hauptsaison nicht zu bewältigen. Ein Problem der Dorfgastronomie ist, dass viele nicht nur am Wochenende arbeiten wollen. Unser Vorteil ist, dass wir die ganze Woche Mitarbeiter brauchen.“

Weshalb das – abgesehen von den Gästen aus heimischen Gefilden – so ist, verrät der Gastwirt dann auch noch: „Wir haben viele Seminare. Das sind die Topgeschäfte. Viele Firmen und Veranstalter suchen abgelegene Hotels, damit die Teilnehmer aus Gründen der Gruppendynamik abends vor Ort bleiben. Sie kommen zudem von einem anderen Preisniveau – und Fulda ist voll im Kommen, nicht nur was Tagungen angeht.“

Familientreffen an Wochenenden

Wenn die Seminarteilnehmer abgereist sind, kommen die Wochenendgäste. Häufig seien das Familientreffen. Die Teilnehmer reisen aus den verschiedensten Regionen an – „und wir liegen optimal zentral in Deutschland.“

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