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Gedenken an Tote bei Demonstrationen am 4. März 1919

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - „Vom Wandel der Erinnerungskultur“, betitelte Alois Hofmann seine Rede beim Gedenken an den 4. März 1919. Vor 101 Jahren sind mehr als 50 Sudetendeutsche bei Demonstrationen für ihr Selbstbestimmungsrecht erschossen worden.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

Die Sudetendeutschen protestierten damals in mehreren Städten, nachdem es abgelehnt worden war, dass ihre Vertreter in das österreichische Parlament einziehen durften. Es trat am 4. März 1919 ohne sudetendeutsche Vertreter zusammen. Sie waren damit ohne eigene Vertretung in der 1918 gegründeten Tschechoslowakei. Die Sudetendeutschen hatten sich bei ihren Forderungen nach parlamentarischer Vertretung auf die Deklaration von US-Präsident Wilson verlassen, der für deren Selbstbestimmungsrecht eingetreten war, sagte Rudolf Bauer, der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen bei der gestrigen Kranzniederlegung.

Sudetendeutsche kamen nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Ackermann-Gemeinde, für die der Künzeller Alois Hofmann sprach, setzt sich für die Aussöhnung von Deutschen, Tschechen und Slowaken ein. Er erinnerte daran, dass sich seit den 1990er Jahren vieles verändert und sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft in ihrem Selbstverständnis mit der Streichung illusionärer Forderungen gewandelt habe.

Vielmehr stehe eine Verständigung und gutnachbarliche Verbindungen im Mittelpunkt. Er nannte als Beispiel die Städtepartnerschaft zwischen Fulda und Leitmeritz. Besonders viele Sudetendeutsche aus Leitmeritz haben nach ihrer Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg in Fulda und Umgebung eine neue Heimat gefunden. „Vor 30 Jahren war es noch nicht möglich zu realisieren, dass Fulda und Leitmeritz auf dieser Grundlage Partner werden könnten“, sagte er.

Ausstellung und Museum geplant

Weiter erinnerte Hofmann daran, dass von der Regierung in Prag Mittel zur Verfügung gestellt würden, um die Ausstellung „Unsere Deutschen“ in Tschechien (Aussig) zu realisieren. Und es gebe eine Zusammenarbeit in der Entwicklung eines Sudetendeutschen Museums in München.

Doch Hofmann wies auch in seiner Rede auf aktuelle Gefährdungen dieser Entwicklung hin. Hervorgerufen würden sie durch nationalistische Tendenzen in Europa, die eine erinnerungspolitische Wende anstrebten. Hofmann zitierte Bundespräsident Steinmeier der sagte: „In diesem Zeitalter führt uns der Rückzug ins Nationale in eine Sackgasse, in eine finstere Zeit.“

Hofmann nennt in seiner Rede ein Beispiel, das Mut macht für eine gemeinsame Erinnerungskultur. Auf dem Friedhof in Kaaden, einer der Städte im Sudetenland, in der Demonstranten erschossen worden sind, gibt es ein Ehrenmal, das in tschechisch und deutsch an die erschossenen Kaadener Bürger und an die vertriebenen Deutschen erinnert. Auf einer Tafel steht: „Die ehemaligen und die gegenwärtigen Bewohner des Kaadner Landes bieten einander die Hände zur Versöhnung in Erwartung einer Zukunft in Frieden.“

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