Fotos: Eike Zenner

Gedenkstunde zur Pogromnacht: OB spricht vom „dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Mehr als 100 Menschen haben am Donnerstagabend an die Reichspogromnacht vor 81 Jahren erinnert. Die Gedenkfeier an der früheren Synagoge Am Stockhaus stand auch unter dem Eindruck der Geschehnisse von Halle.

Von unserem Redaktionsmitglied Eike Zenner

Die Stadt Fulda blickt in diesem Jahr auf eine 1275-jährige Geschichte zurück. „Die jüdische Gemeinde hat das Leben in Fulda fast 1000 Jahre lang geprägt“, erinnerte Fuldas OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) in seiner Ansprache. Die Pogromnacht, in der in ganz Deutschland und auch in Fulda Synagogen angezündet und zerstört wurden, und die NS-Zeit insgesamt markierten „das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte“, betonte Wingenfeld.

„Dunkelstes Kapitel der Stadtgeschichte“

Der OB richtete – wie alle Redner – den Blick auch auf den Anschlag in Halle vor wenigen Wochen. „Wir sind heute aufgerufen, Haltung zu zeigen.“ Es gehe darum, klar gegen Antisemitismus einzustehen. Wingenfeld bekannte, er habe sich „vor einem Jahr nicht vorstellen können, dass ein junger Mensch den Versuch unternimmt, in einer Synagoge einen Massenmord zu begehen“. Was derzeit geschehe, sei „ein herber Rückschlag im Glauben daran, dass Menschen wirklich aus der Vergangenheit lernen“.

Als Nachfahre Fuldaer Juden sprach Ethan Bensinger eindrucksvolle Worte. Er lebt in den USA, besucht aber regelmäßig Fulda. Die Stadt habe „einen Platz in seinem Herzen“. Bensinger sagte, allein ein Blick in die Kriminalstatistiken zeige, dass das jüdische Leben in Deutschland in Gefahr sei. Und er erklärte mit Blick auf die Geschichte, er sehe eine direkte Linie zwischen der Pogromnacht, an die am Donnerstag erinnert wurde, und den Deportationen und dem Holocaust. Bensinger rief in diesem Zusammenhang alle Beteiligten auf, sich für ein Denkmal in Fulda einzusetzen, das an die Deportation der jüdischen Mitbürger, vor allem aber auch an die Kindertransporte erinnert.

Winfriedschüler äußern Gedanken

Gebete sprachen der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Roman Melamed, Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber, der Dekan der evangelischen Kirche, Bengt Seeberg, sowie der Imam der Ahmadiyya-Gemeinde, Ijaz Janjua. Bischof Gerber bezeichnete die Ereignisse in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 als „unfassbaren Kulturbruch“.

Wolfgang Hengstler, der als Vertreter der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit durch die Gedenkstunde führte, freute sich vor allem darüber, dass am Donnerstag auch junge Menschen einen Beitrag zur Erinnerung leisteten: Fünf Schüler der Jahrgangsstufe 13 der Winfriedschule äußerten Gedanken zu den Themen „Antisemitismus“, „Hetze im Internet“ sowie „Würde des Menschen“.

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