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Gefährliche Körperverletzung statt Entführung: Petersberger zu 15 Monaten Bewährung verurteilt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Ein 35-Jähriger aus Petersberg soll am 5. August 2018 in Fulda einen Mann aus Hünfeld mit einem Messer verletzt haben. Nun wurde der Angeklagte vor dem Landgericht zu einer Freiheitsstrafe zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Gericht konnte das Opfer nicht dazu bewegen, vor der Kammer auszusagen.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

Die Kammer war zu dem Entschluss gelangt, dass es in einer Fuldaer Diskothek zu einem Streitgespräch zwischen dem Opfer aus Hünfeld und dem Petersberger gekommen war. Der 35-Jährige forderte 3000 Euro, weshalb die beiden zu einer Bank fuhren. Dort kam es zu einem weiteren Streitgespräch, ehe das Opfer per Kontoauszug beweisen wollte, dass es kein Geld habe. In der Folge zog der Hünfelder einen Schlagstock aus der Fahrertür und der Petersberger ein Messer aus seiner Tasche.

Hünfelder fürchtet Racheakt

Da sich die Kammer nur auf die Angaben des Angeklagten stützen konnte, wurde dieser zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie zu 130 Sozialstunden verurteilt. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt. Die Dauer der Bewährungszeit liegt bei vier Jahren. Es habe sich zudem laut dem Vorsitzenden Richter Josef Richter strafmildernd ausgewirkt, dass der Angeklagte zum Prozessauftakt die Körperverletzung zugegeben hatte.

Nach der ersten Verhandlung am vergangenen Freitag hatte die Kammer versucht, das Opfer doch noch zur Aussage zu bewegen. Zuvor hatte der Mann angegeben, er fürchte sich vor einem Racheakt, denn der Angeklagte gehöre der Rockerszene an. „Uns liegt erneut ein Attest des Opfers vor“, erklärte Richter am Donnerstag. Somit stand fest, dass der Hünfelder auch an diesem Prozesstag nicht aussagen wird.

Gefährliche Körperverletzung als Tatbestand

Das Opfer hatte jedoch direkt nach der Tat mehrere Aussagen zum Tatgeschehen gemacht. Diese waren widersprüchlich, weshalb das Gericht zu Beginn der Verhandlung der Auffassung war, es gehe um schwere Körperverletzung. Denn die Aussagen zum Tatverlauf widersprachen sich in vielen Punkten. Gar von Entführung war die Rede. Doch die vom Opfer geschilderten Messerstich in den Oberschenkel gab es so nicht. „Es handelte sich um eine oberflächliche Verletzung von einer Tiefe von sieben Millimetern“, erklärt der Vorsitzende Richter.

Da Staatsanwaltschaft und Verteidigung davon ausgingen, dass das Opfer auch bei weiteren Prozessterminen nicht mehr aussagen wird, einigten sich die Parteien mit dem Richter auf den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung.

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