Foto: Sebastian Kircher

Gefahr war im Verzug: Morsche Linde gefällt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Fulda - Ein Lindenbaum in der Dalbergstraße musste Anfang der Woche gefällt werden. Das Naturdenkmal war nicht mehr standsicher. Schuld ist wohl der Abriss des alten Kolpinghauses.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Naturdenkmäler stehen unter besonderem Schutz und dürfen nicht verändert werden. Die fünf Linden an der Ecke Dalbergstraße/Gutenbergstraße waren aufgrund ihrer „Seltenheit, Eigenart und Schönheit“ geschützt, wie es im Katalog zu den Naturdenkmälern der Stadt Fulda heißt. Dennoch ist am Montag einer dieser Bäume gefällt worden.

Kein Wurzelwachstum mehr

Das Areal wird derzeit umgestaltet: An der mittelalterlichen Stadtmauer, die dort verläuft, soll ein historischer Erlebnisort entstehen. „Während der Bauarbeiten für die Freifläche vor der Stadtmauer wurde ersichtlich, dass der Boden offenbar bereits in den 1960er- oder 1970er-Jahren mit Bauschutt aufgeschüttet worden war“, erklärt Johannes Heller aus der Magistratspressestelle. Dieser Bauschutt stehe „möglicherweise im Zusammenhang mit dem Abbruch des alten Kolpinghauses“ im Jahr 1969. „Anscheinend haben dabei bereits mehrere Baumaßnahmen im Bereich der Bäume stattgefunden, wodurch der Boden stark verdichtet wurde“, sagt Heller. Und das ist ein großes Problem für die Pflanzen: „Es gibt dort bereits seit geraumer Zeit kein natürliches Wurzelwachstum mehr.“

„Der Baum hätte jederzeit kippen können“

Das Amt für Grünflächen und Stadtservice habe deswegen einen sogenannten Zugversuch an den Bäumen durchgeführt. „Dabei wird mittels eines Zugseils eine bestimmte Windlast simuliert“, erklärt der Sprecher. Das Ergebnis: „Ein Baum aus der Lindengruppe vor der Stadtmauer wurde mit der schlechtesten Standsicherheitsklasse bewertet.“ Der Zugversuch sei vorzeitig abgebrochen worden, da der Baum sich zu stark geneigt habe. „Die Baumexperten sprechen hier von Gefahr im Verzug, da eine Standsicherheit nicht mehr gegeben ist und der Baum jederzeit hätte kippen können“, macht Heller deutlich. Da sich die Linde zudem „bereits auffällig in Richtung Dalbergstraße geneigt hatte“, habe „rasch gehandelt werden“ müssen.

Ziel ist, die restlichen Bäume zu erhalten

Auch die anderen vier Bäume hätten bei der Zugprobe „Schädigungen und Schwächen in der Standsicherheit“ aufgewiesen – allerdings nicht so schlimm wie die gefällt Linde. Die Bäume sollen „in Kürze noch einmal vor Ort begutachtet werden“, sagt Heller. Ziel sei es, die restlichen Bäume zu erhalten.

Noch keine Entscheidung zur Nachpflanzung

Der Sprecher betont: Die Fällung habe nichts mit der Umgestaltung des Areals zu tun, sondern sei „im Wesentlichen auf frühere Bauarbeiten und Aufschüttungen“ zurückzuführen. Ob für die gefällte Linde ein neuer Baum gepflanzt wird, steht noch nicht fest, sagt er: „Einerseits könnten die verbleibenden Bäume von der Entnahme des mittleren Baumes profitieren, weil deren Wurzeln nun im Erdreich mehr Platz haben, sich auszubreiten und den jeweiligen Baum zu stabilisieren.“ Andererseits könne sich durch die Entnahme möglicherweise die Windanfälligkeit für die anderen Bäume ungünstig verändern, sodass ein Nachpflanzen sinnvoll wäre. „Eine Entscheidung ist deshalb noch nicht gefallen.“

Das könnte Sie auch interessieren