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Gefangen während des Auslandssemesters: Zwei Studierende über ihren Aufenthalt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Split/Fulda - Zahlreiche Studierende der Hochschule Fulda machen gerade ein Auslandssemester. Die Fuldaer Luigi Tranchina und Theresa Bendel (beide 23) gehören dazu. Sie studieren Internationale Betriebswirtschaftslehre (IBWL) und sind aktuell in Kroatien. Von dem Erdbeben dort haben sie nichts mitbekommen – von der Coronakrise schon.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

Die Hochschule Fulda empfiehlt Studenten, die gerade ein Auslandssemester machen, zurückzukommen. „Die Entscheidung liegt aber bei jedem Einzelnen. Allgemein gültige Lösungen gibt es nicht, sondern nur Lösungen für den Einzelfall“, erklärt Julia-Sophie Rothmann, Leiterin des International Office an der Hochschule Fulda. Alle Betroffenen seien kontaktiert worden.

Kein finanzieller Nachteil

Für Studierende, die ein Erasmus-Stipendium oder eine Förderung des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) erhalten, entstehe kein finanzieller Nachteil. Die tatsächlich entstandenen Kosten würden auch dann übernommen, wenn das Auslandssemester abgebrochen werde. Wer sich dafür entscheide, im Ausland zu bleiben, solle sich auf jeden Fall im elektronischen Erfassungssystem des Auswärtigen Amts von Deutschen im Ausland „Elefand“ eintragen lassen, sodass die Bundesregierung sie im Fall einer Rückholaktion kontaktieren könne, rät Rothmann.

Nach Kroatien aufgebrochen

Luigi Tranchina und Theresa Bendel sind Ende Februar mit dem Auto nach Kroatien aufgebrochen und haben sich in Split eine Wohnung bis Ende Juni gemietet. Dort wollen sie an der Partneruniversität ihr Auslandssemester im Studiengang IBWL absolvieren. Im Gespräch mit unserer Zeitung sprachen die zwei Studierenden über ...

„Split als wunderschöner Ort“

... das Studium und die Stadt Split vor der Corona-Epidemie: Viel Zeit blieb uns nicht, die Stadt ohne Einschränkungen zu erkunden – lediglich zwei Wochen. In dieser Zeit haben wir Split als wunderschönen Ort kennengelernt, der sich durch viele Cafés, Märkte und kleine Geschäfte auszeichnet. Vor der Coronakrise war die Stadt zudem sehr gut besucht. Eigentlich haben wir von Montag bis Donnerstag Uni und besuchen Kurse, die sich mit Hotelsoftware und Tourismus beschäftigen.

Eine Art Shutdown

... die aktuelle Situation in Split: Auch hier in Kroatien gab es eine Art Shutdown. Ab vergangenem Donnerstag müssen alle Geschäfte bis auf Supermärkte, Apotheken und Händler, die Tierbedarf verkaufen, schließen. Schulen und unsere Universität sind bereits seit einigen Wochen geschlossen. Uns wurde von unserem Vermieter und der Universität empfohlen, die Öffentlichkeit zu meiden. Generell sind aber alle Menschen sehr hilfsbereit.

„Quasi in den Wohnungen gefangen“

... die Maßnahmen der Universität: Die Lehrinhalte müssen alle von zu Hause bearbeitet werden. Es gibt ein Programm, in dem die Professoren ihre Skripte hochladen. Diese müssen wir anschließend aktiv bearbeiten, und unsere Arbeit wird daraufhin kontrolliert. Viel Spaß macht das nicht unbedingt. Wir sind quasi in unserer kleinen Wohnung gefangen.

Inhalte in Fulda nachholen

... die Kommunikation mit der Hochschule Fulda: Wir haben eine E-Mail von der Hochschule erhalten, in der wir über die aktuelle Situation informiert wurden. Generell zeigt die Hochschule sehr viel Verständnis und kommt uns Studierenden entgegen. Falls wir heimkommen wollen, können wir das machen. Das Auslandssemester wäre zudem nicht umsonst gewesen, da wir die Inhalte in Fulda nachholen könnten und uns das Semester trotzdem angerechnet werden würde.

Lage noch abwarten

... eine vorzeitige Rückkehr: Aktuell wollen wir noch die Lage abwarten und schauen, wie sich das Virus in Kroatien ausbreitet. Die Regierung hier hat frühe Maßnahmen ergriffen. Stand jetzt ist aber das Coronavirus noch nicht in Split angekommen. Sollte dies der Fall sein, müssen wir uns eine mögliche verfrühte Heimreise nochmal durch den Kopf gehen lassen.

Miete bis Ende Juni gezahlt

... die bereits getätigten Ausgaben: Wir haben schon die Miete bis Ende Juni bezahlt. Ob wir im Fall einer vorzeitigen Rückreise das Geld zurückbekommen, wissen wir nicht, da wir noch nicht mit dem Vermieter gesprochen haben. Aber dieser Punkt ist auch nebensächlich, da aktuell die Gesundheit im Vordergrund steht.

„Situation nehmen, wie sie ist“

... die aktuelle Stimmung: Wir sind in einem fremden Land, sollen Kontakt zu andern Menschen meiden und haben eine kleine Wohnung. Natürlich gibt es Schöneres, aber wir müssen die Situation so nehmen, wie sie ist.

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