Foto: Markus Scholz/Leopoldina

Gegründet von einem Rhöner: Leopoldina bündelt seit Jahrhunderten wissenschaftliche Erkenntnisse

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schweinfurt/Halle - Albert Einstein, Max Planck, Fritjof Nansen, Werner Heisenberg, Konrad Lorenz – als Nobelpreisträger fällt man hier nicht auf: Die Mitgliederliste der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist eine Sammlung hochkarätiger Namen.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

„Die Natur erforschen zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen“ – das war das erklärte Ziel, mit dem die vier Leopoldina-Gründer 1652, also gerade einmal vier Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, antraten. Die vier Männer begründeten damit eine einzigartige Forschungstradition, denn die Leopoldina ist die älteste ununterbrochen existierende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt.

Heute ist „Politikberatung“ ein wichtiges Aufgabenfeld der Wissenschaftler aus dem ganzen Bereich der Natur- und Gesellschaftswissenschaften, die aufgrund ihrer fachlichen Qualitäten in die Leopoldina berufen werden. Das hängt damit zusammen, dass die Gesellschaft im Jahr 2008 zur ersten Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt wurde.

Stunde der Fachleute

Gerade in Zeiten, in denen die Politik über Fragen entscheidet, die ohne wissenschaftlich-technische Detailkenntnis nicht zu beantworten sind, ist wissenschaftlicher Rat gefragt. Dann schlägt die Stunde der Fachleute – wie jetzt in der Corona-Pandemie.

Einen besonderen Akzent legt die Leopoldina seit jeher auf den Austausch von Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachgebiete. Sie organisieren sich heute in den vier Klassen Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin sowie Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften.

Umstrittenes Diskussionspapier

Kritik gibt es aktuell an einem Diskussionspapier aus dem Haus der Leopoldina, in dem Mediziner und Ökonomen 2016 eine deutliche Reduzierung der Krankenhaus-Standorte gefordert hatten. Die Akademie betont, dass dies keine „Handlungsempfehlung“ sondern ein in einem Papier niedergelegter Debattenbeitrag gewesen sei, wie sie häufiger publiziert würden.

Apropos Krankenhaus: Am Gründungsstandort Schweinfurt erinnert das städtische Krankenhaus an die historische Bedeutung der Stadt für die Wissenschaftsgeschichte: Die Klinik heißt „Leopoldina-Krankenhaus“.

Aus der Geschichte

– 1652 gründeten die vier Schweinfurter Ärzte Johann Lorenz Bausch, Johann Michael Fehr, Georg Balthasar Metzger und Georg Balthasar Wohlfahrth eine naturwissenschaftliche Akademie. Nachdem Kaiser Leopold sie 1677 mit besonderen Rechten ausstattete, heißt sie allgemein „Leopoldina“.

– Johann Lorenz Bausch war der erste Leopoldina-Präsident. Seine Familie stammt aus Kaltennordheim in der Rhön

– Seit 1878 ist die Leopoldina in Halle an der Saale beheimatet. Zuvor wechselte ihr Sitz mit dem Präsidenten.

– Im Februar 2008 wird die Leopoldina zur ersten Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt

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