Die Vertreterversammlung der VR-Bank NordRhön – hier in der Fuldaer Esperantohalle bei der Abstimmung zur geplanten Fusion mit der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun – hatte im August unter Berufung auf eine Bafin-Empfehlung nicht über die Dividende abgestimmt.
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Die Vertreterversammlung der VR-Bank NordRhön – hier in der Fuldaer Esperantohalle bei der Abstimmung zur geplanten Fusion mit der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun – hatte im August unter Berufung auf eine Bafin-Empfehlung nicht über die Dividende abgestimmt.

Dividende jetzt doch möglich

Genossenschaftsbanken können sich nicht versammeln - und Coronavirus macht Probleme

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Für die Genossenschaftsbanken wird dieses Jahr besonders schwierig: Erst untersagte die Bafin faktisch die Ausschüttung von Dividenden, jetzt macht Corona die jährlichen Versammlungen der Genossen höchst kompliziert.

  • Die Genossenschaftsbanken können sich wegen des Coronavirus nicht versammeln.
  • Außerdem hat die Bafin erst untersagt, Dividenden auszuschütten - jetzt ist es doch möglich.
  • Die Banken regeln die Probleme unterschiedlich.

Region - Für alle Banken ist die Lage derzeit angespannt: Wenn eine Firma krisenbedingt aufgibt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine Bank die Verluste zum Teil mittragen muss. Durch ihre Eigentümerstruktur haben die Volksbanken ein zusätzliches Problem: Ihre Besitzer – viele Tausend Mitglieder – treten üblicherweise mindestens einmal im Jahr zusammen. Dabei beschließen sie, welcher Teil des Gewinns an sie als Dividende ausgeschüttet wird.

Allein die fünf größten Volks- und Raiffeisenbanken in Osthessen haben zusammen mehr als 70.000 Mitglieder: die VR Bank Fulda 26.600, die VR Bank NordRhön in Hünfeld 20.800, die Raiffeisenbank im Fuldaer Land in Großenlüder 9500 Mitglieder, die Volksbank Lauterbach-Schlitz 9100 und die Raiffeisenbank Biebergemünd-Petersberg 4400 Mitglieder.

Die im Frühjahr üblichen Versammlungen wurden bereits verschoben. Coronabedingt waren große Treffen nicht möglich. Unmöglich war aber auch das Ausschütten von Dividenden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) empfahl Banken dringend, bis 1. Oktober keine Dividende auszuschütten.

Genossenschaftsbanken haben Probleme mit dem Coronavirus und der Bafin

Vorstände und Aufsichtsräte haben ihre Versammlungen deshalb in den Spätherbst verschoben. Bei der VR Bank NordRhön war das allerdings nicht möglich. Bei den Hünfeldern stand ein Beschluss über die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun mit ihren 2600 Mitgliedern an. „Wir mussten im August zusammentreten, um die Beschlüsse über einen Zusammenschluss rechtzeitig zu treffen“, sagt Walter Mengel, der den Vorständen beider Banken angehört.

Um dabei die nötigen Abstände einzuhalten, fanden die Versammlungen im Kongresszentrums Esperanto in Fulda statt. Eine Dividende wurde nicht ausgeschüttet – allerdings wurde eine Rückstellung gebildet, die es erlaubt, im nächsten Jahr eine Dividende von 2,5 Prozent für das Jahr 2019 auszuschütten.

Die Auszahlung einer Dividende soll in diesem Jahr bald wieder möglich sein. Die Bafin hat ihre Empfehlung vom März, keine Dividende auszuschütten, am 4. August gelockert: Nach Ansicht der Bafin können Dividenden ausgeschüttet werden, „wenn das jeweilige Institut über eine nachhaltig positive Ertragsprognose verfügt und die Kapitalsituation auch in einer anhaltenden Stressphase weiterhin ausreichende Puffer ausweist“.

Banken händeln Probleme unterschiedlich

Eine solche Ausschüttung plant die VR Bank Fulda, teilt das Institut mit, ohne sich auf eine Höhe festzulegen. Aber es wird keine Vertreterversammlung im üblichen Rahmen geben. Die Vertreter sollen sich Anfang November online treffen, heißt es in einem Brief von Aufsichtsrat und Vorstand an die Vertreter. „Der Gesetzgeber hat virtuelle Versammlungen zugelassen, selbst wenn es die Satzung der Genossenschaft nicht explizit vorsieht“, erklärt Aufsichtsratschef Stefan Burkard.

Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank im Fuldaer Land haben beschlossen, an der Vertreterversammlung Anfang November festzuhalten, die Sitzung jedoch digital durchzuführen, äußern die Vorstände Jürgen Bien und Torsten Leinweber. Sie wollen eine Dividende zahlen.

Eine Vertreterversammlung in digitalen Form plant auch die Volksbank Lauterbach-Schlitz. „Wir werden den Vertretern eine Dividendenzahlung in Höhe von vier Prozent zur Auszahlung Anfang Oktober 2020 vorschlagen“, sagt Vorstandschef Norbert Lautenschläger.

Die Raiffeisenbank Biebergrund-Petersberg hingegen will ihre Versammlung Anfang November unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln als Präsenzveranstaltung durchführen, erklärt Vorstand Stefan Heil. Die Auszahlung einer Dividende für 2019 ist geplant.

Lesen Sie hier: Abriss der Schlüchterner Kreissparkasse: Im November soll der Neubau stehen. Raiffeisenbank Asbach-Burghaun strebt Fusion mit VR-Bank NordRhön an. Die RhönEnergie Challenge findet virtuell statt: Wir stellen die Routen vor. VR-Bank Fulda öffnet seine Filialen wieder.

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